EnBW-Affäre Morgan Stanley unterstellt Prüfern Inkompetenz

Erst schwieg Morgan Stanley lange zu den Vorwürfen in der EnBW-Affäre, nun greift die Investmentbank die Prüfer vom Landesrechnungshof an. Sie wirft ihnen Ahnungslosigkeit und Schlamperei vor.

EnBW-Logo: Zoff über Prüfbericht des Landesrechnungshofes
dapd

EnBW-Logo: Zoff über Prüfbericht des Landesrechnungshofes


Stuttgart - Das Urteil des baden-württembergischen Rechnungshofes fiel vernichtend aus: Die Prüfer haben der früheren Landesregierung unter Ministerpräsident Stefan Mappus schwere Fehler beim milliardenschweren Rückkauf des Versorgers EnBW vorgeworfen. Auch die Investmentbank Morgan Stanley, die das Geschäft mitorganisiert hatte, kam nicht gut weg. Nun, drei Monate nach Erscheinen des Prüfberichts, wehrt sich die Bank und unterstellt dem Rechnungshof schwere Fehler.

Morgan Stanley warf den Prüfern in einem 20-seitigen Papier eine "falsche Herangehens- und Verfahrensweise" vor. "Für den Rechnungshof handelte es sich bei der Beurteilung von Leistungen einer Investmentbank um eine weitgehend unbekannte Materie", heißt es in einer Bewertung der Bank. In seinem Gutachten habe der Rechnungshof die "Erkenntnisquellen beliebig und sachwidrig beschränkt".

Die Prüfer hatte in dem Gutachten vor allem moniert, Risiken seien nicht ausreichend berücksichtigt worden. Dagegen erklärte die Bank: "Die von Morgan Stanley durchgeführte Risikoanalyse war umfassend und im Wertansatz konservativ."

Morgan-Stanley-Vorstand Hanns Christoph Siebold forderte den Präsidenten des Rechnungshofs auf, das Gutachten dringend zu überarbeiten. Die Behörde erklärte, sie stehe zu den Erkenntnissen, die Ende Juni dem Landtag zugeleitet und dann im Untersuchungsausschuss erläutert wurden. "Es ist nun Aufgabe des Landtags, daraus - wie auch aus anderen Erkenntnisquellen - seine eigenen Bewertungen und Schlussfolgerungen zu ziehen."

Grüne und SPD nannten das Vorgehen von Morgan Stanley ein "Ablenkungsmanöver". Sie werfen Mappus vor, mit 4,7 Milliarden Euro zu viel für den EnBW-Rückkauf bezahlt zu haben. Dies hänge auch mit der fehlerhaften Beratung der Investmentbank zusammen.

Bank verweist auf branchenübliches Gebahren

Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Mappus und den Ex-Deutschland-Chef von Morgan Stanley, Dirk Notheis. Das Image der Bank ist dadurch angekratzt.

Mappus, gegen den wegen Untreue ermittelt wird, hatte Ende 2010 einen 45-prozentigen Anteil der EnBW-Aktien vom französischen Staatskonzern EdF am Parlament vorbei erworben. Beraten wurde er von seinem Freund Notheis. Der Banker hat im Zuge der Affäre seinen Führungsposten bei Morgan Stanley aufgegeben.

Die Bank weist in ihrer Stellungnahme das von den Prüfern beanstandete Fehlen einer Due Diligence, also einer Unternehmensbewertung aufgrund interner Daten, zurück. Bei seiner Einschätzung übersehe der Rechnungshof, dass beim Erwerb von Anteilen börsennotierter Unternehmen weitreichende Informationen öffentlich verfügbar seien. Aufgrund derer habe Morgan Stanley sowohl eine Due Diligence als auch eine sogenannte Fairness Opinion vorgenommen. Es sei auch branchenüblich, dass ein solches Gutachten zur Beurteilung eines geplanten Unternehmenskaufs von einer Investmentbank abgegeben werde, die die Transaktion gleichzeitig als Finanzberater begleite. Auch der Paketzuschlag auf das Aktienpaket, den die Prüfer moniert hatten, sei gerechtfertigt.

Auch wurden nach Darstellung der Investmentbank Informationen, die bis Ende Mai 2012 vorhanden waren, darunter insbesondere von ihr zur Verfügung gestellte E-Mails, nicht oder nur intransparent berücksichtigt.

"Morgan Stanley versucht zu vertuschen"

Der Obmann der Grünen-Fraktion im EnBW-Untersuchungsausschuss, Uli Sckerl, sagte, in den Akten fänden sich keine Angaben, dass es zahlreiche Prüfungen und Berechnungen zum Unternehmenswert gegeben habe. "Morgan Stanley versucht verzweifelt, die schwerwiegenden Fehler bei der Verhandlung des Kaufpreises für die EnBW-Aktien zu vertuschen", sagte Sckerl.

Am kommenden Freitag hört der EnBW-Untersuchungsausschuss des Landtages Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), Finanzminister Nils Schmid (SPD) und eine Mitarbeiterin des Landesrechnungshofes an, die an der Erstellung des Prüfberichts maßgeblich beteiligt war.

mmq/dpa/dapd

insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
tempus fugit 26.09.2012
1. Ein Schlüsselsatz....
"Bank verweist auf branchenübliches Gebahren" Dass 'branchenübliches Gebahren' die Finanzwelt seit 2007 an den Rand des Untergangs gebracht haben, die wohl einig Billionen € kosteten - die Bürger fast aller Länder dieser Welt - das übergehen diese eiskalten kriminellen locker! Und so ein Möchtegern-Mappus lässt sich - oder wollte es sogar! - von seinem Intimfreund Notheis von Stanley Morgan schön in die Bradouille führen! Zum Kotzen!
verdummterwähler 26.09.2012
2. Danke, Schwabenländle...die tun was
...mir hat noch keiner erklären können, warum die europäische Staatengemeinschaft immer noch nicht die Tätigkeit von Goldman-Sachs bei der Manipulation der griecghischen Staatsfinanzen einer gerichtlichen Bewertung unterzogen hat. Das ist nicht einmal durch einen Untersuchungsausschuss aufgeklärt worden, wie übel den europäischen Steuerzahlern da mitgespielt wurde. Bei Goldman-Sachs mit seinem Billionen-Anlagevermögen wäre da Schadensersatz zu holen - nur traut sich das keiner. Und da kann man nur mit grossem respekt zu den Beamten nach Stuttgart schauen. Die BaWü-Prüfer haben wenigsten mal die Eier, diesen arroganten Wirtschaftsschnöseln in die Aktenschränke zu fassen - man kann nur hoffen, das sie die politische Rückendeckung behalten und die Waffengleichheit hergestellt bleibt. Schwäbische Hausfrauen - zu den Waffen - an die Kehrwochenschrubber.
apst 26.09.2012
3. Keine Ahnung ist auch 'ne Ahnung
Zitat von tempus fugit"Bank verweist auf branchenübliches Gebahren" Dass 'branchenübliches Gebahren' die Finanzwelt seit 2007 an den Rand des Untergangs gebracht haben, die wohl einig Billionen € kosteten - die Bürger fast aller Länder dieser Welt - das übergehen diese eiskalten kriminellen locker! Und so ein Möchtegern-Mappus lässt sich - oder wollte es sogar! - von seinem Intimfreund Notheis von Stanley Morgan schön in die Bradouille führen! Zum Kotzen!
Ich finde es immer wieder erbärmlich, wie die Leute auf politische Nebelbomben reinfallen. Der Rechnungshof findet nur das, was die Regierung will. Ich gehe sehr stark davon aus, dass die Beamten wirklich keine Ahnung von der Materie haben. Man kann jetzt den Kaufprozess gut oder schlecht finden, aber im Nachhinein festzulegen, was besser gewesen wäre und daraufhin zu sagen, die Bank hätte Fukushima in ihrer Bewertung berücksichtigen müssen, ist absolut realitätsfremd. Liebe Landesregierung BW zeigt uns jetzt bitte mit EnBW wie die Energiewende geht und verschwendet keine Kraft in die Aufbereitung von Dingen die sowieso gelaufen sind. Geld werdet ihr nicht von Mappus und Co erhalten (oder merkt ihr gerade, dass die Wende nicht klappt und versucht es den Vorgängern unterzujubeln...)
spiegelator 26.09.2012
4. ganz einfach
Zitat von verdummterwähler...mir hat noch keiner erklären können, warum die europäische Staatengemeinschaft immer noch nicht die Tätigkeit von Goldman-Sachs bei der Manipulation der griecghischen Staatsfinanzen einer gerichtlichen Bewertung unterzogen hat. Das ist nicht einmal durch einen Untersuchungsausschuss aufgeklärt worden, wie übel den europäischen Steuerzahlern da mitgespielt wurde. Bei Goldman-Sachs mit seinem Billionen-Anlagevermögen wäre da Schadensersatz zu holen - nur traut sich das keiner. Und da kann man nur mit grossem respekt zu den Beamten nach Stuttgart schauen. Die BaWü-Prüfer haben wenigsten mal die Eier, diesen arroganten Wirtschaftsschnöseln in die Aktenschränke zu fassen - man kann nur hoffen, das sie die politische Rückendeckung behalten und die Waffengleichheit hergestellt bleibt. Schwäbische Hausfrauen - zu den Waffen - an die Kehrwochenschrubber.
Nachdem keine/r der bei uns Verantwortlichen -auch nicht Merkel und auch nicht die SPD- auch nur ein einziges Wort zur Korruption in Griechenland verlauten hat lassen, können wir getrost davon ausgehen, dass von unserer Seite die Korruption mit Wissen und Wollen, also mit Vorsatz absichtlich geschützt wird. Nachdem aber auch die Presse dieses Thema totschweigt, bis heute, ist sie wohl Teil des Systems. Immerhin hätte die Presse die Macht gehabt, über entsprechende Veröffentlichungen die Beendigung der Korruption (zumindest in Griechenland) zur Bedingung für Zahlungen zu machen.
tempus fugit 27.09.2012
5. Bezeichnend, was Sie da so verharmlosend auf den Bildschirm bringen...
Zitat von apstIch finde es immer wieder erbärmlich, wie die Leute auf politische Nebelbomben reinfallen. Der Rechnungshof findet nur das, was die Regierung will. Ich gehe sehr stark davon aus, dass die Beamten wirklich keine Ahnung von der Materie haben. Man kann jetzt den Kaufprozess gut oder schlecht finden, aber im Nachhinein festzulegen, was besser gewesen wäre und daraufhin zu sagen, die Bank hätte Fukushima in ihrer Bewertung berücksichtigen müssen, ist absolut realitätsfremd. Liebe Landesregierung BW zeigt uns jetzt bitte mit EnBW wie die Energiewende geht und verschwendet keine Kraft in die Aufbereitung von Dingen die sowieso gelaufen sind. Geld werdet ihr nicht von Mappus und Co erhalten (oder merkt ihr gerade, dass die Wende nicht klappt und versucht es den Vorgängern unterzujubeln...)
"Ich finde es immer wieder erbärmlich, wie die Leute auf politische Nebelbomben reinfallen." Wenn Sie die kriminellen Machenschaften solcher Kapitalismusraubtiere wie Stanley Morgan gut finden, die die Finanzwelt an den Rand - wenn nicht schon mitten drin - des Zusammenbruchs bringen, das machen Sie mit sich selbst aus!!! Zitat aus letztem Print-SPIEGEL - Mark Twain über Jay Gold: "Jay Gould war die grösste Katastrophe, die je über diees Land hereingebrochen ist. Schon vor seiner Zeit hatte das Volk Geld b e g e h r t, er aber lehrte es, davor niederzuknien. Das Volk hatte schon vor Jay Gould Menschen mit Vermögen respektiert! Nun lehrte J.G. die gesamte Nation, Geld und Menschen zu Götzen zu machen, wie auch immer das Geld erworben sein mochte..." Ein mehr als lesenswerter Artikel - Geschichte wiederholt sich, und wie! Nur die Klamotten und die Kulissen ändern sich! Ochhh - und nun auch noch der arme Mappus - der friedliche Demonstranten (wohl so der Schnitt von 1000 Forsa-Befragten - keine Rabauken!) wasserweg- werfen, Schlagstöcke tanzen und Reizgas einsetzen liess! Solchen Typen reden Sie das Wort?! Und der arme Mappus- Intimfreund und Finanz’füchsle’ Notheis?
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