Düsteres Szenario Rating-Riese sagt Pleite Griechenlands voraus

Die Rating-Agentur Fitch hält eine Insolvenz Griechenlands für unausweichlich: Daran führe kein Weg vorbei, erklären die Finanzexperten. Trotzdem halten sie es für wahrscheinlich, dass das hochverschuldete Land in der Euro-Zone bleibt - das Risiko eines Austritts sei viel zu groß.

Athen: Griechenland muss weiter zittern
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Athen: Griechenland muss weiter zittern


Athen - Für Griechenland wird es in diesen Tagen richtig eng: Die Regierung des Landes ringt mit den Euro-Partnern um neue Sparmaßnahmen - weitere Hilfen sollen nur fließen, wenn die strengen Vorgaben von Internationalem Währungsfonds und EU-Kommission erfüllt werden. Die Zeit drängt, Anfang Oktober müssen die Euro-Retter die nächste Kredittranche freigeben - sonst ist Griechenland pleite.

Doch selbst wenn dieses Mal noch alles glattgeht: Für die Rating-Agentur Fitch ist schon jetzt klar, wohin die Reise geht: Kein Weg führe mehr an der Zahlungsunfähigkeit des Landes vorbei.

Das heiße aber nicht, dass die Griechen aus der Euro-Zone ausscheiden müssten. Die Furcht vor einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone sei völlig übertrieben, sagte Fitch-Experte David Riley am Dienstag. Es sei zudem unwahrscheinlich, dass die Regierungen eine Zahlungsunfähigkeit systemisch wichtiger Finanzkonzerne oder Staaten zulassen würden.

Die Warnung der Rating-Agentur ist die nächste einer Serie von schlechten Nachrichten für die Euro-Zone. So hält Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn - im Gegensatz zu Fitch - sogar einen Ausstieg Griechenlands aus der Euro-Zone für denkbar. Wenn jetzt auch die EU und der Internationale Währungsfonds keine Grundlage für weitere Hilfen mehr sehen sollten, werde das Land wohl aus der Euro-Zone "in letzter Sekunde austreten, um sich der Last der Rückzahlung der Staatsschulden zu entziehen", sagte der Ökonom dem ZDF. Das wäre auch der richtige Schritt, alles andere sei "rausgeworfenes Geld".

In der Nacht zu Dienstag hatte bereits der Fitch-Konkurrent Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit Italiens herabgestuft. Das bedeutet, dass das Land künftig für neue Schulden höhere Zinsen zahlen muss. Ministerpräsident Silvio Berlusconi bezeichnete die Abwertung als realitätsfern, sie sei vor allem durch die mediale Berichterstattung beeinflusst.

Spanien muss höhere Zinsen zahlen

Griechenland darf bereits seit Frühjahr 2010 keine langfristigen Anleihen auflegen, sondern bekommt das Geld von Euro-Partnern und IWF. Am Dienstag konnte das Land aber immerhin Anleihen mit einer Laufzeit von drei Monaten ausgeben. Insgesamt liehen die Anleger Griechenland so 1,625 Milliarden Euro - zu Zinsen in Höhe von 4,56 Prozent. Dieser Satz liegt nur minimal über den im August erreichten 4,5 Prozent. Die Käufer der kurzfristigen Anleihen gehen aber kein Risiko ein, da der internationale Rettungsschirm im Fall einer Pleite einspringt.

Auch Spanien hat sich am Dienstag neues Geld an den Kapitalmärkten besorgt, musste dafür aber höhere Zinsen zahlen als zuletzt: Wie das Finanzministerium in Madrid mitteilte, wurden Anleihen mit Laufzeiten von 12 und 18 Monaten ausgegeben, die knapp 4,5 Milliarden Euro in die Kasse spülten. Für einjährige Anleihen werden 3,6 Prozent fällig, für 18-monatige 3,8 Prozent. Spanien leidet wie Italien unter einem schwachen Wirtschaftswachstum.

Die Schuldenkrise der Länder wird immer mehr auch für die europäischen Banken zum Problem. Wie die "Financial Times" berichtet, hat Siemens eine halbe Milliarde Euro von einer französischen Großbank abgezogen und bei der EZB geparkt - ein Zeichen, dass der Konzern das Vertrauen in die Privatbank verloren hat.

Laut EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia könnten europäische Banken schon bald frisches Kapital benötigen. Die Vertiefung der Staatsschuldenkrise, ihr Einfluss auf ein "fragiles Bankensystem" und die andauernden Spannungen in Finanzmärkten, "alles deutet auf die mögliche Notwendigkeit für weitere Rekapitalisierungen hin", sagte Almunia in Brüssel. Für die Banken, die den Stresstest im Juli nicht bestanden hatten, gelte dies ohnehin.

cte/dpa/Reuters/dapd

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insgesamt 181 Beiträge
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Seite 1
inci 20.09.2011
1. oooo
Zitat von sysopDie Rating-Agentur Fitch hält eine Insolvenz Griechenlands*für unausweichlich: Daran führe kein Weg vorbei, erklären die Finanzexperten. Trotzdem halten sie es für wahrscheinlich, dass das hochverschuldete Land*in der Euro-Zone bleibt - das Risiko eines Austritts sei viel zu groß. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,787362,00.html
zuerst die banken, die eine pleite griechenland sehen, und die erste ratingagentur ist auch schon dabei. wo waren denn die rating-agenturen, als es um das ranking griechenlands ging. da haben sie jahrelang AAA gerankt, damit die kasse klingelt, und jetzt wo es schon der stammtisch zum x. mal durchgurgelt, sehen die "experten" das auf einmal auch. es gibt tage, da habe ich sooooon hals! heute ist einer davon.
Kalaharry 20.09.2011
2. Ach?
Zitat von sysopDie Rating-Agentur Fitch hält eine Insolvenz Griechenlands*für unausweichlich: Daran führe kein Weg vorbei, erklären die Finanzexperten. Trotzdem halten sie es für wahrscheinlich, dass das hochverschuldete Land*in der Euro-Zone bleibt - das Risiko eines Austritts sei viel zu groß. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,787362,00.html
Entschuldigung, aber für diese Prognose braucht man weder ein Hellseher, noch ein Rating-Riese zu sein. Manchmal frage ich mich, ob das ganze noch irgendwie ernst gemeint ist, oder nur ein ganz großer Joke?
thorland 20.09.2011
3. Das dürfen die nicht sagen!
Zitat von sysopDie Rating-Agentur Fitch hält eine Insolvenz Griechenlands*für unausweichlich: Daran führe kein Weg vorbei, erklären die Finanzexperten. Trotzdem halten sie es für wahrscheinlich, dass das hochverschuldete Land*in der Euro-Zone bleibt - das Risiko eines Austritts sei viel zu groß. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,787362,00.html
Das verunsichert schließlich die Finanzmärkte... So geht das aber nicht!
SkwMueller, 20.09.2011
4. Text
Kann man nicht das Verbinden der Wörter "Finanz" und "experten" zu einem zusammengesetzten Wort mal verbieten? Die passen einfach nicht zusammen.
holzkopfchen 20.09.2011
5. Lohnt sich doch...
"Insgesamt liehen die Anleger Griechenland so 1,625 Milliarden Euro - zu Zinsen in Höhe von 4,56 Prozent. Dieser Satz liegt nur minimal über den im August erreichten 4,5 Prozent. Die Käufer der kurzfristigen Anleihen gehen aber kein Risiko ein, da der internationale Rettungsschirm im Fall einer Pleite einspringt." Risikolose Geldanlage für 4,56% - welch ein Geschäftsmodell! Kurz mal Geld von der EZB zu 0% Leihen und dann für 4,56% weiterreichen. Kein Risiko? Wozu dann 4,56 %, macht mal kurz 6,175 Mio € im Monat.
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