Umfragen unter Einkaufsmanagern: Chinas Industrie kämpft mit Auftragsflaute

Montage bei Baumaschinenhersteller bei Shanghai: Fabriken bauen Stellen ab Zur Großansicht
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Montage bei Baumaschinenhersteller bei Shanghai: Fabriken bauen Stellen ab

Chinas Firmen droht die Kreditklemme - und das in einer Phase, in der die Wirtschaft des Landes erhebliche Probleme hat. Umfragen zufolge wächst die Industrieproduktion kaum noch. Die Regierung redet die Probleme klein.

Peking - In China mehren sich die Zeichen für eine drohende Wirtschaftskrise: Das Wachstum im riesigen Industriesektor des Landes ist im Juni zum Stillstand gekommen. Vor allem kleinere und mittlere Betriebe in privater Hand sind in Schwierigkeiten. Das zeigen zwei Umfragen unter Einkaufsmanagern, die als Indikatoren für das Wachstum des Landes gelten.

Der offizielle Einkaufsmanagerindex für die Industrieproduktion fiel im Juni von 50,8 auf 50,1 Prozent. Damit liegt der Wert nur noch sehr knapp über der Marke von 50, ab der Wachstum angezeigt wird. Die Skala reicht bis 100. Beunruhigend ist zudem, dass der Indexwert für die Beschäftigung mit 48,7 Punkten erneut leicht gefallen ist - und damit weiterhin anzeigt, dass die Fabriken Stellen abbauen.

Noch schlechter fällt das Ergebnis des im Auftrag der britischen Großbank HSBC ermittelten Markit-Einkaufsmanagerindex aus. Der Wert fiel im Juni um einen ganzen Punkt auf 48,2 und damit klar in den Bereich, der ein Schrumpfen der Produktion anzeigt. Zuletzt war der Wert vor neun Monaten so niedrig. Im HSBC-Index werden die kleineren und mittleren Privatunternehmen stärker gewichtet, während der offizielle Index vor allem die staatlichen Großbetriebe erfasst.

Chinas Führung zeigt sich entspannt

Die schlechten Umfragen verstärken die Furcht vor einer chinesischen Wirtschaftskrise und einem Einbruch beim Wachstum im zweiten Quartal. Vor allem die drohende Kreditklemme beunruhigt Banken und Firmen des Landes. Die Unternehmen stehen mit insgesamt dem Zweifachen der gesamten chinesischen jährlichen Wirtschaftsleistung in der Kreide, aus Furcht vor Insolvenzen leihen sich die Banken untereinander nur noch zu hohen Zinsen Geld.

Die Auswirkungen dieser Finanzierungsprobleme werden voraussichtlich erst im Juli auf die Industrie durchschlagen. Dann dürfte die Industrieproduktion noch einmal gedämpft werden. "Die chinesische Wirtschaft kämpft auf sehr niedrigem Niveau", sagte ein Analyst von JP Morgan in Hongkong.

Die Indizes belegen zudem, dass die Nachfrage nach chinesischen Produkten sowohl im In- als auch im Ausland nachgelassen hat. Die Auftragseingänge befinden sich demnach auf dem niedrigsten Stand seit vier beziehungsweise acht Monaten. Vor allem die Bestellungen aus den USA und Europa brachen laut HSBC-Index ein.

Die chinesische Führung zeigt trotz der düsteren Aussichten bislang wenig Neigung, die angeschlagene Wirtschaft etwa durch eine lockerere Geldpolitik oder Konjunkturprogramme zu stützen. Staatspräsident Xi Jinping sagte am Wochenende, nicht jeder Beamte solle als Held gelten, nur weil er Wachstum zu jedem Preis fördere. Und die chinesische Zentralbank hat bislang wenig getan, um die sprunghaft angestiegenen Interbankenzinsen wieder zu senken. Am Samstag sagte der oberste Bankenaufseher des Landes, Chinas Institute hätten mehr als genug Reserven, um ihre Aufgaben zu erfüllen.

fdi/Reuters

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1. War klar
MetalunaIV 01.07.2013
Als die gleichgeschaltete Presse vor Jahren vom Erwachen des "Chinesischen Drachen" berichtet hatte, hätte eigentlich schon klar sein müssen, dass diese Entwicklung nicht von Dauer sein würde. Chinas Wirtschaft und Politik ist auf Ausbeutung von Umwelt und Menschen ausgelegt, beides wird in den kommenden Jahren immer heftiger zurückschlagen. Desweiteren profitiert nur eine Minderheit des Milliardenvolks vom Aufstieg, schätzungsweise um die 5 - 10 %. Klar, das sind immer noch 70 - 140 Mio. Menschen. Den anderen 90 - 95 % geht es aber teilweise richtig dreckig. Armut, Ungebildetheit und Unterversorgung eines so großen Teils der Bevölkerung können auf Dauer kein Fundament für Wohlstand und Wirtschaftskraft bilden. Zumal viele der Ärmeren wieder aus den Fabriken aufs Land zurückgekehrt sind, da die Versprechungen von hohen Gehältern nicht ansatzweise von den Firmen eingehalten wurden. Insofern: China ist zweifelsohne eine Wirtschaftsmacht, aber in Zukunft werden die Politiker aber mehr mit innerpolitischen Themen beschäftigt sein als mit der vielfach beschworenen Weltdominanz.
2. bedenklich...
hedele 01.07.2013
Wenn die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt einen so unterentwickelten Bankensektor hat. Ganz ohne lokal engagierte Banken, wie Sparkassen bei uns, geht es offenbar auch nicht, sonst treiben die Wucherzinsen eine Pleitewelle vor sich her.
3. China macht es von der Geldpolitik her richtig.
Andreas1979 01.07.2013
Es muss doch für die Banker doch sehr beschämen sein, wenn die eigene Klientel untereinander nicht mehr traut, und deshalb die Zinsen expotenziel intern steigen. Da liegt doch das eigentliche Problem, wie sollen wir den Banken vertrauen schenken, wenn sie es untereinander nicht mal tun. Doch zumindest gibt es einen Staat, der die Banken dazu auffordert vernünftig mit dem Geld zu arbeiten.
4.
Mart-73 01.07.2013
Immer wieder stellen wir uns die Frage wie lange es überhaupt noch so weitergehen kann? Global gesehen, nicht nur auf die Chinesen beschränkt. Der Überfluss an Waren jeglicher Art hat doch mittlerweile geradezu beängstigende Ausmaße angenommen. Da hilft es auch nicht weiter mit Scheininnovationen gutes angeblich noch besser und damit begehrenswerter zu machen.
5. Was für eine ...
naseweiser 01.07.2013
Überraschung aber auch ! So ein Jammer - jetzt auch noch die "Konjunkturlokomotive" China . Dabei lief das doch lange so schön : China produziert für die USA und bekommt dafür viele schöne Dollars . Nun ja , ... Letztere sind etwas modrig geworden , und die Amerikaner haben Angst bekommen , der Berg von Minuszeichen-Dollars könnte mal über ihnen zusammenbrechen . Und China ? Hat (berechtigte) Angst , einmal eine Super-Lehman-Bank zu werden .
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