Entscheidung über Dürrehilfen Klöckner will erst einmal Zahlen sortieren

Mit gelockerten Auflagen will Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner die akute Futternot auf Höfen lindern. Vor einer Entscheidung über Finanzhilfen müssten aber erst die Daten zu den Folgen der Dürre vergleichbar gemacht werden.

Julia Klöckner
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Julia Klöckner


Mit Ausnahmeregelungen für bestimmte Flächen will die Bundesregierung die Dürrefolgen für Viehhalter abmildern. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) brachte im Kabinett eine Verordnung zur Nutzung sogenannter ökologischer Vorrangflächen auf den Weg. Der Plan ist bereits seit einigen Tagen bekannt.

Vorranflächen müssen eigentlich im Umweltinteresse genutzt werden, beispielsweise zum Erhalt von Hecken oder als Pufferstreifen zu Gewässern. Bauern dürfen ihre Pflanzen angesichts der Dürre in vielen Teilen des Landes nun ausnahmsweise für Futterzwecke ernten. Allerdings dürften auch auf diesen Flächen keine hohen Erträge herauskommen.

Klöckner will mit der Maßnahme Viehhalter entlasten, denen wegen der Dürre das Futter ausgeht. "Tieren hilft kein Geld, sondern Futter", sagte sie. So ist es Bauern künftig erlaubt, auch Zwischenfrüchte wie Klee und Grasmischungen zu verfüttern, die eigentlich zur Verbesserung der Bodenqualität angebaut werden.

Kühe auf einer vertrockneten Weide in Sachsen
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Kühe auf einer vertrockneten Weide in Sachsen

Die Diskussion über finanzielle Hilfen ist damit noch nicht beendet. Auf eine Entscheidung des Bundes zu möglichen Hilfszahlungen müssen die Bauern aber weiter warten.

Klöckner sagte, derzeit würden noch die aus den Bundesländern gelieferten Zahlen zur Ernte ausgewertet. Sie werde dann am kommenden Mittwoch im Kabinett den Erntebericht vorlegen, der die Grundlage für die Entscheidung sei, "ob es sich hier um eine Extremwettersituation von nationalem Ausmaß handelt". Ausschlaggebend für mögliche Hilfen sei die existenzielle Gefährdung von Landwirten. Finanzielle Unterstützung nach dem Gießkannenprinzip werde es nicht geben. In die Beurteilung, inwiefern Schäden existenzbedrohend sind, würden auch momentan deutlich höhere Getreidepreise einbezogen, kündigte Klöckner an.

"Wir möchten eine faire Vergleichbarkeit"

Für Hilfsmaßnahmen bei Extremwetterereignissen sind die Länder zuständig, bei Ereignissen von nationalem Ausmaß kann aber auch der Bund Hilfen leisten, so geschah es 2003. Am Montag gab es ein Bund-Länder-Treffen zur Dürre. Allerdings seien noch immer nicht alle Ernten abgeschlossen und das letzte Bundesland habe erst am Mittwoch Zahlen geliefert, sagte Klöckner. Eine gemeinsame Bestandsaufnahme sei nötig, um Entscheidungen über Finanzhilfen zu treffen. "Wir möchten eine faire Vergleichbarkeit".

Klöckner zufolge haben manche Bundesländer alle Ernteverluste gemeldet, andere nur diejenigen Betriebe, denen Erlöseinbußen von mindestens 30 Prozent drohten - das eigentliche Kriterium für Bundeshilfen. Diese Daten aus den Ländern sollen nun vergleichbar gemacht werden.

Video: Wie ein Biobauer der Dürre trotzt

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Die Landwirte in Deutschland rechnen in diesem Jahr wegen der anhaltenden Hitze und Trockenheit mit erheblichen Ernteausfällen. Der Deutsche Bauernverband fordert finanzielle Unterstützung des Bundes in Höhe von einer Milliarde Euro und argumentiert, viele Betriebe seien wegen der Wetterlage existenzgefährdet.

mmq/Reuters/dpa/AFP



insgesamt 16 Beiträge
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ulrich.schlagwein 15.08.2018
1. Hoffentlich
haelt Frau Kloeckner ihren Plan durch. Gegner aus Verbaenden und der bayerischen Bauernparteil stehen sicher in den Startloechern. Und hoffentlich rechnet jemand die Groesse der betroffenen Flaechen nach, um wundersame Vermehrungen zu verhindern. Werden vielleicht die Umweltsuenden der Monokulturen mit beruecksichtigt? Vertrocknung der Anbauflaechen durch zuschuetten von Wassergraeben, Tuempeln, Baechen und Rodungen, oder Verpflasterungen von ehemaligen Wald- und Ackerwegen, die sich zu Kanaelen bei Regenfaellen entwickeln (Wwein - Anbaugebiete)?
acitapple 15.08.2018
2.
Als nächstes kommen die Skipistenbetreiber und bekommen Subventionen wenn es nicht genügend geschneit hat. Und wehe der Sommer wird mal verregnet... Finde gut, dass Klöckner hier nicht aktionistisch/hysterisch handelt.
ulrich.schlagwein 15.08.2018
3. Frage
Sorry wegen des frueheren Tippfehlers. Warum wird eigentlich das Grundwasser bei der Kohlefoerderung abgepumpt und ueber Kanaele abgeleitet, anstatt zur Bewaesserung von Feldern zu dienen. Ist hierfuer ein anderes Ministerieum zustaendig, und reden die Ministerien nicht miteinander?
omop 15.08.2018
4. Richtiges Handeln von Frau Klöckner..
vielleicht sollte man den Bauern dann im jeweiligen Fall auch ihre Umweltsünden vorhalten (Monokulturen, Gülle etc.). Als Landwirt muss ich mit den Unwägbarkeiten des Wetters leben. Punkt. Daran ändert auch nichts ein sehr heißer, aber nicht ungewöhnlicher Sommer.
wdiwdi 15.08.2018
5. Erwartete Weizenernte: -20% zum Vorjahr
Weizenpreisanstieg seit Jahresbeginn: +20%. Das belegt doch glasklar, dass den armen, armen Bauern bedingungslos geholfen werden muss. Und wehe, hier redet jemand von solidarischen Sonderabgaben für Winzer oder Erdbeer- und Spargelzüchter nach deren Rekordernten - das wäre ja so was von unsolidarisch und neidzerfressen!
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