Öko-Abgabe auf Rekordniveau: Drei Wege, den Strompreis zu drücken

Von Florian Diekmann

185 Euro im Jahr - so viel muss ein durchschnittlicher Haushalt künftig für die Ökostrom-Abgabe zahlen, fast 50 Prozent mehr als bisher. Nun werden Forderungen laut, die Energiekosten an anderer Stelle zu drücken. Doch was bringen die Vorschläge wirklich?

Bauarbeiten an Stromtrasse in Rheinland-Pfalz: Hohe Preise politisch erwünscht Zur Großansicht
dapd

Bauarbeiten an Stromtrasse in Rheinland-Pfalz: Hohe Preise politisch erwünscht

Hamburg - Jetzt ist es offiziell: Strom wird im kommenden Jahr deutlich teurer, zumindest für die meisten Verbraucher in Deutschland. Die Umlage für Ökostrom steigt von 3,6 Cent auf 5,3 Cent pro Kilowattstunde, ein Durchschnittshaushalt zahlt dann allein für die Umlage 185 Euro im Jahr - etwa 60 Euro mehr als bislang.

Die Entscheidung der vier Netzbetreiber ist keine Überraschung, der Anstieg ist in dieser Größenordnung bereits seit Monaten erwartet worden. Dennoch hat der Rekordanstieg der Ökostrom-Umlage die politische Diskussion neu entfacht. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) hatte in der vergangenen Woche angekündigt, das maßgebliche Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) "grundsätzlich" zu reformieren. Allerdings werde das wohl kaum vor der Bundestagswahl im kommenden Herbst zu schaffen sein.

Doch sowohl seinem Koalitionspartner von der FDP als auch der Opposition dauert das zu lange. Sie fordern kurzfristige Maßnahmen, um die Auswirkungen der drastisch steigenden Strompreise vor allem für private Verbraucher abzufedern. FDP, Sozialpolitiker und auch das Umweltministerium selbst verfolgen dabei ganz unterschiedliche Ansätze:

  • In der Novelle des EEG hat das Bundesumweltministerium die Befreiung für Unternehmen neu geregelt und dabei eine besonders widersinnige Regelung geändert: Bislang konnten Betriebe dafür belohnt werden, bewusst Energie zu verschwenden - wenn sie dadurch ihren Jahresverbrauch auf mehr als zehn Gigawattstunden schraubten. Dann wurden sie für die gesamte verbrauchte Menge weitgehend von der Ökostromumlage befreit. Ab 2013 gibt es nur noch für den Anteil des Stroms einen Rabatt, der über der Grenze liegt.

    Allerdings wurde diese Grenze gleichzeitig drastisch gesenkt. Schon ab einer Gigawattstunde zahlen die berechtigten Unternehmen nun nur noch ein Zehntel der Ökostromumlage. Die Folge: Im kommenden Jahr profitieren nicht nur deutlich mehr Unternehmen von einer Entlastung, auch die Gesamtmenge des begünstigten Stroms steigt. Laut einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen haben die Unternehmen für 2013 knapp 9300 Gigawattstunden mehr den Rabatt angemeldet als in diesem Jahr - eine Steigerung um etwa zehn Prozent.

    Könnten die Privatverbraucher also sparen, wenn stromintensive Betriebe stärker beteiligt würden? Der Effekt wäre wohl kleiner, als die Debatte vermuten lässt: Insgesamt beträgt der Nachlass der Industrie bei der Umlage etwa 2,5 Milliarden Euro; nur etwas mehr als ein Zehntel des Gesamtaufkommens von 20,36 Milliarden Euro. Würden alle Vergünstigungen gestrichen, schätzt die Grünen-Bundestagsabgeordnete Bärbel Höhn die mögliche Entlastung der Haushalte auf etwa 35 bis 40 Euro im Jahr - das würde nicht einmal die nun angekündigte Erhöhung ausgleichen.

  • Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) plädiert dafür, die Stromsteuer auf breiter Front zu senken. Seine Argumentation: Auch der Staat profitiere von der höheren Ökostromumlage, da auch auf sie Steuern gezahlt werden. "Diese ungeplanten Mehreinnahmen sollten wir den Menschen schnellstmöglich zurückgeben", sagte Rösler der "Passauer Neuen Presse".

    Das Problem: Röslers Vorschlag würde nicht nur denjenigen zugute kommen, die am meisten unter den Preiserhöhungen leiden - Haushalte mit geringem Einkommen -, sondern auch Gutverdienern und Unternehmen.

    Doch wäre nicht einmal dieser Effekt sicher: "Es ist fraglich, ob eine Senkung der Stromsteuer in vollem Umfang bei den Verbrauchern ankommt", sagt der Wirtschaftswissenschaftler Erik Gawel vom Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung. Denn eine Steuersenkung könnten die Stromversorger zumindest teilweise nutzen, um ihre Margen zu verbessern.

  • Eine andere Forderung von Politikern und Verbraucherschützern: Zumindest für Geringverdiener und Hartz-IV-Empfänger sollen Strom-Sozialtarife eingeführt werden. Nach dem Willen des Arbeitnehmerflügels der CDU würde einkommensschwachen Haushalten ein Grundkontingent zu jetzigen Preisen zur Verfügung gestellt. E.on-Chef Johannes Teyssen hatte im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE gar gefordert, Hartz-IV-Empfänger komplett von den Stromkosten-Steigerungen zu befreien. Beide Varianten hätten jedoch einen Nachteil: Die betroffenen Haushalte hätten keinen Anreiz mehr, Strom zu sparen.

    Grüne und Verbraucherzentralen plädieren daher für eine andere Variante: Demnach könnten einkommensschwache Haushalte zwar ein Grundkontingent an Strom verbilligt oder sogar kostenlos beziehen, jede darüber hinaus verbrauchte Kilowattstunde würde jedoch teurer als bislang. Damit würde sich Energiesparen auch für diese Haushalte lohnen.

Wie auch immer: Im Grunde ist es politisch gewollt, dass Strom teurer wird. Umweltökonom Gawel verweist auf die durchaus gewünschte Steuerungswirkung der Ökostromumlage. Schließlich habe sich die Bundesrepublik nicht nur Ziele für den Anteil von Ökostrom gesetzt, sondern auch für eine Reduzierung des Stromverbrauchs um 25 Prozent. Daher diene die Umlage nicht allein der Förderung erneuerbarer Energien, sondern solle auch zum Energiesparen animieren.

In der Tat scheint der Leidensdruck bei vielen Deutschen noch nicht allzu groß zu sein - denn sie verzichten auf eine der einfachsten Möglichkeiten, ihre Stromrechnung zu reduzieren: Laut Bundesnetzagentur bezahlten im Jahr 2010 43,3 Prozent der Haushalte den Grundversorgungstarif: Bereits der problemlose Wechsel in einen anderen Tarif des gleichen Anbieters würde ihnen schlagartig viel Geld sparen.

Mit Material von dpa

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insgesamt 304 Beiträge
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1. "dann sollen sie eben Kuchen essen..."
ehf 15.10.2012
Das haben wir von dem grünen Wahnsinn.
2. Stimmt doch gar nicht
karlsiegfried 15.10.2012
Die paar Cent die gespart werden können gleichen in keinem Falle die enormen Preise für die schäbigen neuen Leuchtmittel aus. Duetschland wird an seiner Stromsparsucht noch zugrunde gehen.
3. Die Regierung widerspricht sich
Unterthan 15.10.2012
Einesteils soll der Stromverbrauch gesenkt werden, andererseits sollen E-Autos die Straße bevölkern?
4. Und dann muss ich noch
dasistdiezukunft 15.10.2012
Zitat von sysop185 Euro im Jahr - so viel muss ein durchschnittlicher Haushalt künftig für die Ökostrom-Abgabe zahlen, fast 50 Prozent mehr als bisher. Nun werden Forderungen laut, die Energiekosten an anderer Stelle zu drücken. Doch was bringen die Vorschläge wirklich? EEG-Umlage: Strompreis steigt, Politiker planen Entlastung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/eeg-umlage-strompreis-steigt-politiker-planen-entlastung-a-861402.html)
Angst haben, dass es im Winter zu einem Black-Out kommt. - Denn ohne Strom läuft die Heizung nicht und ohne Heizung frieren mir die Wasserleitungen zu. - Der Schaden wäre gigantisch. - Das Haus könnte man dann anschließend abreißen, wenn die Rohre platzen. Danke! Danke! Danke!
5. 35-40 Euro durch gestrichene Vergünstigungen
toniclif 15.10.2012
Ist doch schon mal ein Anfang!!
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Grafiken: Wo kommt 2030 unsere Energie her?

EEG-Umlage
Was ist die EEG-Umlage?
Die EEG-Umlage ist das zentrale Förderinstrument für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Wind-, Solar- und Biogasanlagen können am Markt noch nicht mit Kohle- und Atomkraftwerken konkurrieren. Damit sie trotzdem rentabel sind, wird solchen Kraftwerken der Strom zu einem fixen Preis abgenommen. Dieser liegt deutlich über dem Preis an der Strombörse EEX. Die Differenz von Börsenpreis und fixem Abnahmepreis zahlen die Verbraucher über ihre Stromrechnung.
Warum steigt die EEG-Umlage?
Das hat zwei Gründe. Erstens, weil die absolute Menge des Ökostroms steigt. Durch die Energiewende gehen eine große Menge neuer Ökostromanlagen ans Netz. Zweitens steigt die EEG-Umlage auch relativ. Das hat paradoxerweise mit sinkenden Strompreisen zu tun. Die erneuerbaren Energien erhöhen das Stromangebot in Zeiten großer Nachfrage und senken dadurch den Strompreis an der Börse. Wenn aber der Strompreis sinkt, dann steigt die Differenz zwischen dem tatsächlichen Strompreis und dem fixen Abnahmepreis, den Betreiber von Ökostromanlagen garantiert bekommen - und die Verbraucher per EEG-Umlage ausgleichen müssen.
Zahlen alle Verbraucher die EEG-Umlage?
Im Prinzip ja. Allerdings werden ausgerechnet die größten Stromfresser der Nation entlastet. Sie genießen den Schutz der sogenannten besonderen Ausgleichsregel des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Laut dieser zahlen Firmen die volle EEG-Umlage nur für die ersten eine Million Kilowattstunden Strom, die sie verbrauchen. Für jede weitere Kilowattstunde zahlen sie nur noch zehn Prozent der EEG-Umlage, ab einem Verbrauch von zehn Millionen Kilowattstunden ist es nur noch ein Prozent, ab einem Verbrauch von 100 Millionen Kilowattstunden sind es noch 0,05 Cent. Beispiel: Die Trimet Aluminium AG verbraucht bei voller Auslastung 4,6 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr*. Die Aluminiumhütte muss also nur für rund 0,02 Prozent ihres Gesamtverbrauchs die volle EEG-Umlage zahlen.

Vor-/Nachteile der Energieträger
Die Energiewirtschaft befindet sich im Umbruch - SPIEGEL ONLINE zeigt die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Energieträger.
Erdöl
Plus: Erdöl ist der Schmierstoff industrieller Volkswirtschaften. In Deutschland deckt Öl rund 35 Prozent des Energiebedarfs - so viel wie kein anderer Rohstoff. Im Verkehrssektor gibt es momentan kaum Alternativen zu Öl: Das bestehende Tankstellennetz ist auf Benzin und Diesel ausgerichtet, die heute gängigen Motoren fahren fast nur mit diesen beiden Treibstoffen.

Minus: Der Ölpreis ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen - und mit ihm der Spritpreis. Autofahrer mussten zeitweise mehr als 1,50 Euro für Benzin zahlen. Die deutsche Volkswirtschaft verliert dadurch Milliardenbeträge, denn das Land ist fast völlig von Importen abhängig. Weltweit liegen die meisten Ölvorkommen in politisch heiklen Regionen wie dem Nahen Osten, Russland, Venezuela oder Nigeria. Versorgungskrisen kann man daher nicht ausschließen. Darüber hinaus ist Erdöl ein endlicher Rohstoff: Die bekannten Vorkommen gehen langsam zur Neige. Große neue Felder wurden in den vergangenen Jahren kaum entdeckt - und wenn, dann nur in schwierig zu erschließenden Gebieten wie der Arktis. Hinzu kommt die CO2-Problematik: Wenn Öl verbrannt wird, entsteht das Klimagas Kohlendioxid .
Erdgas
Plus: Erdgas ist der klimafreundlichste fossile Energieträger - bei der Verbrennung entsteht weniger CO2 als bei Kohle oder Öl. Außerdem halten die Vorräte noch eine Weile: Die Reichweite der Gasvorkommen wird auf rund 60 Jahre geschätzt, bei Öl sind es nur 40 Jahre. machen zudem den Zugriff auf große neue Gas-Reservoirs möglich. Ein weiterer Vorteil: Gas kann einen wichtigen Beitrag zur Stromerzeugung leisten. Denn Gaskraftwerke lassen sich schnell hoch- und runterfahren - diese Flexibilität hilft, die Schwankungen beim Windstrom auszugleichen.

Minus: Weltweit verfügen nur wenige Länder über Gasvorkommen. Entsprechend groß sind die Abhängigkeiten - Deutschland bezieht rund 40 Prozent seines Erdgases aus Russland. Problematisch ist außerdem die noch immer weit verbreitete Bindung an den Ölpreis: Je teurer Erdöl wird, desto teurer wird auch Gas. Stromkonzerne klagen bereits, dass sich Gaskraftwerke kaum mehr rentieren. Private Haushalte kennen dasselbe Problem beim Heizen - Gas ist kaum günstiger als Öl. Auch beim Autofahren stellt Erdgas keine Alternative dar: Der aktuelle Preisvorteil gegenüber Benzin und Diesel liegt nur an der steuerlichen Begünstigung.
Kohle
Plus: Kohle gibt es fast überall auf der Welt - einseitige Importabhängigkeiten wie beim Gas sind deshalb nicht zu befürchten. Auch Deutschland verfügt über nennenswerte Ressourcen: Braunkohle lässt sich ohne Subventionen fördern, für Steinkohle ist dies bei weiter steigenden Preisen zumindest denkbar. Außerdem reichen die Vorräte so lange wie bei keinem anderen fossilen Energieträger: Schätzungen gehen von rund 200 Jahren aus. Kohle eignet sich vor allem zur Stromerzeugung in der Grundlast - rund 50 Prozent des deutschen Stroms stammen aus Kohlekraftwerken .

Minus: Kein Energieträger ist so klimaschädlich wie Kohle. Bei der Verbrennung entsteht rund doppelt so viel CO2 wie bei Gas. Problematisch könnte dies vor allem dann werden, wenn man bestehende Atomkraftwerke durch neue Kohlekraftwerke ersetzt - oder wenn Elektroautos künftig in großem Stil Kohlestrom tanken. Bedenklich sind außerdem die Arbeitsbedingungen, unter denen Kohle gefördert wird : Zu den größten Produzenten zählen China, Russland und Südafrika - Länder, in denen immer wieder Bergleute ums Leben kommen.
Atomenergie
Plus: Kernkraftwerke produzieren - wenn sie einmal gebaut sind - günstigen Strom. Der Rohstoff Uran wird nur in geringen Mengen verbraucht, so dass die laufenden Betriebskosten gering sind. Atomstrom kann in der Grundlast eingesetzt werden, also unabhängig von kurzfristigen Wetterschwankungen. In Frankreich wird Atomstrom auch zum Heizen verwendet, langfristig könnten so auch Elektroautos betrieben werden. Bei der Kernenergie wird kaum CO2 freigesetzt. Sie ist damit klimafreundlicher als Kohle oder Gas.

Minus: Der größte Nachteil der Atomenergie ist das Risiko eines GAUs. Selbst wenn man dafür eine geringe Wahrscheinlichkeit unterstellt - der Schaden wäre enorm. Die Katastrophe in Tschernobyl war nur ein Vorgeschmack dessen, was im dicht besiedelten Mitteleuropa passieren würde: Tausende Opfer, auf ewig verseuchte Landstriche, Vermögensverluste in zigfacher Milliardenhöhe. Hinzu kommt die ungelöste Frage der Endlagerung : Obwohl die Kernenergie seit rund 50 Jahren genutzt wird, gibt es bis heute keine dauerhafte Deponie für die verstrahlten Abfälle. Ob es überhaupt ein sicheres Endlager geben kann, ist umstritten: Der Atommüll strahlt zum Teil mehr als 100.000 Jahre lang - was in dieser Zeit alles passiert, kann niemand vorhersagen. In jüngster Zeit wird ein weiteres Problem immer häufiger diskutiert: Was geschieht, wenn Terroristen einen Anschlag auf ein Kernkraftwerk verüben? Oder wenn sie in den Besitz von spaltbarem Material gelangen? Sicherheitsexperten haben auf diese Fragen keine abschließende Antwort.
Wasser
Plus: Die Wasserkraft ist sehr umweltfreundlich - mit geringem Eingriff in die Natur lässt sich günstig Energie gewinnen. Rund fünf Prozent des deutschen Stroms stammen aus Wasserkraftwerken. Außerdem lässt sich in Stauseen sehr gut Energie speichern: Bei einem Überangebot an Strom wird Wasser nach oben gepumpt. Bei Bedarf wird es dann abgelassen, um die Turbinen anzutreiben.

Minus: In Deutschland ist das Potential der Wasserkraft so gut wie ausgeschöpft. Fast jeder Fluss hat ein Kraftwerk, ebenso fast jeder See. Im Ausland wiederum ist die Wasserkraft zum Teil in Verruf geraten: Riesenprojekte wie der Jangtse-Staudamm in China zerstören die Natur in großem Stil.
Wind
Plus: Von allen erneuerbaren Energien ist die Windkraft in den vergangenen Jahren am stärksten gewachsen. Mittlerweile beziehen die Deutschen deutlich mehr Strom aus Windrädern als aus Wasserkraftwerken. Auch in Zukunft hat die Branche großes Wachstumspotential - vor allem offshore, also in Windparks auf dem Meer . Ein weiterer Vorteil: Die Windkraft ist verhältnismäßig günstig. Die Betreiber der Anlagen bekommen über das Erneuerbare-Energien-Gesetz nur wenig mehr Förderung als der Preis für konventionellen Strom an der Energiebörse hoch ist. Zum Vergleich: Solarstrom wird weit höher vergütet.

Minus: Kritiker halten Windräder für eine Verschandelung der Landschaft. Außerdem weht der Wind sehr unzuverlässig: Bei einer starken Brise wird das deutsche Stromnetz überlastet, bei Flaute muss Strom aus dem Ausland hinzugekauft werden. Praktikable Speicher für Windenergie gibt es bisher nicht. Ein weiterer Nachteil: Starker Wind bläst vor allem in Norddeutschland, die großen Verbrauchszentren liegen aber im Süden und Westen. Um den Strom abzutransportieren, sind zahlreiche neue Leitungen nötig .
Sonne
Plus: Die Sonne ist nach menschlichen Maßstäben eine ewige Energiequelle , und sie scheint für jeden umsonst. Hätten alle Dächer Deutschlands eine Solaranlage, könnte so ein großer Teil des hiesigen Strombedarfs gedeckt werden - klimaschonend und unabhängig von Importen. Darüber hinaus lässt sich das Sonnenlicht auch zur Warmwasserbereitung nutzen: Mit Solarkollektoren kann man herkömmliche Heizungen ergänzen und so die Energiekosten drücken.

Minus: Die Sonne hat den gleichen Nachteil wie der Wind - ihre Energie lässt sich nicht zu jeder Uhrzeit nutzen. Das größte Problem ist jedoch der Preis: Solarstrom kostet viel mehr als konventioneller Strom. Und trotz milliardenschwerer Subventionen leistet Sonnenenergie bislang nur einen geringen Beitrag zur deutschen Stromversorgung: Schätzungen schwanken zwischen einem um zwei Prozent. Damit die Photovoltaik in Mitteleuropa wettbewerbsfähig wird, müsste es eine technische Revolution geben - oder die Preise für konventionelle Energie müssten dramatisch steigen.
Biomasse
Plus: Holz, Stroh, Mais - beim Verbrennen dieser Stoffe wird nur so viel CO2 freigesetzt, wie die Pflanzen vorher der Atmosphäre entzogen haben. Biomasse lässt sich in vielen Bereichen einsetzen: zum Heizen (beispielsweise mit Holzpellets), zum Autofahren (mit Biodiesel oder Bioethanol ) oder zur Stromerzeugung (mit Biogas). Der große Vorteil: Biomasse ist gespeicherte Energie. Man kann also frei entscheiden, wann man sie nutzen möchte - anders als bei Wind- oder Solarkraft. Ein weiterer Pluspunkt: Energiepflanzen, die in Deutschland wachsen, reduzieren die Abhängigkeit von Importen.

Minus: In jüngster Zeit gerät die Bioenergie massiv in die Kritik. Denn die Pflanzen benötigen enorme Anbauflächen - und treten damit in direkte Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Gerade bei Biotreibstoffen wird das zum Problem: Lässt es sich moralisch rechtfertigen, dass die Reichen Mais tanken - während die Armen hungern? Hinzu kommt ein gigantisches Mengenproblem: Wollte Deutschland seinen gesamten Benzin- und Dieselbedarf mit Biokraftstoffen decken, wäre dafür eine Fläche nötig, die größer ist als die gesamte Bundesrepublik. Das Gleiche gilt fürs Heizen: Sollten alle Bundesbürger auf Holzpellets umsteigen, würde der deutsche Wald dafür nicht reichen - erneut wären Energie-Importe nötig.
Erdwärme
Plus: Die Wärme im Erdinneren steht rund um die Uhr zur Verfügung. Sie lässt sich sowohl zum Heizen als auch zur Stromerzeugung nutzen. Gäbe es keine Probleme mit der Bohrtechnik, könnte die Geothermie den gesamten deutschen Energiebedarf decken.

Minus: In Deutschland muss man Hunderte oder gar Tausende Meter tief bohren, um ein ausreichendes Temperaturniveau zu erreichen. Die Kosten der Geothermie sind deshalb sehr hoch. Mancherorts gibt es außerdem Probleme mit dem Grundwasser. Andere Länder sind hier aus geologischen Gründen in einer besseren Position: Island zum Beispiel deckt seinen Energiebedarf zum Großteil mit der Wärme aus dem Erdinneren.