Kampf gegen Ebola "Wo bleiben die chinesischen Milliardäre?"

Im Kampf gegen Ebola kommt bisher kaum Geld aus China. Während in den USA auch Privatleute wie Mark Zuckerberg Hilfen zusagen, halten die reichen Chinesen ihr Vermögen lieber zusammen. Einen Uno-Vertreter regt das offenbar ziemlich auf.

Krankenhaus in China: Das Personal stellt sich auf den Ernstfall ein
REUTERS

Krankenhaus in China: Das Personal stellt sich auf den Ernstfall ein


Peking - Die Vereinten Nationen haben von Chinas reichen Bürgern und Konzernen einen größeren Beitrag im Kampf gegen die Ebola-Seuche in Westafrika verlangt. "Wo bleiben die chinesischen Milliardäre?", fragte der für China zuständige Vertreter des Uno-Welternährungsprogramms (WFP), Brett Rierson. Dieses Mal könnten sie wirklich etwas bewegen, sagte der Amerikaner. "Das Gleiche könnte man die privaten Unternehmen fragen, gegenwärtig die größten Investoren in Westafrika."

In dieser Region wütet Ebola seit Monaten am stärksten. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind bereits mehr als 4500 Menschen an dem Virus gestorben. Inoffiziell sind es wahrscheinlich deutlich mehr. Besonders betroffen sind Liberia, Guinea und Sierra Leone.

China hat bisher rund 40 Millionen Dollar für den Kampf gegen Ebola bereitgestellt, von denen sechs Millionen an das WFP gingen. Ein Sprecher der chinesischen Gesundheitsbehörden erklärte, sein Land bilde zudem Ärzte aus.

Andere große Staaten tun deutlich mehr. Die USA gehören mit rund 170 Millionen Dollar zu den größten Geldgebern im Kampf gegen Ebola. Zudem haben reiche Privatleute weitere Summen zugesagt: Microsoft-Gründer Bill Gates stellt über seine Stiftung rund 50 Millionen Dollar bereit, Facebook-Gründer Mark Zuckerberg kündigte an, 25 Millionen Dollar zu spenden.

Deutschland hat versprochen, seine Hilfen auf 100 Millionen Euro zu erhöhen. Insgesamt haben die EU und ihre Mitgliedstaaten bisher 450 Millionen Euro zugesagt.

Im Vergleich dazu sieht der Beitrag aus China in der Tat bisher eher mickrig aus. Bereits in der vergangenen Woche hatte Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon mehr Engagement im Kampf gegen die Seuche gefordert, ohne China explizit zu erwähnen. "Jetzt ist die Zeit da für andere Länder, die die Möglichkeiten haben", sagte Ban. Gebraucht werde neben Geld auch logistische Unterstützung.

stk/Reuters/AFP



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insgesamt 38 Beiträge
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mihiochen 20.10.2014
1. Wo bleiben denn...
die Kommentare unserer Freunde Chinas, das ja eine so viel tollere Gesellschaft und ein so viel besseres System hat als die westlichen Länder. Für mich ist das Verhalten der chinesischen Regierung, der chinesischen Unternehmen und vermögenden Einzelpersonen nicht überraschend. Es spiegelt mein Bild der Moral und des Altruismus dieser Gesellschaft wieder.
thomasrichinger 20.10.2014
2. Mutige Überschrift
Vor allem weil ich von deutschen Milliardären die groß gespendet hätten hier noch nie was gelesen habe. Da hört man nur vom Geld der Steuerzahler (und das ist mal eine sinnvolle Verwendung meines Steuergeldes) aber noch nie dass irgendeiner unserer Großgrund- und Fabrikbesitzer, Bankvorstände etc. was gespendet hätten. Aber ich geh mal davon aus, dass die natürlich alle anonym spenden. Aber vielleicht tun das die Chinesen auch?
der_rookie 20.10.2014
3.
Artikel ist schon fair: 1.) Es gibt viel mehr Chinesische Milliardäre als Deutsche Milliardäre 2.) Der Artikel hat ausdrücklich auch Firmen angesprochen. Und die Geschwindigkeit mit der Chinesische Unternehmen seit 5-10 Jahren Afrika aussaugen - dagegen waren die Europäischen Kollonialisten vor 100 Jahren harmlos. Mir ist kein deutsches Unternehmen bekannt was sich irgendwie relevant in Westafrika bereichert. Man kann als Deutscher sein Landgerne selber geißeln. Aber man muss es nicht dann übertreiben wenn es Vertreter anderer Nationen auf einem komplett anderen Niveau übertreiben.
Muhli9 20.10.2014
4. Neukapitalisten
Zitat von mihiochendie Kommentare unserer Freunde Chinas, das ja eine so viel tollere Gesellschaft und ein so viel besseres System hat als die westlichen Länder. Für mich ist das Verhalten der chinesischen Regierung, der chinesischen Unternehmen und vermögenden Einzelpersonen nicht überraschend. Es spiegelt mein Bild der Moral und des Altruismus dieser Gesellschaft wieder.
Das sind Neukapitalisten, das ist sowas wie "Neureiche". Warum sollten die denn bitte was spenden? Und ihren Beißreflex hinsichtlich "irgendjemand hat mal 'China' und 'Kommunismus' in einem Satz erwähnt" können Sie sich sparen -- es gab und gibt keinen Kommunismus, nirgendwo. Nicht in China, nicht in Nordkorea. Am nächsten daran ist Cuba, bekanntermaßen ist der Sozialismus Vorstufe zum Kommunismus. Und denen geht's nicht so schlimm, das Gesundheitssystem ist zehnmal besser als das deutsche, und von der weltweit höchsten Alphabetisierungsrate dort fange ich jetzt ebensowenig an wie von der Tatsache, daß Cuba vor Wochen schon über 150 Ärzte in die Ebola-Krisenherde gesandt hat.
Knallerbsin 20.10.2014
5. Kulturelle Unterschiede
Liegt es möglicherweise an kulturellen Unterschieden? In den USA hat der Staat seine Bürger finanziell noch nie sonderlich unterstützt, daher wird dort seit je her viel mehr gespendet als z. B. in Deutschland. In China hat sich der Staat um alles gekümmert, also war Spenden bisher vermutlich nicht sonderlich notwendig. Heute morgen im DLF meinte ein China-Kenner, das auch der kleine Mann straffrei und selbstverständlich keine Steuern zahlt. Warum sollte man dann auf die Idee kommen, zu spenden? Vielleicht ändert sich diese Einstellung einmal, aber bestimmt nicht, indem man Chinesen dazu nötigt, etwas abzugeben.
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