Ehe unter Gleichen Paarung von Reichen vergrößert Einkommensschere

"Arzt heiratet Ärztin" statt "Arzt heiratet Krankenschwester": Reiche suchen sich häufiger Partner unter ihresgleichen - dadurch hat sich nach Angaben der OECD die Einkommenkluft in den meisten Ländern erheblich vergrößert. Dahinter stecke ein gesellschaftlicher Trend.


Das Paarungsverhalten der Wohlhabenden verschärft den Gegensatz zwischen Arm und Reich. Das ist das Ergebnis einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Früher hätten sich Besserverdiener häufiger Partner aus niedrigen Einkommensklassen gesucht. In den letzten Jahren jedoch vermählen sich Reiche zunehmend untereinander, berichtet die OECD.

Das Schema "Arzt heiratet Krankenschwester" sei abgelöst worden von "Arzt heiratet Ärztin", heißt es in dem Bericht. Wobei Ärzte allerdings oft gar nicht mehr zu den Top-Verdienern gehören. Gleichwohl erkennen Soziologen den Trend zum "Assortative Mating", also die Tendenz zur Paarung unter Gleichen. Vor zwanzig Jahren gehörten nur bei 33 Prozent alle Paare beide Partner zur gleichen Einkommensgruppe, heute seien es 40 Prozent. In der OECD-Studie wurden 29 Staaten untersucht, darunter Deutschland.

Eine Gruppe ragte heraus, schreiben die OECD-Experten: Partnerinnen von Top-Verdienern stünden heutzutage weitaus häufiger in einem Arbeitsverhältnis als früher; keine Vergleichgruppe der Studie hätte in dieser Hinsicht so stark zugelegt. Das Einkommen der Ehefrauen von Höchstverdienern liegt nun ebenfalls oft im oberen Bereich.

Auch die Mittelschicht wird abgehängt

Somit habe der Trend zum Heiraten unter Gleichen die soziale Kluft vergrößert, berichtet die OECD: Das eigene Einkommen der Gattinnen von Spitzenverdienern habe dafür gesorgt, dass sich der Einkommensunterschied zwischen reichen und armen Haushalten in den letzten Jahren deutlich erhöht habe.

Zudem vergrößere ein weiterer gesellschaftlicher Trend die Kluft zwischen den Einkommensklassen: In OECD-Ländern gebe es mehr Single-Haushalte als früher, heißt es in der Studie. Vor zwanzig Jahren bestanden nur 15 Prozent aller Haushalte aus Einzelpersonen, heute lebt in jedem fünften Haushalt nur eine Person. Diese Singles müssen einen größeren Teil ihres Einkommens ausgeben, weil sie Ausgaben wie Miete oder Auto nicht teilen können. Deshalb landeten sie öfter in unteren Vermögensklassen, berichtet die OECD.

In den meisten Ländern habe sich der Unterschied zwischen Arm und Reich verstärkt, resümiert die Studie. Ausnahmen seien Frankreich, Japan und Spanien. In den anderen Ländern sei das Einkommen der oberen zehn Prozent stärker gestiegen als das der unteren zehn Prozent. Deutlich zeigt sich das Auseinanderdriften auch im Unterschied zur Mittelklasse, berichtet die OECD: Der Einkommensunterschied zwischen hohen und mittleren Einkommen vergrößere sich stärker als zwischen der Mitte und den Armen.

boj



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insgesamt 103 Beiträge
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Seite 1
ALG III 08.05.2011
1. Hartz IV
Zitat von sysop"Arzt heiratet Ärztin" statt "Arzt heiratet Krankenschwester": Reiche suchen sich häufiger Partner unter ihresgleichen - dadurch hat sich nach Angaben der OECD die Einkommenkluft in den meisten Ländern erheblich vergrößert. Dahinter stecke ein gesellschaftlicher Trend. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,761289,00.html
Arbeitsloser heiratet Jobmanagerin. Auch das hilft nicht weiter. Jobmanagerinnen verdienen oft nicht viel mehr als ihre Klienten.
Europa! 08.05.2011
2. Und was noch schlimmer ist:
Der Genpool wird nicht mehr richtig durchgerührt - sofern die Leute überhaupt noch bereit sind, Kinder zu kriegen. Was ja früher mal der Hauptgrund der "Paarung" gewesen sein soll.
hoppla_h 08.05.2011
3. Doppel-Verdiener
Ein Grund mehr, Steuerprivilegien für Vielverdiener, z. B. Ehegattensplitting, und auch Kindergeld zu streichen. Wer hat, dem wird gegeben?
ThorIsHere 08.05.2011
4.
Tja, da sollte doch ganz schnell eine Quote eingeführt werden. Wer zu den oberen 10% gehört, darf nur noch einen Partner aus den unteren 10% heiraten. Alles andere ist menschenverachtender Raubtierkapitalismus übelster neoliberaler Ausprägung!
RaMaDa 08.05.2011
5. Nur die Liebe zählt....
...gilt wohl nicht mehr. Das neue Motto lautet: "Zeige mir was du hast und ich sage dir, wie lange unsere Ehe hält." Nochwas, die Bezeichnung Paarung kennt man doch auch von Affen...
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