Engpässe bei Stromversorgung Deutschland auf Elektroauto-Boom nicht vorbereitet

Schon 2035 könnte jedes dritte Auto in Deutschland ein Elektroauto sein. Experten zufolge wird es zu Überlastungen kommen, sollte die Regierung nicht Milliarden ins Stromnetz investieren.

Eine Frau an einer "Elektro-Zapfsäule" in Schwarzenbek
DPA

Eine Frau an einer "Elektro-Zapfsäule" in Schwarzenbek


Das deutsche Stromnetz ist einer Studie zufolge auf den zu erwartenden Boom von Elektroautos nur unzureichend vorbereitet. Ab einer Quote von 30 Prozent Elektroautos komme es zu Engpässen bei der Stromversorgung, heißt es in einer Studie, die die Technische Universität München für die Unternehmensberatung Oliver Wyman erstellt hat. Notwendig seien bis zu elf Milliarden Euro für den Netzausbau - und die Flexibilität der vielen Nutzer beim Laden ihrer E-Autos.

2035 werde mehr als jedes dritte Auto auf deutschen Straßen ein E-Auto sein, heißt es in der Studie. In Stadtrandlagen werde die 30-Prozent-Quote bereits in fünf bis zehn Jahren erreicht sein, schätzen die Autoren. Bei einer Ortsnetzgröße von 120 Haushalten reichten demnach bereits 36 Elektroautos, um das Netz zu überlasten.

"Wenn alle gleichzeitig um 20 Uhr ihr Auto mit Strom volltanken, knallt es", sagte Wyman-Energieexperte Thomas Fritz dem "Handelsblatt". Für die Netzbetreiber bestehe daher schon jetzt akuter Handelsbedarf.

Die meisten Ladevorgänge von E-Autos sind laut Studie "zeitlich flexibel". Der Ladevorgang könne auch später in der Nacht beginnen, ohne dass ein Elektroauto-Nutzer am nächsten Tag auf sein vollständig geladenes Fahrzeug verzichten müsse, erklärte Fritz. Damit die Ladevorgänge entsprechend flexibel verteilt werden, sei vor allem eine intelligente Softwarelösung notwendig.

Die Zahl der Ladevorgänge müsse intelligent verteilt werden. Die Investitionen zur Ertüchtigung der Netze bezifferte Fritz auf rund eine Milliarde Euro pro Jahr.

bam/afp



insgesamt 115 Beiträge
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Seite 1
wo_st 22.01.2018
1.
Erinnert mich so an BER, Planung vom Staat ist wohl ein Märchen.
günter1934 22.01.2018
2.
"Wenn alle gleichzeitig um 20 Uhr ihr Auto mit Strom volltanken, knallt es" Dann knallt es natürlich nicht, dann wird die Ladeleistung runtergeregelt. Nicht nur in den Vorstädten, sondern auch an Tankstellen, deren Ladesäulen voll besetzt sind. Der stolze E-Autobesitzer wundert sich dann, dass das er doppelt oder dreimal so lange warten muss, bis er einigermassen geladen hat.
Referendumm 22.01.2018
3. Gleichzeitig Auto mit Strom volltanken, knallt es
"Wenn alle gleichzeitig um 20 Uhr ihr Auto mit Strom volltanken, knallt es" So, so, das haben zahlreiche Foristen - einschl. meiner Person - schon seit Monaten geschrieben. Auch, dass "das deutsche Stromnetz auf den zu erwartenden Boom von Elektroautos nur unzureichend vorbereitet ist." Wobei, das noch ganz milde ausgedrückt wurde. In der Tat ist es rein gar nicht darauf vorbereitet. Und wer darf die Milliarden schön bezahlen? Kleiner Tipp: Garantiert nicht die Konzerne und garantiert nicht die E-Autofahrer alleine. Auch hier gilt erneut das Grundgesetz: Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren!
ImZweifel 22.01.2018
4. Welcher Boom?
Solange das “eMobil” seine ihm immanenten Schwächen nicht überwindet, wird es auch keinen Boom geben. Da werden auch keine Steuererleichterungen, Kaufprämien oder Zwangsmaßnahmen helfen. Eine Energiepolitik, die sich an realistischen Konzepten und nicht an grünen Phantasien orientiert, ist längst überfällig.
spon_2999637 22.01.2018
5. Selbst schon kaputt gemacht
Naja, die Elektroinfrastrukturspezialisten haben da ja auch schon selbst so einiges kaputt konzipiert. Wenn man sich das hier anschaut, fragt man sich, wie wir hier je Kompetenz bilden wollen.... https://media.ccc.de/v/34c3-9092-ladeinfrastruktur_fur_elektroautos_ausbau_statt_sicherheit
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