Elektroautos Gewinne für die Firmen, Kosten für den Staat

Die deutschen Autohersteller betteln beim Staat um Milliardensubventionen für Elektroautos. Der Vorstoß ist ein dreister Versuch, betriebswirtschaftliche Risiken auf die Steuerzahler abzuwälzen.

Elektroauto auf der IAA: Für spätere Gewinne sind die Hersteller zuständig
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Elektroauto auf der IAA: Für spätere Gewinne sind die Hersteller zuständig

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Deutschlands Autobosse halten viel von der Marktwirtschaft. Jedenfalls theoretisch. Beim Festakt zur weltgrößten Automobilmesse IAA in Frankfurt war ständig von freien Märkten, findigen Managern und frischem Unternehmergeist die Rede. Glücklich das Land, das solche Bosse hat, mag sich Bundeskanzlerin Angela Merkel auf ihrem Ehrenplatz in der ersten Reihe gedacht haben.

In der Praxis allerdings finden die deutschen Autohersteller die Marktwirtschaft leider total gemein und ungerecht. Kaum ein Kunde möchte ihre Elektroautos kaufen! Und so nutzen Daimler, BMW, Volkswagen und Co. die IAA-Show, um die Kanzlerin um Geld anzugehen. Damit das Geschäft mit den Elektroautos in Schwung kommt, soll die Regierung pro Fahrzeug bis zu 5000 Euro zuschießen. Alternativ kommt auch ein Steuernachlass in vergleichbarer Höhe infrage.

Bei etwa einer Million Elektroautos, die bis zum Jahr 2020 auf Deutschlands Straßen fahren sollen, geht es unterm Strich also um fünf Milliarden Euro, mit denen sich die Autokonzerne vom Staat subventionieren lassen wollen. Fünf Milliarden Euro: Das, nur mal so zum Vergleich, ist ziemlich exakt auch der Betrag, den die Bundesregierung ansonsten für sämtliche Forschungsprojekte ihrer neuen Hightech-Strategie in diesem Jahr auszugeben bereit ist.

Bei den meisten Modellen ist der Akku schnell leer

Nun ist nicht auszuschließen, dass Elektroautos eines Tages wirklich eine sinnvolle Alternative zu den heutigen Benzin- und Diesel-Fahrzeugen sein werden. Doch das wird dauern. Die Technik ist noch lange nicht soweit, zumindest bei den deutschen Herstellern. Bei den meisten E-Modellen ist nach 150 Kilometern der Akku leer.

Solange allein die Herstellung eines Elektroantriebes samt Batterie mehr Energie verbraucht, als ein herkömmlicher Mittelklassewagen auf 100.000 Kilometern vertankt, hat auch die Umwelt nichts davon. Und wo kommt eigentlich der Strom für die Ladesäulen her? Wirklich nur aus erneuerbaren Energiequellen, wie es in den Hochglanzbroschüren an den Frankfurter Messeständen suggeriert wird? Oder doch eher aus dem deutschen Stromnetz mit über 50 Prozent Kohle- und Gaskraft.

Die Schnorrerei der Autohersteller um Staatsknete ist der dreiste Versuch, das Investitionsrisiko auf die Steuerzahler abzuwälzen. Sechs Jahre nach der Abwrackprämie, als die Konzerne schon einmal von fünf Milliarden Euro Fördergeld profitierten, machen die Unternehmen wieder eine für sie sehr vorteilhafte Rechnung auf: Die Allgemeinheit soll sich an den Kosten für die Markteinführung der E-Autos beteiligen. Für spätere Erträge wären die Unternehmen dann wieder allein zuständig.

Mit Marktwirtschaft hat das nichts zu tun. Mit Selbstachtung auch nicht. Es ist peinlich, wie die deutschen Autohersteller, die vor allem mit Luxusfahrzeugen noch immer sehr gute Gewinne machen, den Staat um Stütze anbetteln.

Traurig das Land, das solche Bosse hat.



insgesamt 68 Beiträge
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Seite 1
mtk10 18.09.2015
1. Nicht meckern Leute!
So funktioniert unser Staat nunmal. Gewinne personalisieren, Verluste sozialisieren. Ist dem Wähler zwar bekannt, aber trotzdem egal.
systembolaget 18.09.2015
2. Wie bei den Solaranlagen...
…werden auf Kosten der normalen hart arbeitenden Steuerzahler Anreize geschaffen, daß sich Wohlhabende ein pseudo-ökologisches Spielzeug zulegen dürfen, und dafür viele Vorteile genießen sollen. Der Strom kommt derweil aus der Steckdose, nicht wahr? Und die riesigen Batterien werden aus Pappe und Wasser gebaut, richtig? Eine unanständige Entwicklung, die sich hier wieder einmal Bahn bricht.
pluuto 18.09.2015
3. das hatten wir doch schon mal
Wenn diese E- Autos subventioniert werden, läuft es ab wie bei der Solarsubvention. Die Autos werden zu teuer produziert und nach Ablauf der Subvention kommen diese aus China.
mr.room 18.09.2015
4. Ist ja nichts neues.
Und wahrscheinlich schon längst abgesprochen. Um das ganze auch noch etwas attraktiver zu gestalten, könnte man noch Teile der Produktion ins Ausland verlagern und ein paar Arbeitsplätze streichen. Wenn schon, denn schon.
fleischwurstfachvorleger 18.09.2015
5. Abwarten
und Tee trinken. Die CO²-Grenzen werden die Automobilhersteller bis 2020 zwingen zu liefern. Ob sie wollen oder nicht.
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