Drohender Abschwung Rösler hält deutsche Wirtschaft für krisenfest

Die deutsche Wirtschaft hat die Krise bislang recht unbeschadet überstanden. 2012 droht aber auch der Bundesrepublik ein mageres Jahr. Vizekanzler Rösler und die Wirtschaftsweisen spielen die Gefahr nun herunter - und warnen davor, eine Rezession herbeizureden.

Wirtschaftsminister Rösler: "Ausgesprochen robust"
dapd

Wirtschaftsminister Rösler: "Ausgesprochen robust"


Frankfurt am Main - Die Frage, wie optimistisch eine Prognose erscheint, hängt entscheidend mit den äußeren Umständen zusammen. Wenn also der Chef des Sachverständigenrates, Wolfgang Franz, für 2012 nur noch ein Mini-Wachstum in Aussicht stellt, dann ist das angesichts der Schuldenkrise und der schwächelnden Weltwirtschaft durchaus optimistisch.

Die deutsche Wirtschaft werde 2012 "wohl nur um 0,5 Prozent wachsen", sagte Franz dem "Handelsblatt". Vor wenigen Wochen gingen die Wirtschaftsweisen in ihrem Jahresgutachten noch von einer fast doppelt so hohen Zuwachsrate aus. Damit liegt der Sachverständigenrat auf einer Linie mit führenden Forschungsinstituten. Diese hatten für 2012 bereits in den vergangenen zwei Wochen ihre Prognosen heruntergeschraubt, das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung rechnet gar mit einem Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 0,1 Prozent.

Obwohl auch Franz seine Prognose nun kassiert, will er von einer Wirtschaftsflaute nichts wissen: "Eine Rezession befürchte ich nicht", sagte der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). "Erst recht nicht eine so starke wie 2009, als das Bruttoinlandsprodukt um rund fünf Prozent absackte."

Deutschland gehe es gut, "noch jedenfalls". Die Zahl der Beschäftigten sei so hoch wie nie, die Kapazitäten der Industrie seien besser ausgelastet als im langjährigen Durchschnitt, die Unternehmen seien gesund und zuversichtlich.

Ähnlich optimistisch gibt sich auch Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP): "Unsere Wirtschaft zeigt sich ausgesprochen robust, auch wenn das wirtschaftliche Umfeld sowohl auf internationaler als auch auf europäischer Ebene schwieriger geworden ist", sagte Rösler dem "Handelsblatt".

"Wir sind bestens gerüstet, um die zu erwartende wirtschaftliche Eintrübung im Winterhalbjahr zu bewältigen", erklärte der Wirtschaftsminister. Es komme jetzt auch darauf an, die Wachstumskräfte im kommenden Jahr weiter zu stärken. "Hierbei kommt zum Beispiel der Sicherung der Fachkräftebedarfs und der Konsolidierung des Staatshaushalts eine wichtige Rolle zu", so Rösler. Als Grund für die Entwicklung nannte er die strukturellen Reformen in der Vergangenheit, denen der damit ausgelöste Aufschwung am Arbeitsmarkt zu verdanken sei.

"Krise nicht herbeireden"

Auch der CDU-Abgeordnete Michael Fuchs warnt vor einer negativen Einschätzung der konjunkturellen Entwicklung. "Wir dürfen die Krise nicht herbeireden", sagte der stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende der "Passauer Neuen Presse". In diesem Punkt sei er einer Meinung mit DGB-Chef Michael Sommer. "Ich bin optimistisch für das Wachstum, optimistischer als die 'Fünf Weisen' vom Sachverständigenrat", sagte Fuchs.

Der Wirtschaftsweise Franz übte in der Zeitung heftige Kritik an Christine Lagarde, der Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF). Lagarde hatte den Ausblick für das kommende Jahr Mitte Dezember als "ziemlich düster" bezeichnet - und die aktuelle Lage mit der Großen Depression vor dem Zweiten Weltkrieg verglichen.

Franz sagte nun, es sei zwar richtig, auf Risiken hinzuweisen. "Aber Rezessionen lassen sich auch herbeireden. Frau Lagarde wäre wirklich gut beraten, bei ihrer Wortwahl zurückhaltender zu sein", warnte Franz.

cte/dpa/dapd



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insgesamt 47 Beiträge
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Seite 1
wortmannin 27.12.2011
1. Und was hält die deutsche Wirtschaft von Rösler?
Zitat von sysopDie deutsche Wirtschaft hat die Krise bislang recht unbeschadet überstanden. 2012 droht aber auch der Bundesrepublik ein mageres Jahr. Vizekanzler Rösler und die Wirtschaftsweisen spielen die Gefahr nun herunter - und warnen davor, eine Rezession herbeizureden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,805841,00.html
Sie hält ihn vermutlich für ein Auslaufmodell, so wie seine ganze Partei.
MütterchenMüh 27.12.2011
2. Schuster beib bei deinen Leisten
Zitat von sysopDie deutsche Wirtschaft hat die Krise bislang recht unbeschadet überstanden. 2012 droht aber auch der Bundesrepublik ein mageres Jahr. Vizekanzler Rösler und die Wirtschaftsweisen spielen die Gefahr nun herunter - und warnen davor, eine Rezession herbeizureden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,805841,00.html
Ich bin da ein bisschen altmodisch. Der Mann ist Arzt. Soll der den Leuten den Blutdruck messen und Plattfüße behandeln, aber Vertrauen und speziell in volkswirtschaftliche Aussagen habe ich bei Herrn Rössler keine. Da halte ich mich doch lieber an seinen Chefsouffleur den Herrn Franz, der kann´s.
Altesocke 27.12.2011
3.
Zitat von sysopDie deutsche Wirtschaft hat die Krise bislang recht unbeschadet überstanden. 2012 droht aber auch der Bundesrepublik ein mageres Jahr. Vizekanzler Rösler und die Wirtschaftsweisen spielen die Gefahr nun herunter - und warnen davor, eine Rezession herbeizureden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,805841,00.html
Sicherung des Fachkraeftebedarfs? Erledigt, Griechenland 'schickt' alles, was die nicht gebrauchen koennen! Konsolidierung des Staatshaushaltes? Auch in Arbeit, die Staatshaushalte der PIGIS bekommen genug Kohle von uns! Roeslers Meinung, ob die fuer die Wirtschaft irgendeine Relevanz hat? Und wenn die Bankster auf seine Meinung pfeifen, was dann?
santaponsa 27.12.2011
4. Gesundbeten ...
Zitat von sysopDie deutsche Wirtschaft hat die Krise bislang recht unbeschadet überstanden. 2012 droht aber auch der Bundesrepublik ein mageres Jahr. Vizekanzler Rösler und die Wirtschaftsweisen spielen die Gefahr nun herunter - und warnen davor, eine Rezession herbeizureden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,805841,00.html
... hilft da nicht! Auf die Entwicklung des wirtschaftlichen Umfelds weltweit wird es ankommen, ob Deutschland noch ein Mini-Wachstum - immerhin - erreichen kann. Was mir für die Zukunft mehr Kopfzerbrechen macht, ist die Sorge, ob die Staatshaushalte im EURO-Raum jemals wieder nur die 3 % Neuverschuldung der Maastricht-Kriterien erreichen wird. Oder noch utopischer, ausgeglichene Staatshaushalte vorlegen.
wohlmein 27.12.2011
5. Röslein
Zitat von sysopDie deutsche Wirtschaft hat die Krise bislang recht unbeschadet überstanden. 2012 droht aber auch der Bundesrepublik ein mageres Jahr. Vizekanzler Rösler und die Wirtschaftsweisen spielen die Gefahr nun herunter - und warnen davor, eine Rezession herbeizureden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,805841,00.html
Wenn sogar Röslein diese Meinung vertritt, bin ich vollkommen beruhigt.
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