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Steigende Umlage für Ökostrom: Der geschröpfte Verbraucher

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Die Ökostromumlage steigt auch 2014 kräftig - und mit ihr die Stromrechnung der kleinen Haushalte. Das müsste nicht so sein, wenn Politik und Unternehmen die Verbraucher nicht gleich mehrfach schröpfen würden.

Windräder in Husum: Teure EEG-Umlage Zur Großansicht
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Windräder in Husum: Teure EEG-Umlage

Hamburg - Die Umlage für erneuerbare Energien (EEG-Umlage) wird auch 2014 stark steigen - auf gut 6,3 Cent je Kilowattstunde. Verbraucher werden also wieder mehr für Strom zahlen müssen. Dabei müsste das gar nicht sein. Denn die Logik, höhere EEG-Umlage ist gleich höhere Strompreise, ist überholt.

Anders als in den vergangenen Jahren ist der Anstieg der Ökostromumlage - absurderweise - nur noch zum kleinen Teil auf den Bau neuer Ökostromanlagen zurückzuführen. Nach Berechnungen des Branchendiensts Energy Brainpool geht inzwischen knapp die Hälfte des Anstiegs auf einen Einbruch der Einkaufspreise zurück.

Hintergrund: Die Betreiber von Ökostromanlagen bekommen, damit sie Investitionssicherheit haben, ihre Elektrizität zu einem fixen Preis abgenommen. Dieser liegt deutlich über dem Einkaufspreis an der Strombörse EEX. Die Differenz zwischen Einkaufspreis und fixem Abnahmepreis zahlen die Verbraucher komplett über ihre Stromrechnung. Da nun die erneuerbaren Energien immer mehr Strom produzieren und die großen Versorger ihre Kohlekraftwerke meist weiter mit voller Kraft laufen lassen, gibt es ein wachsendes Überangebot an Strom. Die Einkaufspreise sinken, die Differenz zum Fixpreis wird immer größer.

Würden die Versorger ihre sinkenden Einkaufspreise nun an die Verbraucher weitergeben, könnte dies den Anstieg der EEG-Umlage fast vollständig kompensieren. Doch die Versorger denken nicht dran. In der sogenannten Grundversorgung geben sie ihre Ersparnisse beim Einkauf überhaupt nicht an Endkunden weiter, dies wurde erst im März erneut in einer Studie für die Denkfabrik Agora Energiewende nachgewiesen. Denn die Grundversorgung ist der einzige Tarif, zu dem Stromversorger grundsätzlich allen Kunden Elektrizität liefern müssen. Viele Sozialhilfeempfänger bekommen nur zu diesen Konditionen Strom, denn wer einen Schufa-Eintrag hat, wird von den Billiganbietern oft gar nicht beliefert. Es gibt also kaum Gefahr, dass sie in einen anderen Tarif wechseln - und damit kaum Wettbewerb.

Auch bei Tarifen, mit denen Versorger im Wettbewerb stehen, befürchten Branchenkenner, dass die Versorger die gesunkenen Einkaufspreise nicht vollständig an den Kunden weitergeben. "Manche Anbieter kalkulieren mit der Trägheit der Kunden, andere damit, dass es schon reicht, etwas günstiger zu sein als der Grundversorger", sagt Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale NRW.

Verbraucher zahlen auch für Verfehlungen der Politik

Nicht nur von den Unternehmen wird der Verbraucher geschröpft, sondern auch von der Politik. Diese hat die Umsetzung der Energiewende jahrelang schleifen lassen - und ihre Verfehlungen gleich mehrfach auf die Verbraucher abgewälzt.

Aktuelles Beispiel: die sogenannten Netznutzungsentgelte. Auch diese dürften 2014 steigen. Und zwar unter anderem, weil die Regierung den Bau von Windrädern auf hoher See jahrelang so schlecht gemanagt hat, dass für fertige Parks zum Teil der Netzanschluss fehlt. Die Parkbetreiber bekommen nun teure Entschädigungen. Zahlen muss sie: der Verbraucher. Über die Netznutzungsentgelte. Das unabhängige Vergleichsportal Verivox geht von einem Anstieg von gut zehn Prozent aus.

Hinzu kommen teure Zugeständnisse, mit denen die Regierung die Unternehmen päppelt. Mehr als die Hälfte des Industriestroms ist nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters inzwischen von der EEG-Umlage weitgehend befreit. Sogar Schlachthäuser und Golfplätze genießen entsprechende Privilegien. Was die Industrie weniger zahlt, müssen vor allem Mittelständler und Privathaushalte zusätzlich aufbringen.

1189 Euro für Strom im Jahr

Und so dürfte die Stromrechnung der Verbraucher auch im kommenden Jahr steigen. Verivox rechnet mit einem Plus von rund sieben Prozent. Ein Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 4000 Kilowattstunden müsste demnach rund 79 Euro mehr zahlen als im laufenden Jahr. Und das auch nur, wenn die Versorger, wie Verivox annimmt, zumindest einen Teil der gesunkenen Einkaufspreise an die Verbraucher weitergeben.

Laut Verivox kostet die Kilowattstunde Strom den Endverbraucher derzeit rund 27,75 Cent. Bei einem Verbrauch von 4000 Kilowattstunden pro Jahr entspricht dies jährlichen Gesamtkosten von 1110 Euro. Ab 2014 dürfte der Kilowattstundenpreis im Schnitt auf 29,73 Cent steigen, was bei gleicher Abnahmemenge Gesamtkosten von 1189 Euro bedeuten würde.

Anbieterwechsel - so funktioniert's
In wenigen Minuten zum Ziel
Der Wechsel des Stromanbieters ist sehr einfach. Für die Formalitäten braucht man nur wenige Minuten. Im Kern gilt das Gleiche auch für Gaskunden. Wechselwillige Kunden sollten Folgendes beachten.
Verbrauch ermitteln
Als Erstes sollte man seinen individuellen Jahresverbrauch ermitteln. Am einfachsten geht das über die letzte Rechnung. Wichtig: Es kommt nicht auf den Betrag in Euro an, sondern auf den Verbrauch in Kilowattstunden (kWh). Wer die letzte Rechnung nicht mehr findet, kann seinen jährlichen Strombedarf zur Not auch anhand des Verbrauchs der letzten Monate hochrechnen.
Die Suche nach dem passenden Anbieter
Nun beginnt die Suche nach dem günstigsten Anbieter. Eine wichtige Hilfestellung bieten dabei unabhängige Verbraucherportale wie www.toptarif.de, www.verivox.de, www.stromtarife.de, www.check24.de oder www.verbraucherzentrale.de. Auf diesen Seiten finden sich Tarifrechner, in die man nur zwei Werte eingeben muss: seine Postleitzahl und seinen jährlichen Stromverbrauch in Kilowattstunden. Der Tarifrechner bietet dann eine Übersicht sämtlicher Anbieter, die in dieser Region verfügbar sind.
Die Auswahl
Jetzt kommt der entscheidende Schritt - die Wahl des neuen Anbieters. Dabei sollte man Folgendes beachten: Der günstigste ist nicht automatisch der beste. So warnen Verbraucherschützer vor Unternehmen, die Vorkasse verlangen. Auch sollte man sich nicht zu lange an einen Anbieter binden - Vertragslaufzeiten von zwei Jahren also lieber meiden. Die Stiftung Warentest zeigt, welche Einstellungen bei der Tarifsuche wichtig sind
Ökoanbieter
Wer möchte, kann sich an dieser Stelle auch für einen Ökostromanbieter entscheiden. Diese Unternehmen garantieren grünen Strom aus erneuerbaren Energien, ohne Kohle und Kernkraft.
Die Formalitäten
Nun muss man mit dem neuen Anbieter nur noch Kontakt aufnehmen. Häufig ist das direkt über das Verbraucherportal möglich - entweder per Mausklick oder per Telefon. Der neue Anbieter klärt dann sämtliche Formalitäten. Eine Abmeldung beim alten Versorger ist nicht nötig, auch das übernimmt das neue Unternehmen automatisch. Nur eine Sache sollte man beachten: Die Vertragslaufzeit beim alten Anbieter muss eingehalten werden. Wer seit acht Monaten in einem Jahresvertrag ist, muss eben noch vier Monate warten.
Die Technik
Technisch ist der Anbieterwechsel überhaupt kein Problem. Das physikalische Produkt Strom bleibt in jedem Fall dasselbe, eine Unterbrechung der Versorgung ist ausgeschlossen. Dass man einen neuen Anbieter hat, merkt man nur daran, dass die Rechnung von einem anderen Unternehmen kommt als bisher. Übrigens: Selbst wenn der neue Anbieter pleitegehen sollte, bekommt man weiterhin Strom. In diesem Fall ist der örtliche Grundversorger gesetzlich verpflichtet einzuspringen.
Wie lange dauert der Anbieterwechsel?
Seit April 2012 können Strom- und Gaskunden schneller den Anbieter wechseln. Sobald die Anmeldung beim Netzbetreiber erfolgt ist, dürfen laut Energiewirtschaftsgesetz nur noch drei Wochen verstreichen, bis die Strom- oder Gaslieferung durch den neuen Anbieter beginnt. Starttermin muss nicht der Monatserste sein - jeder Tag ist möglich. Dauert die Umstellung länger als drei Wochen, kann der Kunde Schadenersatz vom Lieferanten oder Netzbetreiber fordern.
Ich habe eine Nachtspeicherheizung. Kann ich auch den Anbieter wechseln?
Lange ging das gar nicht. Inzwischen bestehen in einigen Fällen auch hier alternative Angebote.

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insgesamt 594 Beiträge
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    Seite 1    
1. Steuer auf die Steuer
halsbeißer 10.10.2013
Und auf die eingeführte Stromsteuer wird auch noch eine Mehrwehrwertsteuer erhoben. Weil ja die Stromsteuer eine Leistung ist, die für mich mehr wert ist als für den, der sie mir bereitstellt. Ich dreh mich jetzt mal um und gehe weg, weil das in einem Bereich ist, in dem man nicht mehr vernünftig über etwas sprechen kann. Bezahlen muss ich's doch. Das ist nichts, wofür man sein Land lieben muss.
2. so viel?
alexvdp 10.10.2013
oh mein Gott, wie soll ich denn jetzt mein 3tes IPhone finanzieren, wenn ich 79 ? mehr für Strom im Jahr bezahlen muss. Firmen aus der Befreiung entfernen. Dass das dem Mitarbeiter zu gute kommt und Arbeitsplätze schafft bzw sichert, ist eh ein Märchen welches so schlecht ist, dass ich ein Sixpack nur vom Lesen und Lachen bekomme.
3. Rot-Grüne Bescherung
altefrau99 10.10.2013
Zitat von sysopDPADie Ökostrom-Umlage steigt auch 2014 kräftig - und mit ihr die Stromrechnung der kleinen Haushalte. Das müsste nicht so sein, wenn Politik und Unternehmen die Verbraucher nicht gleich mehrfach schröpfen würden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/eeg-oekostrom-umlage-steigt-und-strom-wird-teurer-a-927017.html
Kommen sie nicht mit der Regierung. Die ganze Plage und Ausbeutung wurde von der Grünen und ihre Kumpanen eingeführt und zum Gesetz gemacht. Dazu kommen die deutschen Gutmenschen, die die nachfolgende Regierung und die Kanzlerin von der idiotischen Energiewende vor sich getrieben haben und Baden-Württemberg einen verlogenen Ministerpräsidenten beschert haben. Wir zählen die Zeche. Die Millionäre, die die Grünen unterstützt und gehätschelt hatten, müssen nichts zahlen. Zahlen die Mittellosen dieses Landes, die kein Geld für ein Haus mit Solaranlage auf dem Dach haben.
4. allein gelassen
mischamai 10.10.2013
Hier zeigt sich einmal wieder das die Politik den Verbraucher völlig im Regen stehen lässt.Die Strom und Industrielobby wird hofiert und die Familie zahlt.Aber so lange der Bürger sich nicht tatkräftig wehrt passiert nichts.Alleine die Tatsache dass viele Nutzer noch immer dem Völlig überteuerten Grundversorger die Treue hält zeigt wie lethargisch der Nutzer ist.
5. Immer die gleiche Leier
stefan.hemmer 10.10.2013
"Da nun die erneuerbaren Energien immer mehr Strom produzieren und die großen Versorger ihre Kohlekraftwerke meist weiter mit voller Kraft laufen lassen... ". Mal sehen, wieviel Strom die erneuerbaren Energien im kommenden Winter produzieren. Die Stromversorger lassen ihre Kohlekraftwerke deshalb mit voller Kraft laufen, weil aus technischen Gründen ständiges Hoch- und Runterfahren nicht möglich ist oder zumindest extrem teuer wäre. Und dann noch wieder der unsägliche Hinweis auf die Unternehmen, die von der EEG-Umlage befreit sind. Was glaubt der Autor wohl, auf wen die Unternehmen ihre steigenden Stromkosten am Ende abwälzen würden?
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EEG-Umlage
Was ist die EEG-Umlage?
Die EEG-Umlage ist das zentrale Förderinstrument für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Wind-, Solar- und Biogasanlagen können am Markt noch nicht mit Kohle- und Atomkraftwerken konkurrieren. Damit sie trotzdem rentabel sind, wird solchen Kraftwerken der Strom zu einem fixen Preis abgenommen. Dieser liegt deutlich über dem Preis an der Strombörse EEX. Die Differenz von Börsenpreis und fixem Abnahmepreis zahlen die Verbraucher über ihre Stromrechnung.
Warum steigt die EEG-Umlage?
Das hat zwei Gründe. Erstens, weil die absolute Menge des Ökostroms steigt. Durch die Energiewende gehen eine große Menge neuer Ökostromanlagen ans Netz. Zweitens steigt die EEG-Umlage auch relativ. Das hat paradoxerweise mit sinkenden Strompreisen zu tun. Die erneuerbaren Energien erhöhen das Stromangebot in Zeiten großer Nachfrage und senken dadurch den Strompreis an der Börse. Wenn aber der Strompreis sinkt, dann steigt die Differenz zwischen dem tatsächlichen Strompreis und dem fixen Abnahmepreis, den Betreiber von Ökostromanlagen garantiert bekommen - und die Verbraucher per EEG-Umlage ausgleichen müssen.
Zahlen alle Verbraucher die EEG-Umlage?
Im Prinzip ja. Allerdings werden ausgerechnet die größten Stromfresser der Nation entlastet. Sie genießen den Schutz der sogenannten besonderen Ausgleichsregel des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Laut dieser zahlen Firmen die volle EEG-Umlage nur für die ersten eine Million Kilowattstunden Strom, die sie verbrauchen. Für jede weitere Kilowattstunde zahlen sie nur noch zehn Prozent der EEG-Umlage, ab einem Verbrauch von zehn Millionen Kilowattstunden ist es nur noch ein Prozent, ab einem Verbrauch von 100 Millionen Kilowattstunden sind es noch 0,05 Cent. Beispiel: Die Trimet Aluminium AG verbraucht bei voller Auslastung 4,6 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr*. Die Aluminiumhütte muss also nur für rund 0,02 Prozent ihres Gesamtverbrauchs die volle EEG-Umlage zahlen.


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