Hamburg/Nikosia - Die zyprische Politik ist zu härteren Einschnitten bei seinen großen Banken bereit, um die Forderungen der Euro-Retter zu erfüllen. Am späten Freitagabend billigte das Parlament ein wichtiges Gesetz zur Restrukturierung von Finanzinstituten. Es soll zunächst auf das zweitgrößte Geldhaus des Landes, Laiki, angewendet werden. Auch die umstrittene Zwangsabgabe auf Bankguthaben ist Teil des neuen Plans - wenngleich in stark veränderter Form.
Damit kommt Zypern den Forderungen der Euro-Staaten und des Internationalen Währungsfonds (IWF) entgegen. Sie haben ihr zehn Milliarden Euro schweres Hilfspaket davon abhängig gemacht, dass auch Zypern einen Eigenanteil von sieben Milliarden Euro zu seiner Rettung beiträgt. 5,8 Milliarden Euro davon sollten ursprünglich aus einer Zwangsabgabe auf Sparguthaben kommen. Doch nach einem öffentlichen Sturm der Entrüstung hatte das zyprische Parlament den Plan am Dienstag abgelehnt.
Nun sieht alles danach aus, als würden die Zyprer der Euro-Gruppe und dem IWF noch am Wochenende einen neuen Plan präsentieren. Dazu will Präsident Nikos Anastasiades nach Brüssel reisen. Am Sonntag sollen die EU-Finanzminister darüber beraten. An der Sitzung werde auch IWF-Chefin Christine Lagarde teilnehmen, hieß es. Unklar ist, wann das zyprische Parlament über den letzten offenen Punkt, die Zwangsabgabe, abstimmen wird. Zunächst hieß es, dies solle am Samstag geschehen, dann meldete die Nachrichtenagentur Reuters, Zypern wolle erst das Votum der Euro-Gruppe abwarten.
Der zyprische Regierungssprecher Christos Stylianides sprach von den wichtigsten und dramatischsten Stunden in der Geschichte des Landes. Er äußerte sich vorsichtig optimistisch, dass es bald eine Lösung geben könnte, die für Zypern "einen Neustart" bedeuten würde. Auch der stellvertretende Präsident der konservativen Regierungspartei, Averof Neofytou, sagte: "Wir sind auf gutem Wege."
Die Zeit drängt: Wenn bis Montag keine Einigung mit Euro-Gruppe und IWF vorliegt, will die Europäische Zentralbank (EZB) den schwächelnden zyprischen Banken den Geldhahn zudrehen. Die beiden größten Institute des Landes sind Monaten auf Nothilfen der nationalen Notenbank angewiesen, die von EZB genehmigt werden müssen. Wenn diese Hilfen nicht mehr fließen, droht den Geldhäusern die sofortige Pleite.
Konkret besteht der neue Plan aus vier Elementen:
Ob das alles ausreicht, muss sich noch zeigen. Schon gibt es Stimmen in Brüssel, die einen höheren Hilfsbeitrag von Zypern verlangen. Durch das Chaos der vergangenen Tage sei so viel Vertrauen zerstört worden, dass die zyprische Wirtschaft stark schrumpfen werde - weshalb die Lücke im Staatshaushalt wachse.
Auch in Nikosia ist man sich offenbar keineswegs sicher, dass die neuen Pläne einfach durchgewunken werden. Davon zeugt die Schlagzeile der konservativen Zeitung "Simerini" am Samstag: "Das Wort hat jetzt Brüssel."
Mit Material von Reuters und dpa
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Staat & Soziales | RSS |
| alles zum Thema Schuldenkrise in Zypern | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH