Eliten-Umfrage: Merkels Jammertruppe enttäuscht Top-Entscheider
Das Chaos in der Koalition hat immer drastischere Folgen für das Ansehen der Regierung: Einer neuen Allensbach-Umfrage zufolge sind 92 Prozent der Führungsspitzen aus Wirtschaft und Verwaltung unzufrieden mit Schwarz-Gelb - auch das Ansehen von Kanzlerin Merkel leidet erheblich.
Berlin - Sachliche Differenzen, peinliche Auftritte, persönliche Meinungsverschiedenheiten - die Querelen innerhalb der schwarz-gelben Koalition gehen den deutschen Eliten zunehmend auf die Nerven. Mehr als drei Viertel der Führungsspitzen aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung traut der Koalition inzwischen kaum noch etwas zu. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Wirtschaftsmagazins "Capital".
Den Ansehensverlust des Bündnisses aus Union und FDP verdeutlichen Vergleichszahlen: Zeigten sich kurz nach dem Start der Koalition im vergangenen Herbst immerhin bereits 63 Prozent der Top-Entscheider enttäuscht von der Regierung, sind es nun sage und schreibe 92 Prozent. Zufrieden zeigen sich lediglich noch sechs Prozent.
Auch das Renommee von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat spürbar gelitten. So halten laut der Umfrage 49 Prozent der Befragten Merkel inzwischen für eine schwache Kanzlerin. Das ist der schlechteste Wert seit ihrem Amtsantritt 2005 und zugleich ein Anstieg von mehr als 25 Prozentpunkten im Vergleich zu den Umfragewerten vom Dezember 2009. "Die Kanzlerin ist aber weiterhin stark im Vergleich zu ihren Vorgängern", urteilte Allensbach. Trotz des jüngsten Imageverlusts erziele sie insgesamt ein überdurchschnittlich gutes Ergebnis.
FDP-Politiker genießen kaum noch Vertrauen
Guido Westerwelle vertrauen die Eliten dagegen immer weniger. Nur noch elf Prozent sind von der Arbeit des FDP-Außenministers überzeugt. Lediglich Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) genießt mit acht Prozent noch weniger Vertrauen. Trotz der Streitereien der Koalitionspartner zeigten die Führungskräfte jedoch große Wertschätzung für Finanzminister Wolfgang Schäuble und Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (beide CDU). So bescheinigen 80 Prozent Schäuble eine gute Arbeit, 75 Prozent zeigten Vertrauen in die Arbeitsministerin. Auch das Ansehen von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ist mit 78 Prozent weiter hoch.
Trotz einer positiven Auftragslage der Unternehmen zeigen sich die Führungskräfte auch von der Wirtschaftspolitik enttäuscht. "Eine solche Einschätzung ist sehr selten", hieße es von Allensbach. Die Wirtschaftsbosse trauen der Regierung eine erfolgreiche Sanierung der Staatsfinanzen mehrheitlich nicht mehr zu. 60 Prozent glauben nicht an die Einhaltung der Schuldenbremse. Im Zuge des Sparpakets wären die Führungskräfte zudem zu deutlich härteren Einschnitten bereit gewesen, wie zum Abbau von Steuervergünstigungen, zur Kürzung von direkten Finanzhilfen für Unternehmen, zur Abschaffung von Mehrwertsteuer-Ausnahmen oder zu einem höheren Spitzensteuersatz.
Europakurs erntet Zustimmung
Für ihren Kurs in Europa erhielt die Regierung dagegen Unterstützung. So halten 78 Prozent der Befragten das 750-Milliarden-Paket zur Rettung des Euro für richtig. Zwar erwarten 81 Prozent eine Transferunion, in der starke Länder wie Deutschland für die schwachen mitbezahlen müssen, das Vertrauen in den Euro bleibt mit 67 Prozent aber hoch. 54 Prozent fordern als Lehre aus der Krise sogar eine gemeinsame Euro-Wirtschaftsregierung.
Trotz der Enttäuschung über die Arbeit der Koalition erwarten 77 Prozent der deutschen Eliten, dass Schwarz-Gelb bis zum Ende der Legislaturperiode im Jahr 2013 durchhält. Kurzfristig sei ein Befreiungsschlag für die Regierung aber kaum möglich, urteilte Allensbach. "Die Koalition muss mehr nach innen kommunizieren, als sich nach außen zu profilieren." Die drei Koalitionspartner müssten zeigen, dass es ihnen ums Land geht und nicht ums Profil.
Das Allensbacher Institut für Demoskopie befragte für das Wirtschaftsmagazin "Capital" 533 repräsentativ ausgewählte Führungsspitzen aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung. Seit 1987 wird die Umfrage zweimal jährlich erhoben.
mik/ddp/Reuters
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