Erste US-Stadt San Francisco führt bezahlte Elternzeit ein

Sechs Wochen bezahlte Auszeit für Väter und Mütter nach der Geburt ihres Kindes: San Francisco ist die erste Stadt in den USA, die eine gesetzliche Elternzeit bei vollem Lohn einführen wird.

Demo für Elternzeit (in San Francisco)
AP AP

Demo für Elternzeit (in San Francisco)


Als erste in den USA will die kalifornische Stadt San Francisco eine voll bezahlte berufliche Auszeit für Eltern einführen. Der Stadtrat sprach sich einstimmig für die neue Regelung aus, wonach Eltern nach der Geburt eines Kindes sechs Wochen voller Lohn zusteht.

Kalifornien zählt zu den wenigen US-Staaten, die Angestellten überhaupt bis zu sechs Wochen Elternzeit garantieren, allerdings nur mit 55 Prozent ihres Einkommens. Anders als in Deutschland gibt es in den USA keinen landesweit geregelten Anspruch auf Elterngeld. Bundesgesetze erlauben Vätern und Müttern lediglich eine unbezahlte Auszeit von bis zu drei Monaten.

Die staatliche Regelung in San Francisco wird deshalb auch als Schritt gegen die wachsende Ungleichheit in den USA gesehen. "Die Mehrheit der Arbeiter in diesem Land hat kaum oder gar keine Möglichkeit, Elternzeit zu nehmen", sagte ein Stadtratsmitglied, "das muss sich ändern".

Von Januar 2017 an müssen Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten die Elternzeit ermöglichen, ein halbes Jahr später Firmen mit 34 bis 49 Angestellten und von 2018 an kleinere Betriebe mit 20 bis 34 Mitarbeitern.

Im Wettbewerb um Arbeitskräfte locken immer mehr Tech-Unternehmen mit Vergünstigungen für Eltern. So führte der Videodienst Netflix im vergangenen Jahr eine bezahlte Elternzeit von bis zu einem Jahr ein. Der Kurznachrichtendienst Twitter, der seinen Sitz in San Francisco hat, will Vätern und Müttern ab Mai bis zu 20 Wochen Elternurlaub bei voller Bezahlung bieten.

San Francisco, Sitz vieler Technologiefirmen, hat in der Vergangenheit eine Reihe von gesetzlichen Regelungen verabschiedet, die Angestellte besserstellen sollen. So legte die Stadt bereits 2014 einen Mindestlohn von 15 Dollar pro Stunde fest, erst in dieser Woche folgte der Staat Kalifornien.

nck/dpa/AP



insgesamt 15 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
joG 06.04.2016
1. Ich bin sehr gespannt.....
.....was die sozio-ökonomischen Studie ergeben werden, die diese Maßnahmen begleiten.
susuki 06.04.2016
2.
Komisch, nirgendwo steht wer zahlt? Der Staat? Der Arbeitgeber der Frau/Mann? Eine dafür eingerichtete Lohnabgabe? Eine paritätische Versicherung?
keksen 06.04.2016
3.
Zitat von susukiKomisch, nirgendwo steht wer zahlt? Der Staat? Der Arbeitgeber der Frau/Mann? Eine dafür eingerichtete Lohnabgabe? Eine paritätische Versicherung?
Da steht, dass Betriebe ab einer gewissen Größe, ab einer gewissen Zeit an zahlen müssen. Also der Arbeitgeber des entsprechenden Elternteils.
bluesbrother54 06.04.2016
4. Ja und,
was will uns dieser Beitrag sagen? Das im Mutterland des Kapitalismus nicht alles schlecht ist, wir von den Amis noch was lernen können? Oder beginnt der Spiegel jetzt eine Fortsetzungsreihe "Soziale Errungenschaften aus aller Welt"? In jedem einigermaßen zivilisierten und modernen Staat auf dieser Erde gibt es doch irgendetwas, was man gut finden kann. Als nächsten Beitrag schlage ich deshalb vor: "Die Abgabe- und Steuerfreiheit Einheimischer in Saudi-Arabien".
nordschaf 06.04.2016
5. Skandal!
Erst Krankenversicherung für alle und jetzt auch noch 6 Wochen Elternzeit! Das ist Kommunismus! Der Untergang der erfolgreichen US-Marktwirtschaft und ihrer Werte! ;-) Wo bleiben eigentlich die protestierenden Republikaner, wenn man sie mal braucht?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.