Elon Musks Hyperloop in Hamburg Volle Röhre

Container, die mit 1200 km/h vom Kai ins Hinterland zischen: So stellen sich das US-Unternehmen Hyperloop und der Hamburger Hafen die Zukunft des Güterverkehrs vor. Eine Teststrecke wird jetzt gebaut.

Fotomontage mit Hyperloop im Hamburger Hafen
Hyperloop

Fotomontage mit Hyperloop im Hamburger Hafen

Von Florian Gontek


Hyperloop. Das klingt groß, wie ein Spielzeug, ein bisschen nach Elon Musk - und nicht nach Hamburg.

Die Idee, Menschen in einer Fast-Vakuumröhre in schwindelerregender Geschwindigkeit von A nach B zu bringen, geht tatsächlich auf den Tech-Nerd und Tesla-Chef zurück. 2013 zog er sie aus dem Hut und erklärte auf 58 Seiten, wie das Ganze funktionieren soll. Allerdings verabschiedete er sich danach schnell wieder von ihr. Dabei klang das Konzept sehr interessant: umweltschonend von Ort zu Ort, ohne Stau - und das mit über 1220 km/h.

Vieles jedoch ließ Musk unbeantwortet: Fragen zum Brandschutz etwa, oder wie Fahrgäste sicher in ihre Zellen und wieder aus ihnen herauskommen sollten. Es schien, als seien Musk die Probleme zu kompliziert.

Andere jedoch tüftelten weiter - einer davon ist Dirk Ahlborn. Ahlborn ist Geschäftsführer des US-Forschungs- und Entwicklungsunternehmens Hyperloop Transportation Technologies (HTT) mit Sitz in Los Angeles und weiteren Niederlassungen in diversen Ländern, unter anderem den Emiraten und Brasilien.

Der Ingenieur erzählt an diesem Morgen, warum seine Idee auf einmal gar nicht mehr so weit weg ist von Hamburg und wie er sie in den vergangenen fünf Jahren weiterentwickelt hat.

Er ist mit Hyperloop-COO Andres De Léon nach Hamburg gekommen, um gemeinsam mit der Vorsitzenden der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA), Angela Titzrath, die Kooperation beider Unternehmen zu verkünden. Sie soll den Anfang bilden, den Gütertransport am Hamburger Hafen zu revolutionieren. Es ist ein Test für etwas Größeres. "Wir wollen Cargo-Technologie gemeinsam entwickeln", sagt Ahlborn.

Titzrath spricht von einer Idee, die dem Hamburger Hafen als größten Schienen- und Güterbahnhof Europas aus ihrer Sicht schon bald "einen zentralen Standortvorteil" bringen wird.

Doch wie soll diese Idee aussehen?

Teststrecke an einem Hamburger Containerterminal

Bis 2021 sollen an einem Terminal des Hamburger Hafens, voraussichtlich dem Containerterminal Altenwerder, nicht nur eine selbstfahrende 25 Tonnen schwere Kapsel nach Musk-Idee, sondern auch eine Übergabestation sowie eine 100 Meter lange Röhre entstehen, die als Teststrecke dient. Sie soll Kai-Kante und Übergabestation miteinander verbinden. Kostenpunkt: etwa sieben Millionen Euro.

"Das Ganze hat sehr viel mit Fantasie zu tun, wenn man sich vorstellt, dass man Güter in Schallgeschwindigkeit von einem zum anderen Ort bringen kann", sagt Ahlborn. Mit dem TÜV-Süd hat er in den vergangenen Jahren an der Umsetzung eines "Regelwerks" für die Integration seiner Technik in Deutschland gearbeitet, ein Münchner Versicherer hat ihn bereits eine Police für sein Projekt zugesichert. "In Deutschland geht alles etwas langsamer", lächelt Ahlborn, der 1976 hier geboren ist. In China und den Emiraten sollen schon ab dem kommenden Jahr Personen mittels Hyperloop transportiert werden. Ein Testgelände befindet sich im französischen Toulouse.

Die Hyperloop-Technik - ursprünglich für Personenverkehr entwickelt - sei so fast eins zu eins auf Cargo übertragbar, so Ahlborn. Das System funktioniert dabei ohne aktive Stromversorgung und lässt Kapsel und Container mittels Permanentmagneten nach wenigen Metern auf Schienen in Hochgeschwindigkeit durch die Röhre schweben. Auf den Außenseiten der Röhre sollen zusätzlich Quellen für Solar- und Windenergie installiert werden. Sie allein, so verspricht es Ahlborn, könnten den Hyperloop im Normalfall bereits mit der nötigen Energie versorgen.

Und die Kosten? 20 Millionen Euro pro Kilometer

Dem Inneren der Röhre dagegen wird dabei fast vollständig die Luft entzogen und so ein Fast-Vakuum geschaffen. Vergleichbar mit der Umgebung in 30 Kilometer Höhe. "Hier herrscht kaum Luftwiderstand und wir können daher auch schwere Waren mit vergleichbar geringem Energieeinsatz fortbewegen", sagt Ahlborn. Die tonnenschweren Container sollen dabei in einem Abstand von 40 Sekunden direkt in die Röhre geschickt werden. Auch das Problem des Bremsens einer solch enormen Masse habe man gelöst, heißt es im Unternehmen etwas kryptisch. Physikalisch sei der Vorgang für den Laien jedoch schwer zu erklären.

"Die große Herausforderung liegt nicht in der Technik, sie liegt darin, sie clever in die Umgebung des Hafens einzubetten und anzuwenden", sagt Ahlborn. So sollen in Zukunft 4100 Container pro Tag mehr über das Terminal transportiert werden können. "Das ist für uns eine deutliche Effizienzsteigerung", ergänzt HHLA-Vorsitzende Titzrath.

"Unser langfristiges Bestreben ist es, das Hinterland noch besser an den Hafen anzubinden", sagt Titzrath. In den Überlegungen spielen dabei verschiedene Hyperloop-Routen eine Rolle. Die Krux, Projekte in solcher Größenordnung umzusetzen, liegt derzeit auch im Preis.

"Ein seriöser Richtwert sind derzeit etwa 20 Millionen Euro, pro Kilometer", rechnet Ahlborn vor. Wie hoch die Kosten dann wirklich sind, hängt jedoch vor allem davon ab, in welchem Umfeld gebaut wird.

"Ich würde mir eine faire Chance für die Technologie wünschen", sagt Titzrath. Das sei gerade in Deutschland nicht immer leicht, ergänzt Ahlborn. Hamburg sei Standort, der Innovation fördere, finden beide.



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Seite 1
ambulans 05.12.2018
1. mein
ultimativer test für elons nächstes phantasie-projekt: junge, finanziers doch einfach selbst - und führs uns dann auch vor ...
nach-mir-die-springflut 05.12.2018
2. Geschüttelt, nicht gerührt
"Das System funktioniert dabei ohne aktive Stromversorgung und lässt Kapsel und Container mittels Permanentmagneten nach wenigen Metern auf Schienen in Hochgeschwindigkeit durch die Röhre schweben." Alles ein bisschen schwammig vorgestellt. In einer 100 Meter Röhre werden Container binnen zehn Metern - oder 0,06 Sekunden - auf 1.200 km/ geschossen, dann ab Meter 90 wieder auf 0 km/h abgebremst. Gut, in der Tat, das hat viel mit Fantasie zu tun. Die Waren in dem Container sind danach allesamt Matsch, ob Obst, ob Oldtimer, ob Orchideen, ob Oktopus, der größte Rührmixer der Welt, built in Hamburg, Germany, Chapeau!
vaikl 05.12.2018
3. Jaja, die Hamburger mal wieder...
Nach dem Reinfall mit Olympia soll nun die nächste Spökerei durchs Dorf gejagt werden? Kinners, für 1200 km/h Spitze benötigt so ein Hyperloop 54 km komplett geschlossene Vakuum-Röhre - dabei hat euer Hafen nur 47 km größte Ausdehnung. Oder soll der dann noch 7 km Sprint plus 3 km Bremsweg als Tauchfahrt in der Elbe hinlegen, so als touristischer Zusatznutzen?? Nein, der Hyperloop ist eine Spinnerei, aber man soll deshalb bloß nicht aufhören, nach alternativen Transportmitteln und -wegen zu suchen.
eizboks 05.12.2018
4. Elons Vorhaben....
...ist Quatsch. Hyperloop ist im Moment -wenn überhaupt- auf Langstrecke und nicht auf Kurzstrecke wirtschaftlich.
Strichnid 05.12.2018
5. Fehler im Text
"Die Idee, Menschen in einer Fast-Vakuumröhre in schwindelerregender Geschwindigkeit von A nach B zu bringen, geht tatsächlich auf den Tech-Nerd und Tesla-Chef zurück." Tatsächlich ist das nicht korrekt. Die Idee ist schon sehr viel älter und von vielen Menschen unabhängig voneinander entwickelt worden. Das ist auch kein Wunder, da es sich um eine sehr naheliegende Idee handelt, sobald man sich die Frage stellt: Wie kann ich jegliche Reibung verringern, um schneller transportieren zu können? Da kommt man unweigerlich zu Vakuum-Magnetschweberöhren.
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