Ehec-Entschädigung EU hilft Bauern mit 210 Millionen Euro

Während der Ehec-Krise blieben Landwirte auf Tonnen von Gemüse sitzen. Jetzt hilft die EU den Geschädigten mit 210 Millionen Euro - Produzenten von Salat, Gurken & Co. sollen bis zu 50 Prozent ihrer entgangenen Einnahmen erhalten. Das ist Einigen aber nicht genug - unter anderem Spanien.

Bares Geld im Müll: Wegen der Ehec-Krise musste massenweise Gemüse entsorgt werden
dapd

Bares Geld im Müll: Wegen der Ehec-Krise musste massenweise Gemüse entsorgt werden


Brüssel - Gemüsebauern in der Europäischen Union werden für Verluste aufgrund der Ehec-Krise entschädigt. Sie erhalten rund 210 Millionen Euro aus EU-Töpfen, teilte die EU-Kommission am Dienstag in Brüssel mit. Damit stimmten die EU-Länder einem entsprechenden Vorschlag von Landwirtschaftskommissar Dacian Ciolos zu.

Mit dem Geld sollen betroffene Produzenten bis zur Hälfte ihrer entgangenen Einnahmen entschädigt werden. Infolge der zahlreichen Ehec-Erkrankungen besonders in Norddeutschland war der Absatz der europäischen Gemüsebauern dramatisch eingebrochen - rohes Gemüse galt zwischenzeitlich als möglicher Träger des lebensgefährlichen Darmkeims.

Ursprünglich hatte die EU-Kommission Zahlungen in Höhe von 150 Millionen Euro vorgeschlagen. Viele Länder kritisierten die Summe als zu niedrig, so dass die Kommission die Hilfen jetzt aufstockte. Während Deutschland und die Niederlande für die 210 Millionen Euro stimmten, forderten viele Länder noch mehr Geld, verlautete aus EU-Kreisen. Gegenstimmen kamen unter anderem aus Spanien, Frankreich und Polen. Enthaltungen gab es aus Italien, Griechenland und Österreich.

Weil keine qualifizierte Mehrheit zustande kam, brachte die Kommission ihren Vorschlag praktisch im Alleingang durch. Das konnte sie, weil sich die EU-Länder zusammen mit der Kommission im Vorfeld auf ein spezielles Verfahren geeinigt hatten. Ziel des Verfahrens ist es, dass das Geld möglichst schnell bei den Bauern ankommt. "Ich wollte unbedingt zeigen, dass Europa wenn nötig schnell reagieren kann", sagte Ciolos nach dem Treffen.

Hilfen für Produzenten von Gurken, Tomaten, Salat, Paprika und Zucchini

Anspruch auf Hilfen haben alle europäischen Landwirte, die beim Handel mit Gurken, Tomaten, Salaten, Paprika und Zucchini Einbußen erlitten haben. Sie sollen für ihre Ausfälle zwischen Ende Mai und Ende Juni teilweise entschädigt werden. Die Landwirte bekommen bis zu 50 Prozent von dem zurück, was sie ohne die Krise im Monat Juni verdient hätten.

Reichen die 210 Millionen Euro dafür nicht aus, bekommt jeder Bauer einen jeweils kleineren Anteil, sagte ein Sprecher. Nach dem ersten Vorschlag der Kommission hätte den Bauern maximal 30 Prozent zugestanden. Bauern, die in Produktionsgemeinschaften organisiert sind, können auf bis zu 70 Prozent Entschädigung kommen. Europaweit ist im Schnitt ein Drittel der Landwirte in Gemeinschaften organisiert - so auch in Deutschland und Spanien. In Belgien und den Niederlanden dagegen gehören ihnen nahezu alle Bauern an, in Osteuropa kaum welche.

Als Grundlage für die Berechnung der Entschädigung gelten Preise für den Monat Juni der Jahre 2007 bis 2010. Der durchschnittliche Preis für Gurken lag laut Sprecher in diesem Zeitraum bei 48 Cent pro Kilo. Damit hätten die Landwirte also Anspruch auf bis zu 24 Cent pro Kilo, das im Zuge der Ehec-Krise vom Markt genommen wurde. Bis zum 22. Juli müssen EU-Länder der Kommission mitteilen, wie hoch die Ausfälle der Bauern tatsächlich waren. Erst dann können die Hilfen berechnet werden und Gelder fließen. Das Geld soll aus dem EU-Agrarhaushalt kommen.

lgr/dpa/AFP

insgesamt 9 Beiträge
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kioto 14.06.2011
1. Schön, Steuern decken Geschäftsrisiko ab, aber
Zitat von sysopWährend der Ehec-Krise blieben Landwirte auf Tonnen von Gemüse sitzen. Jetzt hilft die EU den Geschädigten mit 210 Millionen Euro - Produzenten von Salat, Gurken & Co. sollen bis zu 50 Prozent ihrer entgangenen Einnahmen erhalten. Das ist Einigen aber nicht genug - unter anderem Spanien. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,768457,00.html
wer hilft den wirklich Geschädigten, denjenigen, die u.U. lebenslang an den Eheg Folgen leiden oder den Angehörigen der Verstorbenen? Wäre da nicht einige Milliönchen besser angelegt? mfg Kioto
movfaltin 14.06.2011
2. Finanzierungsvorschlag
Zitat von sysopWährend der Ehec-Krise blieben Landwirte auf Tonnen von Gemüse sitzen. Jetzt hilft die EU den Geschädigten mit 210 Millionen Euro - Produzenten von Salat, Gurken & Co. sollen bis zu 50 Prozent ihrer entgangenen Einnahmen erhalten. Das ist Einigen aber nicht genug - unter anderem Spanien. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,768457,00.html
Es ist schlimm, dass Existenzen daran zugrundezugehen drohen, dass im Robert-Koch-Institut wild gemutmaßt wird und ohne hinreichende Anhaltspunkte ein explizites Gebot ausgegeben wird, jegliches ungeschälte Gemüse zu meiden. Die Bevölkerung sollte dafür nicht im Vollen aufkommen müssen. Es sollte ein Teil dieser Ausgaben mittels Budgetkürzungen für den so oder so versagenden medialen Schaumschlägerapparat namens RKI aufgewandt werden - und darüber hinaus ließe sich über eine Zentralisierung der Epidemiebekämpfung auch einiges einsparen - endlich mal weg von uneinheitlicher Ländersache (bzw. die meinetwegen zusätzlich)!
Berd 14.06.2011
3. Und wieder zahlt der deutsche Steuerbürger!
Zitat von sysopWährend der Ehec-Krise blieben Landwirte auf Tonnen von Gemüse sitzen. Jetzt hilft die EU den Geschädigten mit 210 Millionen Euro - Produzenten von Salat, Gurken & Co. sollen bis zu 50 Prozent ihrer entgangenen Einnahmen erhalten. Das ist Einigen aber nicht genug - unter anderem Spanien. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,768457,00.html
Weil unsere "Laienspielgruppen" jeden Tag einen anderen Schuldigen an der EHEC-Krise gemeldet haben, muß der deutsche Steuerbürger mal wieder ran und Entschädigungen verteilen (wer außer uns hat denn in Europa noch Geld? Die Griechen etwa? Naja, bald wieder, ist aber trotzdem unseres!) Wie wäre es denn, den Verursacher erst einmal dingfest zu machen und in Regreß zu nehmen? Ist da vielleicht schon mal jemand draufgekommen? Und vielleicht richten wir endlich mal etwas CDC-ähnliches auch bei uns ein, damit dieses Kompetenzgerangel unterbelichteter Politiker und "Sachverständiger" endlich ein Ende hat. Vielleicht bleiben uns dann zukünftig auch solche Sätze erspart: "Alle Gemüse auch Tomaten, Gurken und Blattsalat wieder uneingeschränkt und mit Genuss zu verzehren". Für so eine Formulierung gibt es eine glatte Sechs! Gruß berd
otto huebner 15.06.2011
4. schoen fuer die bauern ..........
Zitat von sysopWährend der Ehec-Krise blieben Landwirte auf Tonnen von Gemüse sitzen. Jetzt hilft die EU den Geschädigten mit 210 Millionen Euro - Produzenten von Salat, Gurken & Co. sollen bis zu 50 Prozent ihrer entgangenen Einnahmen erhalten. Das ist Einigen aber nicht genug - unter anderem Spanien. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,768457,00.html
schoen wenn der staat und steuerzahler dem unternehmer das unternehmerische risiko abnimmt. die gewinne werden privatisiert und die verluste verstaatlicht. war doch schon immer so beiden bauern.
noriker 15.06.2011
5. EHEC Entschädigung
Ich möchte vorausschicken ich bin kein Gemüsehändler Ausser den Bauern wird wieder einmal niemand entschädigt Die Suventiosmentalität der Bauern ist zum k....
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