Arbeitsmarkt: Einwanderer sind besser ausgebildet als Deutsche

Die Wirtschaftskrise lockt Tausende Spanier und Griechen in die Bundesrepublik. Jetzt zeigt eine Studie: Die Zugewanderten sind formal höher qualifiziert als der Durchschnitt der deutschen Bevölkerung. Oft arbeiten sie auf Top-Stellen, die mit Einheimischen nicht besetzt werden können.

Arbeitsamt in Madrid: Vor allem gut Qualifizierte zieht es nach Deutschland Zur Großansicht
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Arbeitsamt in Madrid: Vor allem gut Qualifizierte zieht es nach Deutschland

Hamburg - Einwanderer helfen in Deutschland zunehmend, den Bedarf an Fachkräften zu sichern. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Demnach hatte in den vergangenen zehn Jahren gut ein Viertel der neu Zugewanderten einen Hochschulabschluss, in Deutschland sind es nur 18 Prozent. Zwölf Prozent konnten Abschlüsse in den gefragten Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) vorweisen.

Der Anteil an Akademikern unter den Zuwanderern ist laut IW zwischen 2000 und 2009 um elf Prozent gestiegen. "Besonders gut qualifiziert sind Zuwanderer aus den west- und südeuropäischen Staaten, also Ländern wie Frankreich, Italien oder Griechenland", sagte IW-Chef Michael Hüther laut Redetext bei der Vorstellung der Studie. Hier hätten sogar 46 Prozent der Einwanderer einen Hochschulabschluss, knapp 15 Prozent einen MINT-Abschluss.

Ein Drittel der Zuwanderer kam demnach in den vergangenen zehn Jahren aus EU-Staaten oder Ländern, mit denen die EU ein Freizügigkeitsabkommen geschlossen hat. Angesichts der Euro-Krise fordern deutsche Politiker schon länger, gezielt in EU-Ländern Fachkräfte anzuwerben. "Es gibt im Süden und Osten Europas viele arbeitslose Jugendliche, die dringend einen Job suchen", sagte etwa Unionsfraktionsvize Michael Fuchs (CDU) Anfang vergangenen Jahres dem SPIEGEL. Die Aussage stieß in Südeuropa auf großes Interesse, inzwischen suchen junge Spanier oder Griechen zunehmend ihr Glück in Deutschland.

Zuwanderer in Führungspositionen

Tatsächlich haben sich ihre Perspektiven in der Bundesrepublik in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Zwar ist ein guter Bildungsabschluss allein noch kein Garant für beruflichen Erfolg. Doch der IW-Studie zufolge übernehmen die Zugewanderten in Deutschland zunehmend Fach- und Führungspositionen - etwa als Geschäftsleiter, wissenschaftliche Lehrkraft, Jurist oder Arzt. Im Jahr 2000 waren nur zwölf Prozent der nach 1989 Zugewanderten in solchen Positionen tätig. Bis 2009 stieg ihr Anteil auf 21 Prozent - und liegt damit genauso hoch wie im Rest der Bevölkerung.

Das arbeitgeberfreundliche IW vertritt grundsätzlich eine einwanderungsfreundliche Position. So begrüßte Institutschef Hüther die "Blaue Karte" der EU, welche ab August auch die Zuwanderung von Akademikern aus Nicht-EU-Ländern erleichtern soll. Zugleich forderte Hüther weitere Verbesserungen. Deutschland müsse "eine echte Willkommenskultur etablieren". Dazu gehöre auch, dass Fachkräfte "in Behördenschreiben und -gesprächen als gesuchte Personengruppe und nicht als Bittsteller behandelt werden".

dab

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1.
Zeugma 05.07.2012
Nun, "formal höher gebildet" ... In vielen Ländern kann man fast alles an Hochschulen studieren. Auch vieles, was bei uns unter dualer Ausbildung läuft. Auch ist die Abiturientenquote im Süden schon immer viel höher gewesen ... Einen Dr. in Italien gibt es für vier Jahre Uni. Äpfel und Birnen.
2. Wunderbar...
Koana 05.07.2012
Zitat von sysopREUTERSDie Wirtschaftskrise lockt Tausende Spanier und Griechen in die Bundesrepublik. Jetzt zeigt eine Studie: Die Zugewanderten sind formal höher qualifiziert als der Durchschnitt der deutschen Bevölkerung. Oft arbeiten sie auf Top-Stellen, die mit Einheimischen nicht besetzt werden können. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,842771,00.html
da kann ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen - wünsche allen geBILDeten Deutschen griechische Vorgesetze!
3. Unsinn!
H.Lorenz 05.07.2012
Zitat von sysopREUTERSDie Wirtschaftskrise lockt Tausende Spanier und Griechen in die Bundesrepublik. Jetzt zeigt eine Studie: Die Zugewanderten sind formal höher qualifiziert als der Durchschnitt der deutschen Bevölkerung. Oft arbeiten sie auf Top-Stellen, die mit Einheimischen nicht besetzt werden können. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,842771,00.html
Einwanderer sind nicht besser qualifiziert. Sie verursachen nur geringere Personalkosten.
4. Arbeitsmarkt
tatortreiniger 05.07.2012
Zitat von sysopREUTERSDie Wirtschaftskrise lockt Tausende Spanier und Griechen in die Bundesrepublik. Jetzt zeigt eine Studie: Die Zugewanderten sind formal höher qualifiziert als der Durchschnitt der deutschen Bevölkerung. Oft arbeiten sie auf Top-Stellen, die mit Einheimischen nicht besetzt werden können. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,842771,00.html
Zitat: „...Demnach hatte in den vergangenen zehn Jahren gut ein Viertel der neu Zugewanderten einen Hochschulabschluss, in Deutschland sind es nur 18 Prozent. Seltsame Rechnung, die man in dieser Form gar nicht gegenüberstellen kann. Sprechen wir hier von 10, 100, 1000 oder 10.000 Zuwanderern? Und: aus welchen Ländern kommen diese Hochqualifizierten? Oder ist diese Frage etwa schon wieder populistisch
5. Wie in der Schweiz
bolonch 05.07.2012
In der Schweiz werden auch immer mehr Kaderpositionen mit Ausländern (insbesondere Deutschen und Franzosen) besetzt, da das Land mit einer Abiturientenquote von 20% gar nicht genug qualifizierte Kräfte produziert. Es ist gut für Deutschland, wenn es endlich qualifizierte Zu- (und nicht nur Ab-) wanderung gibt, daran hat es lange genug gemangelt.
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