Krebsforscherin warnt "Es droht eine Epidemie wie bei Tabakzigaretten"

Die WHO verhandelt über Regeln für die E-Zigarette. Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum erklärt, wie die Industrie die neuen Produkte in den Markt drückt - trotz vieler Gesundheitsrisiken.

Ein Interview von Timo Stukenberg

E-Zigarette: Die WHO will sie regulieren wie Tabakprodukte
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E-Zigarette: Die WHO will sie regulieren wie Tabakprodukte


Ab heute verhandeln die WHO-Mitgliedstaaten über ihre Tabak-Konvention. Auf der Agenda steht auch die E-Zigarette. Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) beobachtet die Verhandlungen schon seit 15 Jahren vor Ort. Sie ist beim DKFZ für den Bereich Regulierung verantwortlich. Im SPIEGEL ONLINE-Interview fordert sie, Verbraucher stärker vor der E-Zigarette zu schützen.

SPIEGEL ONLINE: Frau Pötschke-Langer, es gibt noch keine Langzeitstudien zur E-Zigarette. Jetzt will die WHO die Rauch-Alternative weitgehend aus dem öffentlichen Leben verbannen. Ist das nicht ein bisschen voreilig?

Pötschke-Langer: Keineswegs. Im Moment ist die elektronische Zigarette überhaupt nicht reguliert. Die WHO schlägt hingegen eine Einschränkung vor und kein Verbot. Wie bei Tabakzigaretten droht erneut eine Epidemie - eine weltweite Sucht nach dem nikotinhaltigen Chemikaliengemisch in der E-Zigarette.

SPIEGEL ONLINE: Aber laut einigen Ihrer Forscherkollegen könnte die E-Zigarette auch ein hilfreiches Mittel zur Raucherentwöhnung sein.

Pötschke-Langer: Bislang ist das ein frommer Wunsch. Wir würden uns sehr freuen, wenn die Kollegen Daten vorlegen würden. Das haben sie aber bisher nicht getan. Es gibt dazu keine größeren, validen Studien.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt keine validen Langzeitstudien - und deshalb wird ein Produkt erstmal verboten. Können Sie verstehen, dass man der WHO Dirigismus vorwirft?

Zur Person
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    Martina Pötschke-Langer leitet das WHO-Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle. Sie berät die WHO-Mitgliedstaaten seit der ersten Anhörung zur Tabak-Konvention.
Pötschke-Langer: Hier geht es nicht um Dirigismus! Die WHO hat lediglich in einem Report den Stand des Wissens zur E-Zigarette zusammengefasst und Empfehlungen ausgesprochen - auf Wunsch der Mitgliedstaaten.

SPIEGEL ONLINE: Der Bericht ist dennoch heftig umstritten.

Pötschke-Langer: Dieser Streit wird sich bald legen, weil neue Studien zeigen, dass beispielsweise die Innenraumluft durch E-Zigarettendampf belastet wird. Zwar nicht so stark wie bei einer herkömmlichen Zigarette - aber dass der Raum überhaupt belastet wird, spricht gegen die Zulassung einer E-Zigarette in geschlossenen Räumen.

SPIEGEL ONLINE: Welche Position nehmen die Tabakkonzerne ein?

Pötschke-Langer: Die Tabakindustrie versucht schon seit Jahrzehnten, die Public Health-Gemeinschaft zu spalten. Jetzt bedient sie sich der Argumente einiger Wissenschaftler und versucht einen Schulterschluss mit der Medizin, um der E-Zigarette zum Durchbruch zu verhelfen.

SPIEGEL ONLINE: Das kann man den Konzernen nur schwer verübeln.

Pötschke-Langer: Die Konzerne klatschen in die Hände. Sie profitieren von beiden Produkten, konventioneller und elektronischer Zigarette. Was Besseres kann der Branche nicht passieren.

Aufbau einer E-Zigarette: Schädlichkeit umstritten
DER SPIEGEL

Aufbau einer E-Zigarette: Schädlichkeit umstritten

SPIEGEL ONLINE: E-Zigaretten sind laut aktueller Studienlage weniger schädlich als Tabakzigaretten. Erkennen Sie darin nicht auch das Bemühen, ein weniger schädliches Produkt auf den Markt zu bringen?

Pötschke-Langer: Die Tabakindustrie hatte schon seit Jahrzehnten Patente auf weniger schädliche Produkte wie E-Zigaretten. Die hat sie allerdings nicht genutzt, weil sie ein glänzendes Geschäft mit den herkömmlichen Zigaretten machte. Das hat sich nun geändert, weil in den meisten Industrienationen das Rauchen drastisch zurückgeht. Auch dank der Konvention der WHO.

SPIEGEL ONLINE: Inwiefern haben die Tabakkonzerne Einfluss auf die Verhandlungen zur Tabak-Rahmenkonvention?

Pötschke-Langer: Es gibt einen breiten Konsens, dass man die Tabakindustrie bei dem Thema nicht mitreden lässt. Trotzdem gibt es immer wieder Delegierte, die von der Tabaklobby bezahlt werden. Das wird als großer Skandal angesehen - wenn es bekannt wird.

SPIEGEL ONLINE: Wird Deutschland vorangehen bei der Regulierung von E-Zigaretten?

Pötschke-Langer: Bei der Tabakregulierung war Deutschland häufig ein Bremser. Zum Beispiel in der Frage des Tabakwerbeverbots. Wir sind das einzige Land in der EU - mit Ausnahme von Bulgarien - das Außenwerbung für Tabakprodukte noch zulässt. Da hinken wir zehn Jahre hinterher. Mit Blick auf E-Zigaretten muss Deutschland erst mal die Tabakprodukte-Richtlinie der EU umsetzen, die auch E-Zigaretten mitreguliert.

SPIEGEL ONLINE: Schon 2015 will Philip Morris mit einem neuen Produkt auf den Markt kommen: Dem Heating-Stick, einem Zwischenprodukt zwischen herkömmlicher und elektronischer Zigarette. Voraussichtlich gibt es bis dahin EU-weit noch nicht einmal eine gesetzliche Regelung zur E-Zigarette. Kommen Sie mit der Regulierung nicht mehr hinterher?

Pötschke-Langer: Natürlich lässt sich auch das unter dem Stichwort Verbraucherschutz regulieren. In der EU-Tabakprodukte-Richtlinie sind solche Neuentwicklungen schon mitberücksichtigt.

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hans.wacken 13.10.2014
1. Tabaklobby Propaganda
Längst ist bekannt, dass in den Liquids neben Nikotin nur 3 Lebensmittelzusatzstoffe enthalten sind, die es auch in zigtausend anderen Produkten gibt, von Zahnpasta über Kosmetik bis hin zu in quasi allen Lebensmitteln: Propylenglykol, pflanzliches Glycerin und Aroma. Und das wird auch nicht verbrannt, sondern verdampft. Kann man beim besten Willen nicht vergleichen mit den mehreren Tausend (!) Stoffen im Tabakrauch, nachweislich krebserregend, u.a. Teer, Kohlenmonoxid, Blausäure. Und es funktioniert auf jeden Fall zur Tabakentwöhnung. Natürlich gefällt der Tabakindustrie das gar nicht, schließlich entsteht hier ein Verlust in Milliardenhöhe.
Badda 13.10.2014
2. Versteh ich nicht ...
Ich habe wegen der eZigarette mit dem Zigarettenrauchen aufgehört. Es hat in meinen Augen nur Vorteile: - Ich fühle mich gesundheitlich viel besser - ich habe keinen Raucherhusten mehr - ich stinke nicht mehr so entsetzlich - eZigaretten schmecken viel besser als normale Zigaretten - ich habe kein Bedürfnis mehr, eine Zigarette zu rauchen - der "sinnliche Genuss", den viele Raucher bei der Zigarette finden, ist bei der e-Zigarette noch viel mehr da Ich finde die e-Zigarette absolut genial, ich konnte deswegen mit dem Rauchen aufhören und habe trotzdem noch die Vorteile des Rauchens (Genuss, soziale Komponente).
nordlichtsh 13.10.2014
3.
"Pötschke-Langer: Die Konzerne klatschen in die Hände. Sie profitieren von beiden Produkten, konventioneller und elektronischer Zigarette. Was Besseres kann der Branche nicht passieren." Den Konzernen ist es gewiss egal. Marge läßt sich mit beiden Suchtmitteln erzielen. Nicht egal wird es dem Staat sein! Man darf gespannt sein in welcher Form man hier interveniert und die entgehenden (bereits verplanten) Steuereinnahmen dennoch zu generieren. Das die E-Zigarette den Raucher entwöhnt kann ich nach 17 Jahren des Rauchens, davon 1 Jahr E-Zigarette -mittlerweile seit einem Jahr Nichtraucher-, persönlich nicht bestätigen. Aber es hat meinen Geldbeutel geschont. Von 150€ auf ca 20€ monatlich. Es ist paradox das man jahrzehntelang bewiesenermaßen schädliche Produkte (Alkohol, Tabak) auf Grund der Steuereinnahmen toleriert sich aber hier nun quer stellt. Ein Schelm wer an die Steuerlöcher denkt...
DerNerd 13.10.2014
4.
Ich kann das ewige Geleiere der Pöla nicht mehr hören bzw. lesen. Ich bin dieser Frau sowas von überdrüssig. Ich habe auch keine gesteigerte Lust mehr mich und meine eCig zu rechtfertigen - gegen die (beweisbar widerlegbaren) Lügen dieser Person. Schnauze voll.
holyowly 13.10.2014
5. Ich stelle mich...
Ich stelle mich gerne zur Verfügung. Ich habe von knapp 4 Jahren mit Hilfe der eZigarette aufgehört zu rauchen und bin wirklich dankbar, dass is das endlich geschafft habe. Nach 30 Jahren Qualmerei und vielen Versuchen komplett rauch- und dampffrei. Soll mir keiner mit dem ungeprüften Quatsch kommen. Ach ja - mein Mann ist ebenfalls rauch- und dampffrei und eine Freundin ist rauchfrei und fühlt sich ohne Zigarette und mit Dampfer wie ein neues Mensch. Das einzige was hier läuft, ist die Lobbyarbeit der Tabakindustrie, welche verständlicherweise gar kein Interesse an Abstinenzlern hat.
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