Hartz-IV-Daten Eine Million mal Hoffnungslosigkeit

Sie stecken praktisch ohne Perspektive fest: Rund 1,08 Millionen Bundesbürger erhalten seit 2005 durchgängig Hartz-IV-Leistungen, das geht jetzt aus einer Auswertung der Arbeitsagentur hervor. Betroffen sind nicht nur schwer Vermittelbare - auch für viele Geringverdiener reicht ihr Lohn nicht zum Leben.

Arbeitsagentur: Geringsten Anteil an Dauerbeziehern gibt es in Baden-Württemberg
DPA

Arbeitsagentur: Geringsten Anteil an Dauerbeziehern gibt es in Baden-Württemberg


Nürnberg - Von den 4,5 Millionen Hartz-IV-Empfängern in Deutschland bekommt knapp ein Viertel die Leistung bereits seit Januar 2005. Damals wurde das Arbeitslosengeld II eingeführt. In Westdeutschland liegt die Quote der Dauerbezieher bei 22,7 Prozent und im Osten bei 27,8 Prozent. Das geht aus einer Auswertung der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor, über die zunächst die "Bild"-Zeitung berichtete.

Laut einer BA-Sprecherin sind unter den 1,08 Millionen Dauer-Hartz-IV-Empfängern nicht nur Langzeitarbeitslose. In der Statistik würden auch Aufstocker, Bedarfsgemeinschaften und Alleinerziehende mitgezählt. Also Bürger, die trotz Arbeit nicht auf das Existenzminimum kommen oder wegen eines Kindes von den "Fördern und Fordern"-Regeln ausgenommen seien. Übrig blieben etwa 300.000 Arbeitslose, von denen viele tatsächlich schwer vermittelbar seien - etwa, weil sie nur drei Stunden am Tag arbeiten könnten.

In den alten Ländern erhalten von insgesamt drei Millionen Hartz-IV-Empfängern 682.000 Menschen die staatliche Hilfe seit 2005. In den neuen Ländern sind es demnach 422.000 der 1,5 Millionen Bezieher. Den geringsten Anteil an Dauerbeziehern gebe es bundesweit in Baden-Württemberg mit 17 Prozent. Die höchste Quote weise Sachsen-Anhalt mit 29,7 Prozent auf.

Regierung: Einkommenschere geht nicht weiter auf

Nach Angaben der Bundesregierung vom Mittwoch ist das Auseinanderdriften der Einkommen in Deutschland zwar vorerst gestoppt - das sagte die Ministerin Ursula von der Leyen (CDU) bei der Vorstellung des Armuts- und Reichtumsberichts, um den in der Regierung lange gerungen worden war. Opposition und Sozialverbände warfen der Regierung aber Schönfärberei vor. Das Wirtschaftsministerium unter FDP-Chef Philipp Rösler hatte durchgesetzt, dass manche Formulierung positiver ausfiel.

Als Erfolg wertete es von der Leyen, dass eine Viertelmillion Kinder weniger in Hartz-IV-Haushalten lebten. Das sei ein Hinweis darauf, "dass im Berichtszeitraum die Dinge besser geworden sind". Eine "absolute Erfolgsgeschichte" sei die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit" ebenso wie Zunahme der Erwerbstätigkeit Älterer.

"Die Wohlstandskluft in Deutschland immer größer", erklärte dagegen SPD-Arbeitsmarktexpertin Anette Kramme. Um diese zu verringern, brauche es "eine vernünftige Erbschaft- und Vermögensteuer sowie einen angemessenen Spitzensteuersatz" und faire Löhne.

Der Sozialverband SoVD erklärte: "Niedriglöhne, prekäre Beschäftigung und ein deutlicher Anstieg der Armutsgefährdungsquote sind alarmierende Signale."

cte/itz/AFP/Reuters



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insgesamt 292 Beiträge
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Seite 1
Progressor 07.03.2013
1. Sekunde mal
Alleinerziehende müssen keine Arbeit aufnehmen? Hab ich da ne Änderung nicht mitbekommen?
FrankS. 07.03.2013
2. anscheinend oder offenbar, aber nicht scheinbar!
Fragen Sie bitte Ihren Kollegen von der Zwiebelfisch-Kolumne.
johannesmapro 07.03.2013
3.
Man sollte dabei nicht vergessen, das die Jobcenter mit sehr vielen ausgefallenen Mitteln den Menschen die auf Leistungen nach SGB II angewiesen sind das Leben zur Hölle machen. es werden einfach Kinder erfunden für die ein Kindergeldbezug zugeordnet wir. es werden für kinder die Ihr Kindergeld selber beziehen das kindergeld abgezogen. es werden menschen an arbeitgeber vermittelt wie zuletzt beschrieben bei amazon, die dann zum teil auch nicht bezahlen oder sonst wie gegen das geltende arbeitsrecht verstossen. Man kann die qualitäts orientierten Jobcenter auf die fehler hinweisen, die nicht weiter interessieren, die tun aber nichts. Dann muß man zum sozialgericht, dort behauptet das Jobcenter noch immer alles mögliche, ohne rot zu werden. zum schluß wenn alles zusammen bricht, bekommt man lauter widerspruchsbescheide die einen mitteilen das man recht hat. dazwischen wäre man froh man hätte wenigstens Pferdefleisch lassagne. Kaum zu glauben aber wahr, so arbeitet das Jobcenter Neukölln. eine lösung die allen Menschen weiterhelfen würde wäre das Grundlose Grundeinkommen, das vom Finanzamt an jeden ausgezahlt wird, es würde eine Menge unnötier Klagen vermeiden, leider aber auch einen haufen Bürokraten die sich gerne wie die 1984 Überwacher Ihrer Mitmenschen aufführen um Ihre lebensaufgabe bringen andere Menschen zu quälen.
zynik 07.03.2013
4.
Zitat von sysopddpRund 1,08 Millionen Bundesbürger erhalten seit 2005 durchgängig Hartz-IV-Leistungen. Das geht aus einer Auswertung der Arbeitsagentur hervor. Betroffen sind nicht nur Langzeitarbeitslose. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/eine-million-buerger-bekommt-seit-2005-hartz-iv-a-887452.html
Diese "Auswertungen" der Arbeitsagenturen werden in ähnlichem Umfang geschönt sein, wie seit Jahren die Arbeitslosenzahlen frisiert werden. Seit gestern wissen wir auch das Armut in diesem Land offiziell nicht stattfindet und es uns allen hervorragend geht. Dieser ganze Statistikquatsch dient nur noch als Instrument, um die Leute dumm zu halten.
mainzelmann62 07.03.2013
5. kein wunder
... es gibt etliche langzeitarbeitslose die arbeitswillig sind. doch wird von seiten der behörden nichts getan, wenn jemand aus welchen gründen auch immer, mit 30 keine ausbildung hat. vor 30 jahren erhielt jeder eine ausbildung bzw umschulung, der mehr als 1 jahr ohne arbeit war. heute ist . das war übertrieben, doch sind deswegen viele leute auf billigjobs angewiesen. doch wer soll von 8 euro stundenlohn leben? da kann man die hartz 4 empfänger verstehen das sie lieber nichts machen. am betsen nebenher schwarz arbeiten . EIN MIndestlohn und ausbildung für jden der kann und will muss her.
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