Interaktive Karte Hier zerbröseln Deutschlands Eisenbahnbrücken

Mehr als 1000 deutsche Eisenbahnbrücken sind laut einer Datenerhebung der Grünen so baufällig, dass sich eine Reparatur nicht mehr lohnt. Hier können Sie nachschauen, welche Brücken in Ihrer Nähe betroffen sind.

Eisenbahnbrücke in Stuttgart
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Eisenbahnbrücke in Stuttgart

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Deutschlands Eisenbahnbrücken sind teils in desolatem Zustand. Das geht aus einer umfassenden Datenerhebung der Grünenfraktion hervor, die dem SPIEGEL vorliegt. 1086 Brücken weisen demnach so gravierende Schäden auf, dass sich eine Renovierung nicht mehr rechnet. Und das nicht erst seit gestern: Der überwiegende Teil sei schon 2014 nicht mehr zu sanieren gewesen.

Fast die Hälfte der insgesamt 25.682 Brücken in Deutschland ist der Erhebung zufolge älter als 80 Jahre. Die älteste Brücke steht demnach in Saalfeld an der Saale. Ihr Alter: 146 Jahre.

In folgender Grafik können Sie nachsehen, welche Brücken in Ihrer Region besonders baufällig sind:

Besonders kritisch sei die Lage in Brandenburg, heißt es in der Grünen-Auswertung. Dort habe inzwischen fast jede zehnte Brücke "gravierende Schäden". Besonders gut ist die Lage in Hamburg und Sachsen-Anhalt.



Nach Darstellung der Grünen hinkt die Regierung dem Sanierungsbedarf hinterher. Bei einer geschätzten Lebensdauer von etwa 100 Jahren müssten jedes Jahr 257 Bahnbrücken in Deutschland erneuert werden. Tatsächlich seien seit dem Amtsantritt der Großen Koalition jedoch durchschnittlich nur 115 Brücken pro Jahr erneuert worden. Das Bundesverkehrsministerium äußerte sich auf Anfrage nicht zu dem Vorwurf, es gebe eine Investitionslücke.

Die 10 Bahnstrecken mit den meisten maroden Brücken

Rang Bahnstrecke Anzahl maroder Brücken
1 Aachen Hbf - Kassel Hbf 19
2 Duisburg-Wedau - Niederlahnstein Strw 17
3 Hagen-Oberhagen - Dieringhausen 14
4 Nahetalbahn 13
5 Bebra - Fulda 12
6 Koblenz - Trier 12
7 Dresden - Werdau 11
8 Köln Messe/Deutz - Gießen 11
9 Mannheim - Saarbrücken 11
10 Zollernalbbahn 11

Quelle: Grüne-Bundesfraktion

Internationale Studien zeigen, dass sich die sinkenden Investitionen bisher noch nicht negativ ausgewirkt haben: Die Weltbank zum Beispiel attestiert der deutschen Transportinfrastruktur im weltweiten Vergleich immer noch eine Top-Qualität. Mittel- und langfristig aber droht die Qualität zu leiden, wenn das Reparaturtempo nicht bald steigt.

Das dürfte nur gelingen, wenn die Regierung den Bahnverkehr höher priorisiert. Deutschland investiert derzeit rund drei Mal so viel Geld in Straßen und Wasserwege wie in Bahninfrastruktur. Generell gibt die Regierung für Infrastruktur nicht so viel Geld aus wie sie könnte: So blieben die Investitionen in Schienen, Straßen und Wasserwege zwar in den vergangenen Jahren recht konstant - der prozentuale Anteil an der deutschen Wirtschaftsleistung aber sank immer weiter.

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Der Interessenvertretung "Allianz pro Schiene" zufolge fließen jährlich nur 64 Euro pro Einwohner in die Schiene. Damit liegt Deutschland in Europa auf dem drittletzten Platz, nur noch gefolgt von Spanien und Frankreich. Die Niederlande investieren 133 Euro pro Einwohner - mehr als das Doppelte.

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"Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt macht zu wenig", monieren der Grünen-Bundesvorsitzende Cem Özdemir und der Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer in einer gemeinsamen Erklärung. Sollte man Teil der nächsten Bundesregierung werden, werde man mehr Geld in die Schiene stecken und so den umweltfreundlichen Bahnverkehr stärken.



insgesamt 95 Beiträge
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Denkt mal selber nach 07.09.2017
1. Deutschland geht es gut!
Die Frage ist nur, wie lange noch. Der schwarzen Null sei dank, bauen wir nur noch, wenn es zu spät ist und zahlen zudem 4%-Dividende für die PPP-Investoren drauf.
Dr.W.Drews 07.09.2017
2. DDR light
Man muß sich langsam frage, ob die Berliner Republik nicht längst eine DDR light geworden ist im Umgang mit ihrer Infrastruktur. Die DDR ist nicht nur untergegangen weil die Bevölkerung politisch nicht mehr wollte. Die Deutschen sind bereit viel Gängelung zu ertragen, wenn die Lebensbedingungen stimmen. Aber die DDR konnte, da sie zu lange von ihrer ökonomischen Substanz gelebt hatte, keine sozialen Wohltaten mehr verteilen. In D. sind ja nicht nur die Eisenbahnen marode. Es sind auch die Schulen und Krankenhäuser, die Straßen und die Versorgungseinrichtungen lange überaltert. Man könnte denken die Sozis haben es verbockt. Aber halt! Nein, es war in den letzten 35 Jahren die CDU, die 28 Jahre regierte. Die Sozis waren nur 7 Jahre dran. Hat es Schröder tatsächlich in diesen 7 Jahren geschafft alles so runterzuwirtschaften, das es Merkel bis heute nicht in Ordnung bringen konnte?
opinio... 07.09.2017
3. Wer Bahn fährt, der
fähr nicht Auto. Was also heißt das für ein Land mit Auto-Kanzlerei? Und wenn sich dann noch die Bahn fit für die Börse machen sollte, dann kann man die Schuld leider nich komplett auf Dobrindt schieben. Das Team der Schwarzen Nullen trägt die Verantwortung und die Auto-Lobby. Aber Letztere haben genau die Aufgabe das Autoland zu fördern. Also? Die Schwarzen Nullen haben zu Recht den Schwarzen Peter. Demokratie braucht Wechsel! Jetzt ist Schulz dran!
pefete 07.09.2017
4. Gut.
Aber das ist mkir alles zu Populistisch. Und beheben könnt Ihr das auch nicht so schnell. Außerdem ward Ihr ja auch einige Zeit an der Regierung beteiligt und die Brücken sich ja auch nicht von heuter auf morgen marode geworden.
dennis_berber 07.09.2017
5. Hauptsache Schäubles schwarze Null steht.
Die Infrastruktur bröselt vor sich hin, aber Schäuble kann die schwarze Null verkünden, wenngleich er einfach nur Glück hatte, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Wie soll es eigentlich in Zukunft weitergehen, wenn die Schuldenbremse wirksam ist? Wird dann bei der Infrastruktur noch stärker gespart und der Niedergang verwaltet? Seitdem den Privatisierungsoffensiven der Parteien in wechselnden Koalitionen gestartet wurde, wird das Tafelsilber verscherbelt und die ehemaligen Schätze der Nation ruiniert. Wie soll die Zukunft eigentlich aussehen, wenn die Industrie nicht mehr mit Waren beliefert werden kann, weil die Straße und Schiene kaputt ist? Naja, Lobbyisten und Politiker scheinen zunehmend kurzfristig zu denken und das Wohl der Menschen in diesem Land nicht mehr zu repräsentieren. https://www.finwir.de/politik/wer-wird-im-deutschen-bundestag-wirklich-repraesentiert/
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