Elektromobilität Regierung startet Milliarden-Förderpaket

Der Staat will die Revolution des Verkehrssektors vorantreiben. Für den Ausbau der Elektromobilität lässt er eine Milliarde Euro springen. Kaufprämien für Stromer soll es nicht geben.


Berlin - Es ist nicht viel, aber immerhin ist es ein Anfang: Deutschland will eine Milliarde Euro für die Elektromobilität ausgeben. Das geht aus einem Arbeitspapier des Forschungsministeriums hervor, das am Freitag in Berlin veröffentlicht wurde. In welchem Zeitraum, lässt das Papier offen. Stattdessen heißt es in dem Dokument: Eine höhere Förderung sei wegen der Abwrackprämie und der Ertragslage der Automobilindustrie derzeit nicht drin.

Der rasche Ausbau der Elektromobilität ist für den Übergang ins Ökozeitalter sehr wichtig. Der Verkehrssektor ist einer der größten Luftverpester der Republik. Doch anders als bei der Stromerzeugung gibt es für seine Umstellung nur erste Ansätze, ein entsprechender Markt muss erst noch entstehen.

Entsprechend kommt dieser Bereich im Energiekonzept der Bundesregierung zu kurz. Die Regierung fordert lediglich, dass die Autoindustrie in Deutschland bei der Entwicklung von Elektrofahrzeugen international eine Führungsrolle einnehmen soll. Sie präsentiert aber nur wenige Vorschläge und gibt keine konkrete Zielvorgabe: Bis 2020 sollen eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen fahren. Die nun beschlossene Förderung soll dabei helfen.

Kaufprämien für Elektroautos soll sie nicht umfassen, heißt es im Arbeitspapier. Begründung: Da noch keine Fahrzeuge aus deutscher Produktion in nennenswerter Stückzahl auf dem Markt seien, sollte der Staat nicht fördern, was der Kunde wegen zu hoher Preise nicht haben wolle. Mehrere Autohersteller sehen das anders: Sie fordern Kaufprämien.

Am Dienstag will die "Nationale Plattform Elektromobilität" der Bundesregierung ihren Zwischenbericht mit Empfehlungen vorlegen. Entscheidend sei, dass durch gezielte Forschung bei Batterien die Kosten nachhaltig gesenkt würden und Wissen und eigene Rechte in Deutschland generiert würden.

Die Bundesregierung gebe von 2009 bis 2011 im Konjunkturpaket II rund 500 Millionen Euro für die Elektromobilität aus. Weitere Förderprogramme sollen sich nahtlos anschließen, im Forschungsministerium und im Wirtschaftsministerium in Höhe von 100 Millionen Euro im Jahr. Die reine Fahrzeugentwicklung könne aber nicht von öffentlicher Seite gefördert werden.

ssu/dapd

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insgesamt 45 Beiträge
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Seite 1
litholas 26.11.2010
1. Endlich...
Zitat von sysopDer Staat will die Revolution des Verkehrssektors vorantreiben. Für den Ausbau der Elektromobilität lässt sie eine Milliarde Euro springen. Kaufprämien für Stromer soll es nicht geben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,731464,00.html
Dies ist ein kleiner Schritt für eine Regierung, aber ein grosser Sprung für unsere Zivilisation.
weltbetrachter 26.11.2010
2. Abwrackprämie gegen Elektromobilität
Wenn man das heute so ließt, dann hätte man sich die Abwrackprämie auch komplett sparen können und alles in die Elektroautos investieren können. Jetzt fahren aber jede Menge neuer Autos auf der Straße - für viele Jahre der Nutzung.
avollmer 26.11.2010
3. Forschung an Universitäten
Den ganzen Betrag an vier Projekte geben und auf fünf plus fünf Jahre auslegen. Dann haben wir wenigstens eine Chance, dass Deutschland die Technik entwickelt, die nach Hybrid-, Vollelektroautos und Brennstoffzellenantrieb auf die Straße kommt. Keine Ahnung was das sein könnte, aber dafür sollte geforscht werden. Dann haben wir eine echte Innovation und die Nase vorn.
walter_e._kurtz 26.11.2010
4. Ein SPIEGELbild
der gesamten Arbeit unserer Regierung: "Die Regierung fordert lediglich, dass die Autoindustrie in Deutschland bei Entwicklung von Elektrofahrzeugen international eine Führungsrolle einnehmen soll - präsentiert aber nur wenige Vorschläge wie." Geld an die Konzerne ohne große Auflagen. Es ginge besser: 1.) Prämien für jeden E-Fzg-Kauf; dies hätte zur Folge, dass die Nachfrage gesteigert würde und mittelfristig die Preise in der Produktion sinken. Weiterhin stiege der Druck auf heimische Hersteller, endlich entsprechende Fzge anzubieten. 2.) Parallel dazu der Ausbau der Infrastruktur (Lademöglichkeiten) in Städten und an Park & Ride Parkplätzen in Zusammenhang mit einer Vereinheitlichung der Anschlüsse. 3.) Förderungen an Unis und auch Kleinhersteller -> bei den großen Herstellern wird die Kohle nämlich zum allergrößten Teil versickern.
tempus fugit 26.11.2010
5. A-Klasse - vor 14 Jahren 200 km Reichweite - 120 kmh abgeregelt....
Zitat von avollmerDen ganzen Betrag an vier Projekte geben und auf fünf plus fünf Jahre auslegen. Dann haben wir wenigstens eine Chance, dass Deutschland die Technik entwickelt, die nach Hybrid-, Vollelektroautos und Brennstoffzellenantrieb auf die Straße kommt. Keine Ahnung was das sein könnte, aber dafür sollte geforscht werden. Dann haben wir eine echte Innovation und die Nase vorn.
Im Moment hat DE diesbezüglich zwischen zwei Backen - die Technik ist da, seit minde. 1 Dtzd. Jahren - siehe A-Klasse von MB - und sogar die Asiaten und die Amerikaner ziehen flott dran vorbei! Die Abwrackprämie hiess ja zuerst 'Umweltprämie' - also wer sich von seinem Verbrenner trennt und auf E-Auto umsteigt, da könnte ich mir durchaus vorstellen dass er nicht nur 2500 € bekommt sondern eher das Doppelte. Egal, wer das Auto herstellt - wer seine Chance nicht nutzt (eben MB oder BMW mit der Nichtlösung eines vollgepackten Mini...) den bestraft halt der Markt. Man hat die Menschen mit Placebo-Lösungen (Brennstoff-zelle...) zu lange an der Nase rumgeführt. Die Rechnung wird fällig - falls die Herrschaften nicht doch noch was in der 'Hinterhand' haben...
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