Studie: Ein-Euro-Jobs können Chancen auf festen Job erhöhen

Ein-Euro-Jobs haben in Deutschland einen schlechten Ruf. Doch einer Studie zufolge können sie die Chancen auf einen Arbeitsplatz erhöhen. Noch effektiver sind reguläre Stellen, die von der Arbeitsagentur bezuschusst werden.

Nürnberg - Ein-Euro-Jobs können die Chancen von Hartz-IV-Empfängern auf einen festen Job in Deutschland erhöhen. Das hat eine Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ergeben. Wesentlich bessere Aussichten haben jedoch Arbeitslose in subventionierten Jobs.

Die Wahrscheinlichkeit, innerhalb der folgenden drei Jahre einen festen Arbeitsplatz zu bekommen, stieg demnach für die Ein-Euro-Jobber nur um wenige Prozentpunkte. Bei Arbeitnehmern, deren Stellen von der Arbeitsagentur bezuschusst wurden, verbesserten sich die Chancen um bis zu zehn Prozentpunkte.

Bei den Ein-Euro-Jobs bekommen die Menschen zusätzlich zum Arbeitslosengeld II eine Aufwandsentschädigung. Bei der Entgeltvariante erhalten die Teilnehmer einen regulären Lohn. Die Tätigkeiten bei Ein-Euro-Jobs sollen zudem zusätzlich sein und im öffentlichen Interesse liegen, um eine Verdrängung regulärer Stellen zu vermeiden. Bei der Entgeltvariante gibt es diese Vorgaben nicht.

Gefahr der Verdrängung regulärer Jobs

Deutliche Unterschiede bei den Ergebnissen gab es zwischen West- und Ostdeutschland: Während sich die Aussichten von westdeutschen Frauen in Ein-Euro-Jobs um drei Prozentpunkte verbesserten, verschlechterten sich jene von Männern in Ostdeutschland sogar um 1,2 Prozentpunkte. Bei den Ein-Euro-Jobs schafft demnach nur etwa jede siebte Frau und jeder sechste Mann aus Ostdeutschland den Weg aus der Arbeitslosigkeit. In Westdeutschland sind es fast ein Viertel der Männer und knapp 20 Prozent bei den Frauen.

Die Forscher hatten Daten von Arbeitslosen aus dem Jahr 2005 ausgewertet, die zu diesem Zeitpunkt Ein-Euro-Jobs ausübten oder an ähnlichen Maßnahmen teilnahmen. Deren Erfolge auf dem Arbeitsmarkt wurden drei Jahre später mit denen nicht-teilnehmender Arbeitsloser verglichen. Im Jahr 2011 fingen nach IAB-Angaben 436.000 Menschen einen Ein-Euro-Job an, weniger als 40.000 hatten einen subventionierten Arbeitsplatz.

Fazit der Forscher: Die Entgeltvariante verbessert die Chancen der Teilnehmer auf dem Arbeitsmarkt, aber birgt zugleich die Gefahr der Verdrängung regulärer Jobs. Zudem könnte sie auch deshalb bessere Chancen bieten, weil möglicherweise eine sorgfältigere Auswahl stattfand. Aus den Ergebnissen könne also nicht gefolgert werden, dass die Entgeltvariante zulasten der Ein-Euro-Jobs erweitert werden sollte.

cte/dpa/AFP

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