Ehec-Wiedergutmachung Deutschland soll für spanische Gurken werben

Der Streit zwischen Deutschland und Spanien um Ehec-Warnungen entspannt sich: Die Regierung in Madrid strebe keine Schadensersatzklage an, sagte Europaminister Garrido. Die Bundesregierung soll aber nun helfen, den Ruf spanischer Gurken aufzupolieren.

Kundgebung für spanische Gurken in Madrid: Teurer Imageschaden
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Kundgebung für spanische Gurken in Madrid: Teurer Imageschaden


Berlin - Der Ärger in Madrid war groß: Mit Warnungen vor dem Verzehr spanischer Gurken haben deutsche Behörden die spanische Regierung gegen sich aufgebracht. Sogar von Schadensersatzklagen war die Rede. Doch nun bemühen sich beide Seiten um Entspannung. "Ich habe nie davon gehört, dass in der spanischen Regierung eine Schadensersatzklage vorbereitet würde", sagte Europaminister Diego Lopez Garrido in Berlin. Klagen von privaten spanischen Unternehmen könne er jedoch nicht ausschließen.

Gurken aus Spanien hatten zunächst als Quelle für die Ehec-Epidemie in Norddeutschland unter Verdacht gestanden. Weil Experten dies bisher nicht nachweisen konnten, hatte die spanische Regierung rechtliche Schritte gegen die Hamburger Behörden erwogen, die vor Gemüse aus dem südeuropäischen Land gewarnt hatten.

Garrido sagte, die Erklärungen von Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) zu den angeblich mit dem gefährlichen Ehec-Erreger belasteten spanischen Gurken seien "unglücklich" gewesen. Natürlich stehe es jeder Gesundheitsbehörde zu, Hinweise an die Bevölkerung zu geben. Es sei jedoch völlig unzulässig, ein bestimmtes Produkt aus einem bestimmten Land als Verursacher einer Krankheit zu benennen, wenn es dafür nicht ganz klare Beweise gebe.

Regierungen vereinbaren Gemüsewerbung

Ganz ohne Wiedergutmachung will die spanische Regierung ihre deutschen Kollegen nicht davonkommen lassen. Garrido sagte, die Bundesregierung habe Unterstützung bei der Imageverbesserung von spanischen landwirtschaftlichen Produkten in Deutschland zugesagt. Im Gegenzug habe sich die spanische Regierung bereit erklärt, Werbemaßnahmen für mögliche betroffene deutsche Produkte in Spanien zu starten.

Spanische Gemüseproduzenten beklagen einen finanziellen Schaden von wöchentlich rund 200 Millionen Euro, weil verunsicherte Verbraucher ihre Produkte verschmähen. Deutschland ist mit 25 Prozent der größte Abnehmer von Spaniens Gemüseexporten. Für deutsche Landwirte summiert sich der Schaden laut Bauernverband bisher auf 60 Millionen Euro. Die EU will europäische Gemüseproduzenten mit 210 Millionen Euro entschädigen.

Der Ministerpräsident der südspanischen Region Andalusien, José Antonio Griñán, warnte seine Landsleute davor, angesichts der Ehec-Krise in einen "Deutschen-Hass" zu verfallen. "Man muss den Fehler wiedergutmachen und zur Normalität zurückkehren", sagte Griñán im Regionalparlament in Sevilla. Die Beziehungen zwischen Andalusien und Deutschland seien immer gut gewesen.

mmq/dpa/dapd/AFP

insgesamt 46 Beiträge
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kundennummer 09.06.2011
1. Schön
So klingt der diesjährige Pandemie-Hype also langsam aus und am Schluß sind nicht mehr krank gewesen als die Jahre davor und nicht mehr gestorben als die Jahre davor und zwischenzeitlich wurden weitere 90 Milliarden neue Schulden auf des Steuerzahlers Rechnung geschrieben damit die gierige Schicht die Schäfchen in Ruhe via EZB ins Trockene bekommen kann. Ein "schöner" Artikel im Sinne der SPIEGEL-Redakteure
vmue 09.06.2011
2. Die einzigen Leidtragenden
auf dem Gemüsemarkt sind sie nicht! Wie wär's, wenn sich unsere europäischen Partner etwas solidarischer an der Auffindung der Ehec-Quelle beteiligten und den Toten und Geschädigten mehr Rechnung trügen? Die neue Kreuzung ist nämlich sehr reiselustig ...
hans a. plast 09.06.2011
3. Prima, endlich haben einmal
Zitat von sysopDer Streit zwischen Deutschland und Spanien um Ehec-Warnungen entspannt sich: Die Regierung in Madrid strebe keine Schadensersatzklage an, sagte Europaminister Garrido. Die Bundesregierung soll aber nun helfen, das Image spanischer Gurken wieder aufzupolieren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,767676,00.html
Politiker einen massvollen, angemessenen Ton angeschlagen, der die vielen Emotionen runterkocht, die seit drei Wochen taeglich durch alle Medien kreisen, weiter so! MfG
lamia 09.06.2011
4. Es wäre schön....
wenn diese geschmacklosen Gurken ganz verschwinden würden, EHEC sei dank!Diese Dinger werden nur für den Nordeuropäischen Markt produziert, uns hat aber keiner je gefragt, ob wir diese wässerigen, oft nach zuviel Dünger schmeckenden Dinger überhaupt wollen. Wer schon mal eine kleine Landgurke gegessen hat, wird diese Schlangengurken nicht vermissen.
mhpur 09.06.2011
5. Realität
Es wäre sicherlich sehr hilfreich, wenn sich die Regierenden in Spanien etwas an der Realität orientieren und nicht diese traurige Angelegenheit dazu benutzen würde, von ihrem eigenen wirtschaftlichen Desaster abzulenken. Fakt ist, daß auf spanischen Gurken Erreger festgestellt worden waren. Dass sich anschließend herausgestellt hat, daß es sich nicht um diesen neuen Stamm handelt, steht auf einem ganz anderen Blatt. Unter diesem Gesichtspunkt stand es in der verdammten Pflicht der Verantwortlichen in Deutschland, ihre Bevölkerung vor dieser Gefahrenquelle zu warnen. Sie haben richtig gehandelt. Der zeitweise Verzicht auf den Konsum und das Abwarten von Untersuchungsergebnisse ist wohl die weitaus bessere Alternative, als zu schweigen und damit ggf. das Auslösen einer verheerenden Epedemie zu verurssachen. Hilfreicher als dieses unsägliche Geschrei wäre es sicherlich, wenn in Spanien nach den Ursachen geforscht werden würde, wie die Erreger auf die Gurken gekommen sind. Mir persönlich ist es nämlich in höchstem Maßé Wurscht, ob es sich aus reinem Glück heraus nur nicht um den neuen Stamm handelte. Erreger ist Erreger. Und die Sauerei, daß sich so etwas auf gehandelten Gurken befindet, wird nicht dadurch besser, daß an dem vermutlich keine Personen zu Tode kamen.
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