Vor Entscheidung über Dürrehilfen Bauernverband macht Druck auf Bundesregierung

Unmittelbar vor der entscheidenden Kabinettssitzung verschärft der Bauernverband den Druck auf die Große Koalition. Angesichts der Dürre müssten Bund und Bundesländer "die Nothilfesituation auslösen".

Beregnungsanlage auf einem Rübenfeld
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Beregnungsanlage auf einem Rübenfeld


Erstmals seit 2003 könnte die Bundesregierung wegen der extremen Trockenheit wieder Nothilfen an Landwirte ausbezahlen. Eine Grundsatzentscheidung darüber will Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) bei der heutigen Kabinettssitzung verkünden, wenn sie über den amtlichen Erntebericht informiert. Aus Sicht des Bauernverbandes geht es nicht mehr um die Frage, ob es Hilfe geben soll, sondern darum, wie diese aussehen können.

Erhebliche Ertragseinbußen seien Realität, sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied der Nachrichtenagentur dpa. "Wir erwarten, dass die Bundesländer und der Bund die Nothilfe-Situation auslösen." Dabei gehe es nicht um Unterstützung mit der Gießkanne - sondern gezielt dort, wo es für Betriebe Existenznöte gebe und teils Mindererträge von 30 bis 70 Prozent aufgetreten seien.

Der Bauernverband legt ebenfalls am Mittwoch seine Erntebilanz vor. Er hat bereits Hilfen von bis zu einer Milliarde Euro gefordert. Voraussetzung für Dürrehilfen des Bundes ist, dass Schäden von "nationalem Ausmaß" festgestellt werden. Ganz schwer getroffen habe es den Norden und Osten der Republik, sagte Bauernpräsident Rukwied. Er sprach von einer "ganz schlechten Getreideernte 2018". Da es seit Wochen keine nennenswerten Niederschläge gegeben habe, litten auch Zuckerrüben und Kartoffeln. Die Futterbeschaffung sei für viele Viehhalter ebenfalls "ein riesiges Problem". Es sei zu hoffen, dass Hilfen noch in diesem Jahr ausgezahlt werden könnten.

Im Video: Biobauer gegen Milliarden-Hilfen

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Mit Ausnahme von Obst zeichneten sich geringere Erntemengen ab, sagte der Bauernpräsident. Dies dürfte "mit Sicherheit zu stabilen, in manchen Bereichen auch leicht steigenden Preisen führen". Rukwied sprach sich dafür aus, dass für Versicherungen, die auch Dürreschäden umfassen, ein geringerer Mehrwertsteuersatz gelten solle. Dies sei bei Hagelversicherungen bereits der Fall.

Landwirtschaftsministerin Klöckner hat für Viehhalter bereits Erleichterungen auf den Weg gebracht, um von zusätzlichen Flächen Futter zu gewinnen. Über finanzielle Hilfen will sie auf Basis des amtlichen Ernteberichts entscheiden. In diesen fließen unter anderem tatsächlich ermittelte Ergebnisse mehrerer Tausend Felder ein.

Klöckner hat außerdem klargemacht, dass sie in eine Gesamtbetrachtung auch die momentan deutlich höheren Preise für Getreide einbeziehen will.

Im Video: Klima extrem - Warum das Wetter immer unberechenbarer wird

mmq/dpa

insgesamt 53 Beiträge
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Arthur Dent 22.08.2018
1. angesichts
der ehemaligen Überproduktion mit den einhergehenden Überschüssen der Bauern, plus EU Subventionen, hat der Bauernverband auch keine Soforthilfe an den STeuerzahler ausgelöst. Mehr noch, um die Preise künstlich teuer zu halten verheizen und entsorgen wir in großem STil die Lebensmittel. Nicht immer Doppelmoral meine Herren. Ich weiß gar nicht wie die Bauern vor 200 Jahren ohne diese Lobby überleben konnte. Versteh ich nicht. Jammern auf höchstem Niveau.
Socialmen 22.08.2018
2. Sind die...
..Landwirte nicht Selbständige Unternehmer, die nicht die Risiken eines Landwirtschaftsbertiebes kennen?? Ich bin da etwas stutzig, soll unser Steuergeld in die private Landwirtschaft fließen...wo sind die Rücklagen oder Subventionsgelder der EU?? Jetzt nach hilfe schreien, und viele Millionen Euro einheimsen....es wird zeit für eine strukturelle veränderung im System, so dass Rücklagen bzw. ein Topf geschaffen wird, wo alle Landwirte einzahlen...Helfen ja, aber die Gelden müssen wieder zurückfließen, sobald die ersten gewinne da sind...ich bekomme ja auch nicht einfach so Geld, wenn ich in Not bin oder Risiken einfach Ignoriere, und wenn doch, muss es später zurückgezahlt werden.
bessernachgedacht 22.08.2018
3. Immer raufhauen
Immer wieder schön raufhauhen auf die bösen bösen Bauern, die uns ja nur mit schön billigen Nahrungsmitteln versorgen. Die können nicht billig genug sein. Aber wir lieben ja Lebensmittel. HaHa. Andere Branchen werden reflexartig mit Subventionen und Hilfen überschüttet. Siehe Automobil. Abwrackprämie. E-Auto Zuschüsse (für Hybrid-SUV). Windkraftanlagen-Hersteller, kriegen Geld obwohl sie nicht mal zu Gesprächen bereit sind. SPD-Weil will dringen die Windkraftanlagen-Hersteller pampern. Immer raus mit dem Geld. Aber SPD-Weil sitzt ja auch um VW Aufsichtsrat, da ist man Subventionenschieben gewöhnt. Verluste durch Abgas-skandal? Die Standorte brauchen sofort Steuerhilfen? Ja geht's noch?
grain 22.08.2018
4. Ist eben keine Bank
Tja, liebe Landwirte, wenn ihr wenigstens eine Bank betreiben würdet dann hättet ihr bereits Milliarden als Beihilfen etc im Sack. Aber ihr seid nur für die Grundversorgung der Nation zuständig; somit nicht wichtig weil man ja sein Brot beim Bäcker, deine Milch bei Edeka und sein Fleisch beim Schlachter besorgen kann. Im Ernst, es ist eine Riesensauerei wie mit einer Grundversorgungssparte umgegangen wird, die ohne eigenes Zutun in Not gerät. Hiermit sind nicht die riesigen Agrarerzeuger gemeint, wohl aber kleine, mittlere Unternehmen, die ohnehin nicht mit großen Gewinnspannen gesegnet sind, durch immer weiter steigende Betriebskosten. Auch hier insbesondere die Fleischerzeuger, die zu einen nicht mehr den normalen Futtererzeugungszyklus sicherstellen konnten und bedingt dadurch gewaltige Mehrkosten über Zusatzfütterung aufbringen müssen. Und zum gleichen Zeitpunkt sorgen die Fleischkartelle für sinkende Erlöse aus der Fleischproduktion. Aber Frau Klöckner und ihresgleichen interessiert nicht, wenn ein paar Bauern und Co Hops gehen, weil man ihnen die benötigten Hilfen verweigert. Bleibt genug Geld übrig um Bayer und Co zu unterstützen falls nötig,,,,,
grain 22.08.2018
5. Information ist alles
Zitat von Arthur Dentder ehemaligen Überproduktion mit den einhergehenden Überschüssen der Bauern, plus EU Subventionen, hat der Bauernverband auch keine Soforthilfe an den STeuerzahler ausgelöst. Mehr noch, um die Preise künstlich teuer zu halten verheizen und entsorgen wir in großem STil die Lebensmittel. Nicht immer Doppelmoral meine Herren. Ich weiß gar nicht wie die Bauern vor 200 Jahren ohne diese Lobby überleben konnte. Versteh ich nicht. Jammern auf höchstem Niveau.
Ist schon erstaunlich, wie immer noch so massive Formen der Desinformation bestehen. Zum einen werden kaum noch Überschüsse erzeugt; im Gegenteil. Deutschland und die EU importiert im großen Stil Getreide und Futtermittel ohne die eine Versorgung der hiesigen Verarbeiter nicht möglich wäre. "Subventionen" sind keine Geschenke sondern ein Beitrag um die Landwirtschaft in die Lage zu versetzen, Ihre Produktion einigermassen wirtschaftlich zu gestalten. Mittlerweile übersteigen die Produktionskosten für Getreide und Tierische Produkte regelmässig die Erlöse. Ohne diesen Ausgleich wäre eine ausreichende Produktion in Deutschland und der EU nicht notwendig. Weder entsorgen, noch verheizen wir Lebensmittel. Es ist unfassbar, wie sich solche Märchen immer noch halten können. Oder möchten Sie gerne Gülle essen/trinken , schadhaftes Getreide geniessen und Ihr Brot aus schmackhaften Energie Mais hergestellt wissen ? Man sollte sich wirklich erstmal informieren was hier energetisch verarbeitet wird: Jedenfalls zu 90 % landwirtschaftliche Stoffe, die für den menschlichen Genuss nicht geeignet und zugelassen sind. Und wo Sie künstlich teure Preise sehen, weiß ich wirklich nicht, denn bekanntermaßen haben wir in Deutschland die niedrigsten Lebensmittelpreise.
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