Ehec-Krise Russland lässt wieder Gemüseimporte aus der EU zu

Russland gibt eine vorsichtige Entwarnung in Sachen Ehec: Das Einfuhrverbot für Gemüse aus der EU wird aufgehoben. Doch zugleich verboten Behörden aus Sorge vor dem Darmkeim Importe einiger Milch- und Fleischbetriebe aus Deutschland.

Gemüse auf einem Markt in Berlin: Einigung mit Russland
AP

Gemüse auf einem Markt in Berlin: Einigung mit Russland


Brüssel/Moskau - Bald soll Gemüse aus der EU wieder nach Russland eingeführt werden dürfen. Allerdings müssen die Hersteller nachweisen können, dass ihre Produkte frei von Ehec-Keimen sind. Die EU und Russland haben laut EU-Kommission ein Abkommen zur Aufhebung des Importstopps unterzeichnet. Wegen der Ehec-Krise hatten russische Behörden Anfang Juni ein Einfuhrverbot für Gemüse aus der gesamten EU verhängt.

Die EU-Kommission hatte bereits seit Tagen darauf gedrängt, den Importstopp aufzuheben. Russlands oberster Amtsarzt Gennadi Onischtschenko warnte aber vor überzogenen Erwartungen. Beide Seiten hätten sich auf Prüfungsmaßnahmen wie ein Zertifikat geeinigt, sagte er nach Angaben der Agentur Interfax. "Gerüchte" über eine sofortige Aufhebung seien völlig übertrieben.

EU-Gesundheitskommissar John Dalli, der persönlich nach Moskau gereist war, gab sich dagegen optimistisch: "Nach dem heutigen Abkommen erwarte ich eine rasche Wiederaufnahme der EU-Exporte nach Russland", sagte er. "Beide Seiten haben den guten Willen gezeigt, so dass diese Angelegenheit nun hinter uns liegt."

Russland konnte allerdings Bedingungen durchsetzen: Alle Gemüselieferungen müssen vorerst Zertifikate mit sich führen, die bescheinigen, dass die importierte Ware nicht den gefährlichen Ehec-Typ trägt. Außerdem muss auch die Herkunft der Produkte verzeichnet sein. Erst wenn zehn Tage in Folge keine neuen Ehec-Fälle in der EU auftreten, sollen diese Vorschriften automatisch wegfallen.

Da es in Belgien, Polen und den Niederlanden bereits entsprechende Ehec-Kontrollsysteme gibt, können diese Länder laut EU-Kommission bereits in wenigen Tagen wieder Gemüse nach Russland exportieren.

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Die Angst vor einer Ehec-Einschleppung ist in Russland aber offenbar nicht ganz vorbei. Denn für einige deutsche Milch- und Fleischbetriebe haben russische Behörden ein gesondertes Einfuhrverbot geschaffen. Die Produkte von zehn Milchbetrieben und von drei Fleischerzeugern aus Deutschland dürfen vom kommenden Montag an nicht mehr ins Land gelangen. Auch ein Geflügelbetrieb sei betroffen, teilte die staatliche Veterinäraufsicht nach Angaben der Agentur Interfax mit. Russland bereitet demnach ein Importverbot für Produkte von insgesamt knapp 300 deutschen Unternehmen vor.

Die Entscheidung sei nach Inspektionen in Deutschland getroffen worden, sagte Veterinäraufsichtschef Sergej Dankwert. Dabei seien verschiedene E.coli-Bakterien auf unterschiedlichen Produkten entdeckt worden. "Wir haben immer darauf hingewiesen. Nun hoffe ich, dass die deutschen Behörden die Gefahr wahrnehmen.", sagte er. Bereits Anfang des Jahres hatte Russland wegen des Dioxin-Skandals tagelang die Einfuhr von Schweinefleisch und Geflügel aus Deutschland verboten.

Gemüsebetrieb nahe Frankfurt darf nach Ehec-Verdacht wieder öffnen

Deutsche Behörden konnten noch immer nicht genau klären, wie der gefährliche Ehec-Keim sich verbreiten konnte. Vor einigen Tagen wurde der aggressive Keim vom Typ O104:H4 in einem Bach nahe Frankfurt nachgewiesen. Die Behörden hatten zudem einen Gemüsehof in der Nähe des Gewässers gesperrt, weil dort Ehec-Keime in Salat und Waschwasser gefunden wurden. Dabei handelte es sich den Angaben zufolge aber nicht um den gefährlichen Typ O104:H4.

Nun darf der gesperrte Frankfurter Gemüsehof wieder öffnen. Nach umfassender Reinigung und Desinfektion der Salatwaschanlage sowie negativen Tests auf Ehec könne der Betrieb wieder Lebensmittel produzieren, teilte das hessische Verbraucherschutzministerium mit. Der Betrieb verstärke unter anderem seine Eigenkontrollen. Zudem werde er "eng amtlich überwacht".

mmq/dpa/dapd



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firem 22.06.2011
1. Hat sich ins Nicht verflüchtigt
Dei Proben aus dem Frankfurter Bach sollten gestern geprüft vorliegen. Keine Information darüber - also Nebbich. Keine der Behauptungen aus dem RKI haben sich als wahr herausgestellt. Denen sollte man den Staatsanwalt in die Labors schicken, damit unter dessen Aufsicht nachgeprüft wird, wo die Bakterienkultur EHEC 0104-H4 tatsächlich entstanden ist. Dieser Stamm wurde in einem Labor des RKI selbst gezüchtet!
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