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Öffentlicher Dienst: Ver.di ringt Arbeitgebern satte Lohnerhöhung ab

Sie haben bis zur Erschöpfung verhandelt, doch nun steht die Einigung von Arbeitgebern und Ver.di: Die zwei Millionen Beschäftigten im Öffentlichen Dienst bekommen eine Lohnerhöhung von 6,3 Prozent. "Wir sind bis an die Schmerzgrenze gegangen", sagte Bundesinnenminister Friedrich.

dapd

Hamburg - Politiker, Manager oder Gewerkschaftsspitzen präsentieren sich nach langen Verhandlungen der Öffentlichkeit gern müde und abgekämpft, aber glücklich über die gerade erzielte Einigung. Das Signal: Man hat einander nichts geschenkt, jeder hat für seine Seite das Beste herausgeschlagen.

Der Kampf um Löhne im Öffentlichen Dienst toppt allerdings so manchen Poker der Euro-Krise. Mehr als 40 Stunden dauerten die Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und der Gewerkschaft Ver.di - eine Marathondiskussion, die nicht nur die Planung vieler angereister Verhandlungsführer durcheinanderwirbelte. Auch das Tagungshotel in Potsdam war eigentlich nur bis Freitagmittag gebucht. Am Nachmittag begann dort eine andere Veranstaltung, die Tarifkämpfer mussten sich neue Unterkünfte suchen.

Am Ende aber gab es die Einigung, mit knapper Mehrheit - aber ohne Streik oder Schlichtungsverfahren. Das hat es seit 2005 nicht mehr gegeben. Und so ist die Einigung vor allem auch ein Sieg der Vernunft. Zuletzt hatte es heftige Warnstreikwellen im Nahverkehr, in Kitas und auf Flughäfen gegeben, das wollten die Beteiligten um jeden Preis im Öffentlichen Dienst vermeiden.

Das Ergebnis, das Ver.di den Arbeitgebern abgerungen hat, kann sich sehen lassen:

  • Die Gehälter der zwei Millionen Beschäftigten in den Kommunen und beim Bund steigen in den kommenden zwei Jahren um 6,3 Prozent.
  • Die erste Erhöhung von 3,5 Prozent erfolgt rückwirkend zum 1. März 2012. Weitere Raten von jeweils 1,4 Prozent folgen dann im Januar und im August 2013. Mit Zins und Zinseszins sind dies dann sogar 6,41 Prozent.
  • Auch Auszubildende erhalten eine höhere Vergütung und werden nach einjähriger Bewährungszeit unbefristet übernommen.
  • Ab 2013 erhalten alle Beschäftigten einheitlich 29 Tage Urlaubsanspruch, sind sie älter als 54 Jahre, sind es 30 Tage. Wer nach der bisherigen Regelung schon jetzt Anspruch auf 30 Tage Urlaub hatte oder ihn 2012 erlangt, behält diesen Anspruch auch künftig.
  • Nicht durchsetzen konnten sich die Gewerkschaften mit ihrer Forderung nach einer Mindestanhebung kleinerer Gehälter.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich sprach von einer guten Nachricht. Mit der Lohnerhöhung hätten die Arbeitnehmer des Öffentlichen Dienstes gewonnen. "Wir sind bis an die Schmerzgrenze gegangen", sagte der CSU-Mann. "Wir wollen sie auch ordentlich bezahlen."

Die Kosten der Lohnerhöhung liegen nach Angaben der kommunalen Arbeitgeber im Jahr 2012 bei rund 2,2 Milliarden Euro, im Jahr 2013 sind es 4,3 Milliarden Euro. Die Belastung für den Bundeshaushalt wird rund 550 Millionen Euro betragen.

Die Ver.di-Tarifkommission beschloss am Ende mit nur knapper Mehrheit die Annahme des Vertrags. Ver.di-Chef Frank Bsirske sagte, Ver.di werde traditionsgemäß seine Unterschrift erst dann unter den Vertrag setzen, wenn er durch eine Mitgliederbefragung angenommen worden sei. Er nannte es bedauerlich, dass es nicht gelungen sei, eine "soziale Komponente" für die Bezieher kleiner Einkommen zu vereinbaren.

ssu/dpa/Reuters

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1.
worcchel 31.03.2012
Zitat von sysopdapdSie haben bis zur Erschöpfung verhandelt, doch nun steht die Einigung von Arbeitgebern und Ver.di: Die zwei Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst bekommen eine Lohnerhöhung von 6,3 Prozent. "Wir sind bis an die Schmerzgrenze gegangen", sagte Bundesinnenminister Friedrich. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,824924,00.html
eine sauerei sondergleichen. wir schieben billionen an schulden vor uns her und die bekommen >6 % lohnerhöhung von MEINEM geld! meine letzte lohnerhöhung war 1997 und seitdem hab ich durch wegfall von weihnachtsgeld und urlaubsgeld brutto (!) weniger als vor 15 jahren.
2. Dass ist doch peinlicher Journalismus
chris345 31.03.2012
Zitat von sysopdapdSie haben bis zur Erschöpfung verhandelt, doch nun steht die Einigung von Arbeitgebern und Ver.di: Die zwei Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst bekommen eine Lohnerhöhung von 6,3 Prozent. "Wir sind bis an die Schmerzgrenze gegangen", sagte Bundesinnenminister Friedrich. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,824924,00.html
6,3% (auf zwei Jahre)? Warum nicht gleich 50% (dann auf 20 Jahre)? Kein Wunder dass Verdi die MItglieder weglaufen, wenn eine Lohnerhöhung auf Inflationsniveau als großer Erfolg verkauft wird. Lohnerhöhungen sollten immer pro Jahr angegeben werden.
3. Wie kann bei leeren Staatskassen
diefreiheitdermeinung 31.03.2012
Zitat von sysopdapdSie haben bis zur Erschöpfung verhandelt, doch nun steht die Einigung von Arbeitgebern und Ver.di: Die zwei Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst bekommen eine Lohnerhöhung von 6,3 Prozent. "Wir sind bis an die Schmerzgrenze gegangen", sagte Bundesinnenminister Friedrich. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,824924,00.html
dies als eine "Loesung der Vernunft" bezeichnen, wenn es nur eine Konsequenz geben wird: dass naemlich die knappen Gelder in die Taschen der Angestellten im oeffentlichen Dienst fliessen statt z.B. in eine Verbesserung der Infrastruktur oder anderer Investitionsmassnahmen. Um dies auszugegleichen werden wir in Kuerze eine rasante Steigerung der Preise fuer oeffentliche Dienstleistungen sehen - z,B. Muellabfuhr, Wasser, Gerichtsgebuehren etc etc. Hier raubt quasi eine Klasse vergleichsweise weich gebetteter Arbeitnehmer eine andere Klasse aus. Dass der Gewerkschaft wenig an Arbeitnehmern mit tatsaechlich unzureichenden Einkommen liegt sieht man leider daran, dass diese bei der "Loesung der Vernunft" total hinten herunterfallen. Sozial ausgewogen ist das nun wirklich nicht.
4. rechnen hilft
hagen306 31.03.2012
Das entspricht einer jährlichen Lohnerhöhung um 2,27% --- wenn es keine Inflation gäbe... Bei angenommenen 2% Inflation bleiben dann 0,27% Lohnerhöhung pro Jahr für die nächsten beiden Jahre übrig. Das als kräftige Lohnerhöhung zu verkaufen, ist ziemlich gewagt. 1,035^(10/12)*1,014^(8/12)*1,014^(6/12) = 1,046 --- also 4,6% in 24 Monaten. Daraus die Quadratwurzel sind 1,0227, also 2,27% --- ohne die Geldentwertung zu berücksichtigen. Don't believe me - just do the math.
5. So, so,
restauradores 31.03.2012
Zitat von sysopdapdSie haben bis zur Erschöpfung verhandelt, doch nun steht die Einigung von Arbeitgebern und Ver.di: Die zwei Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst bekommen eine Lohnerhöhung von 6,3 Prozent. "Wir sind bis an die Schmerzgrenze gegangen", sagte Bundesinnenminister Friedrich. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,824924,00.html
Der Innenminister ist bis an die Schmerzgrenze gegangen! Das sagte er schon bei 3,2%! Ich glaube diesen Politikern nichts mehr!
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