Einigung Minijobber sollen 450 Euro verdienen dürfen

Aus 400-Euro-Jobs sollen 450-Euro-Jobs werden: Union und FDP haben sich auf eine Anhebung der Verdienstgrenze für Minijobber geeinigt. Damit sollen Preissteigerungen ausgeglichen werden, hieß es. Die Grünen aber fürchten eine "Niedriglohnfalle".

Reinigungskraft: Höhere Verdienstgrenze für Minijobs geplant
AP

Reinigungskraft: Höhere Verdienstgrenze für Minijobs geplant


Berlin - Für Menschen mit Minijobs sollen künftig höhere Verdienstgrenzen gelten. Statt 400 Euro sollen Beschäftigte künftig 450 Euro verdienen dürfen, ohne eigene Sozialbeiträge zahlen zu müssen, teilten Union und FDP mit. Für die sogenannten Midijobber steige die Verdienstgrenze von 800 auf 850 Euro. Midijobber müssen reduzierte Beiträge zahlen.

Die sozialpolitischen Fraktionssprecher von Union und FDP, Karl Schiewerling und Heinrich Kolb, erklärten, die Anhebung sei ein Beitrag zum Inflationsausgleich. Auch könnten die Beschäftigten dadurch rentenrechtlich Vorteile erhalten. "Minijobber sind künftig grundsätzlich voll in der Rentenversicherung abgesichert und können damit unter anderem Ansprüche auf Erwerbsminderungsrente erwerben und die Vorteile der Riester-Förderung in Anspruch nehmen", sagten die Politiker. "Dafür stocken sie den pauschalen Rentenversicherungsbeitrag des Arbeitgebers von 15 Prozent um 4,6 Prozent auf." Wer das nicht wolle, könne darauf auch verzichten - dann bleibe es bei der pauschalen Abgabe des Arbeitgebers.

"Die Koalition ist überzeugt davon, dass es durch die Neuregelung nicht zu einer Ausweitung bei der Anzahl der Minijobs und Midijobs kommt, denn die meisten Beschäftigungsverhältnisse entstehen heute voll sozialversicherungspflichtig", sagten Schiewerling und Kolb.

Die Grünen dagegen sprachen von einer "Niedriglohnfalle". Immer mehr unabhängige Experten forderten die Abschaffung der Minijobs, weil sich die massenhafte Subventionierung nicht existenzsichernder Beschäftigung als Sackgasse erwiesen habe, sagte Arbeitsmarktexpertin Brigitte Pothmer.

mmq/dpa

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insgesamt 23 Beiträge
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Viva24 28.11.2011
1. Wow! Danke!
Mich als Minijobber hofiert nun die Politik. Zahle kaum Sozialbeiträge, meine Zunft wird immer mehr. Eine Frage: ist das nicht schon Sozialismus!
wurstball 28.11.2011
2. Niedriglohnfalle ist Wirklichkeit
Der Niedriglohnfalle ist Wirklichkeit. Z.Bi in der (einfachen) Gastro arbeitet niemand mehr Vollzeit, und von einem Job leben kann dort auch niemand mehr. Da werden nur noch Hartzler und vielleicht auch Studenten eingestellt.
deppvomdienst 28.11.2011
3. Nix da!
Wie kann man derzeit nur auf die Idee kommen, Jobs mit 450 Euro monatlich als "Mini-Jobs" zu bezeichnen? Bei Stundenlöhnen unter 7,50 Euro sind das 60 Stunden / Monat - mehr als eine Drittel Vollzeitstelle. Ohne eine Quotierung derartiger Beschäftigungsverhältnisse sollte das gar nichts gehen: z.B. maximal 48.000 Euro / Jahr - also im Durchschnitt 10 derartige Beschäftigungsverhältnisse im Jahr. Für kurzzeitige Spitzen, wie z.B. Inventur, reicht das locker aus, und Kleinbetriebe haben so genug Flexibilität. Aber damit, dass ganze Branchen, wie Hausmeister, Reinigung, Bewachung, ... auf derartige Beschäftigungsmodelle abstellen, muss Schluss sein. Von daher: Finger weg von der Erhöhung der Grenzen ohne eine grundsätzliche Umstellung!
bürgerschreck 28.11.2011
4. Ach die Grünen....
Zitat von sysopAus 400-Euro-Jobs sollen 450-Euro-Jobs werden: Union und FDP haben sich auf eine Anhebung der Verdienstgrenze für Minijobber geeinigt. Damit sollen Preissteigerungen ausgeglichen werden, hieß es. Die Grünen aber fürchten eine "Niedriglohnfalle". http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,800260,00.html
... erst selbst verabschieden, dann wieder dagegen sein.Sind alle klugen Mitglieder der Grünen im Ruhestand und nur noch Frau Roth über? Die 160 Euro Jobs sollten immer so direkt wie möglich brutto für netto gehen, damit überhaupt ein Anreiz besteht Arbeit z.B. nach der Kindererziehung oder längerer Arbeitslosigkeit aufzunehmen. Das Problem ist die mangelende Absicherung im Alter, nicht die niedrigen Abgaben!
Berta, 28.11.2011
5. 450-Euro
und arbeiten wie Vollzeit, so wollen die das haben.
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