Drohende Staatspleite Ökonomen geben Griechenland auf

Die Zeit läuft ab für Griechenland: Nach der Herabstufung der Kreditwürdigkeit auf Ramschstatus geben deutsche Wirtschaftsexperten dem Land kaum noch eine Chance. Europa sollte sich auf die Bankrotterklärung aus Athen vorbereiten, lautet ihr vernichtendes Urteil.

Börse in Athen: "Der Stab über Griechenland ist gebrochen"
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Börse in Athen: "Der Stab über Griechenland ist gebrochen"


Berlin/Halle - Die Herabstufung des griechischen Kreditratings wirkte wie eine Ohrfeige - doch nach dem ersten Schreck setzt sich allmählich die Einsicht durch, dass die Agentur Standard & Poor's nur ausgesprochen hat, wovon viele Beobachter im Stillen bereits ausgingen: Griechenland wird seine Schulden wohl kaum zurückzahlen, jedenfalls nicht in voller Höhe. Ein Staatsbankrott - vornehmer als Umschuldung bezeichnet - erscheint unausweichlich.

Als einer der ersten Experten bestätigte der Präsident des Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo, Hans-Werner Sinn, diese Einschätzung. Er glaube nicht, dass Griechenland die Finanzhilfen je zurückzahlen werde, erklärte er dem Rundfunksender MDR Info am Mittwoch. Die Regierung in Athen werde letztlich nicht in der Lage sein, einen harten Sparkurs zu fahren. "Nach einigen Jahren wird sich herausstellen, dass sie es nicht stemmen können." Auf politischem Wege werde von Deutschland dann ein Schuldenerlass verlangt werden.

Sinn äußerte Verständnis für das Zögern der Bundesregierung bei der Hilfszusage. Sei das Geld erst einmal bereitgestellt, "dann hat man kein Druckmittel mehr gegenüber Griechenland", sagte der Wirtschaftsforscher. Deutschland sollte sich nicht bedrängen lassen von den ausländischen Stimmen, die im Wesentlichen aus Ländern stammten, die selber mit zu den Sündern gehörten. "Dass die Spanier, die Italiener jetzt darauf drängen, dass wir zahlen, ohne Bedingungen zu setzen, das ist verständlich", sagte Sinn. Griechenland sei der Präzedenzfall, der dann auch für sie relevant sein werde.

Der Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, Ulrich Blum, sieht in der Abstufung der Kreditwürdigkeit Athens auf den Ramschstatus bereits eine Vorentscheidung für eine mögliche Zahlungsfähigkeit. "Die Märkte sind offenbar zur Entscheidung gekommen, dass Griechenland anhand schlechter Fundamentaldaten die Schulden nicht mehr aus eigener Kraft zurückzahlen kann", sagte Blum dem MDR. "Die Gläubiger müssen erkennen, dass die ganzen Ausleihungen von fast 200 Milliarden Euro nicht mehr einbringbar sind", sagte der Ökonom und kam zu dem Fazit: "Der Stab über Griechenland ist damit eigentlich gebrochen."

Gefahr eines Lawineneffekts

Alleine deutsche Banken haben mehr als 30 Milliarden Euro an Griechenland ausgeliehen, "Davon werden sie nicht viel wiedersehen", sagte Blum. "Es gibt eine Bank, Hypo Real Estate Chart zeigen, die dabei sehr gut mitgemischt hat. Wenn die wieder zehn Milliarden Euro benötigt, dann ist es der Bundeshaushalt, aus dem das gezahlt wird." Auch bestehe mit Blick auf Portugal die Gefahr eines Lawineneffektes.

Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, rät den Euro-Staaten, sich auf einen möglichen Zahlungsausfall Griechenlands im Jahr 2011 vorzubereiten. Im Notfall könne ein Europäischer Währungsfonds (EWF) eine geordnete Insolvenz einleiten, sagte Mayer laut "Financial Times Deutschland" in Brüssel.

Mayer schlug demnach folgende Lastenaufteilung vor: Die Gesamtschulden Griechenlands sollen auf 150 Milliarden Euro halbiert werden, sie würden dann gut 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmachen. Bereits aus den aktuellen Anleihekursen würde sich ein Abschlag für Banken und andere Anleger aus dem Privatsektor in Höhe von 50 Milliarden Euro ergeben. "100 Milliarden Euro würden auf den europäischen Steuerzahler entfallen", sagte Mayer. Davon müsste Deutschland dann 30 Milliarden Euro übernehmen.

Druck auf die Bundesregierung wächst

Angesichts der sich zuspitzenden Situation erhöht sich der Druck auf die Bundesregierung, rasch über mögliche Milliardenhilfen zu entscheiden. Die Regierung will am Mittwoch das weitere Vorgehen abstimmen. Auch der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, sowie der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, sind zu Gesprächen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) in Berlin.

Die Euro-Länder wollen - wenn Griechenland strenge Auflagen erfüllt - 2010 bis zu 30 Milliarden Euro Kredite geben - davon soll Deutschland 8,4 Milliarden Euro übernehmen. Der IWF soll bis zu 15 Milliarden beisteuern. Athen braucht bis spätestens 19. Mai an die neun Milliarden Euro, um Anleihen zu bedienen. Der IWF hat einem Bericht der "Financial Times" zufolge bereits angeboten, seinen Anteil an den Hilfen um zehn Milliarden Euro aufzustocken. Bislang war geplant, dass der Fonds 15 Milliarden Euro beisteuert.

Doch in Deutschland gibt es massiven Widerstand gegen eine Griechen-Hilfe. 57 Prozent der Bundesbürger halten es für eine schlechte Entscheidung, dem schwer angeschlagenen Land gemeinsam mit den anderen EU-Staaten zu helfen, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten repräsentativen Befragung von Infratest dimap im Auftrag der Zeitung "Die Welt" und des Nachrichtensenders France24. 33 Prozent halten eine finanzielle Unterstützung für richtig.

Der Staatsrechtler Karl Albrecht Schachtschneider bekräftigte, dass er gemeinsam mit drei Mitstreitern eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht für den Fall vorbereitet, dass der Bundestag ein Gesetz zu Staatshilfen für Griechenland passieren lässt. "Sobald das Gesetz über die Griechenland-Hilfen durch den Bundestag ist, klagen wir", sagte der pensionierte Professor für öffentliches Recht der "Mitteldeutschen Zeitung" (Mittwoch). Das EU-Recht sehe keinen Finanzausgleich wie bei Bundesstaaten vor, wenn ein Euro-Land in Probleme gerate, da die Europäische Union nur ein Staatenbund sei.

mik/dpa-AFX/ddp/AFP



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 239 Beiträge
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Seite 1
wasissn, 28.04.2010
1. JETZT Geld geben wäre das Falscheste
Zitat von sysopDie Zeit läuft ab für Griechenland: Nach der Herabstufung der Kreditwürdigkeit auf Ramschstatus geben deutsche Wirtschaftsexperten dem Land kaum noch eine Chance. Europa sollte sich auf die Bankrotterklärung aus Athen vorbereiten, lautet ihr vernichtendes Urteil. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,691717,00.html
Wenn ein Bankrott nicht zu vermeiden ist, sollte man alle Mittel gerade jetzt zurückhalten. GR muss - seinen korrupten Staat in Ordnung bringen - eine Schuldenregulierung mit den Gläubigern treffen - Überversorgung des aufgeblähten Öffentlichen Dienst bereinigen - aus der Eurozone austreten - ... DANN kann man über Hilfen sprechen. Keine Leistungen auf vage Versprechen, die immer wieder nicht eingehalten ja sogar mit Betrug eingelöst wurden.
hansausberlin 28.04.2010
2. Und nun?
Das war doch klar das Griechenland Pleite gehen wird. Für diese Erkenntnis muss man nicht mal studiert haben bzw. seinen Dr. oder Prof. abgelegt haben. Durch Einschalten des gesunden Menschenverstandes sollte man zu der gleichen Erkenntnis gelangen. Also, warum noch Darlehen an Griechenland weiterreichen? Wenn ja, dann bitte gleich als Spende deklarieren und dann kann es auch gleich als Ausgabenposten im laufenden Bundeshaushalt aufgenommen werden. Wir wollen doch jetzt nicht noch einen weiteren Schattenhaushalt aufmachen, oder?
Klo, 28.04.2010
3. Geordneter Staatsbankrott
Zitat von sysopDie Zeit läuft ab für Griechenland: Nach der Herabstufung der Kreditwürdigkeit auf Ramschstatus geben deutsche Wirtschaftsexperten dem Land kaum noch eine Chance. Europa sollte sich auf die Bankrotterklärung aus Athen vorbereiten, lautet ihr vernichtendes Urteil. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,691717,00.html
Griechenland ist ganz offensichtlich ein gigantisches Faß ohne Boden. Es ist daher unsinnig, jetzt Milliarden um Milliarden dort hineinzugeben, die man nie wieder sehen wird. Die einzige Möglichkeit wäre eine geordnete Insolvenz und daraus folgend die Übereignung sämtlichen griechischen Staatsbesitzes an die Gläubiger. So ist das nun mal bei jedem Bankrott. Man kann nicht Geschenke verlangen, zumal diese Geschenke nur bewirken, dass die Schulden noch höher werden, weil der europäische Steuerzahler nämlich das Geld nicht hat und selbst aufnehmen muß. Es ist klar und eindeutig, dass weder Deutschland, noch die EU die Schulden der Griechen bei den Banken übernehmen kann. Auch der Austritt der Griechen aus dem Währungsverbund ist unausweichlich. Eine Wiedereinführung der Drachme und die damit verbundene zu erwartende Hyperinflation samt Enteignung der griechischen Sparer, ist die logische, aber auch einzig mögliche Konsequenz. Das haben die Griechen schließlich ihren eigenen schlechten und korrupten Politikern zu verdanken. Aber die haben diese Leute ja gewählt. Eine andere Lösung gibt es nicht.
cuenal 28.04.2010
4. musste ja so kommen
Zitat von sysopDie Zeit läuft ab für Griechenland: Nach der Herabstufung der Kreditwürdigkeit auf Ramschstatus geben deutsche Wirtschaftsexperten dem Land kaum noch eine Chance. Europa sollte sich auf die Bankrotterklärung aus Athen vorbereiten, lautet ihr vernichtendes Urteil. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,691717,00.html
was soll man eigentlich groß dazu sagen. Jeder, der ein wenig ökonomischen Sachverstand hat und nicht engstirnig denkt, konnte sich schon vor Monaten an 5 Fingern abzählen, dass die Griechen es nicht packen können, die anstehenden Re-Finanzierungen zu stemmen. Schon im Februar hatte das Land seine große Mühe, seine Anleihen nur mit hohem Aufschlag platzieren zu können. Ich wundere mich immer wieder, wie verblendet man sein muss, die streikende und anscheinend völlig reformunwillige Bevölkerung, die Kenngrößen des Landes und insbesondere die unfähige und durchwegs korrupte Politikerkaste in Griechenland so zu ignorieren. Jede Bank würde hochkant einen Kunden rausschmeißen, wenn dieser an seinen Bilanzen manipuliert hätte. Nein, bei diesem Land wurde sträflicherweise in Kauf genommen, dass mal das Defizit von 3.9 auf 8, dann auf 12.6, dann auf 13.6 usw. korrigiert wurde, wahrscheinlich liegt die Zahl irgendwo bei 20%. Umso mehr ärgern mich die ganzen "Neunmal-Klugen"Kommentare der achso weisen Experten, die von Systemrelevanz und Euro-Stabilität faseln. Eine kranke Person wird nicht dadurch gesünder, indem man es gesundschminkt. Krank bleibt krank und da braucht man kein VWL Experte zu sein, dass Griechenland knapp 30 Jahre über seine Verhältnisse gelebt hat. So einfach ist das. Das die Deutsche Regierung zaudert, war zum ersten Mal sogar positiv, sie hat damit die Dinge beschleunigt, die eh eingetreten wären. mfg CU
hadean 28.04.2010
5. Ausgerechnet Griechenland...
Zitat von sysopDie Zeit läuft ab für Griechenland: Nach der Herabstufung der Kreditwürdigkeit auf Ramschstatus geben deutsche Wirtschaftsexperten dem Land kaum noch eine Chance. Europa sollte sich auf die Bankrotterklärung aus Athen vorbereiten, lautet ihr vernichtendes Urteil. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,691717,00.html
... wo doch in deren Kulturgebiet im weitesten Sinne das Geld mal erfunden wurde. *seufz*
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