Geldpolitik China wappnet sich gegen harte Landung

Die chinesische Regierung rüstet sich für ein Ende der Kapitalschwemme aus den USA. Doch von der Geldpolitik der Fed wollen sich die Notenbanker aus Peking nicht treiben lassen - sie ziehen die Zügel schon mal vorsorglich selbst an.

Dollar und Renminbi: Angst vor der harten Landung
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Dollar und Renminbi: Angst vor der harten Landung


Peking/Shanghai - Chinas staatliches Devisenamt sieht das Risiko eines verstärkten Kapitalabflusses. Wie die Behörde am Freitag mitteilte, könnten Spekulationen über eine straffere Geldpolitik in den USA dazu führen, dass im Jahresverlauf abermals vermehrt Mittel aus den Schwellenländern abgezogen werden. Dies könnte zunehmend China betreffen. Bereits Mitte 2013 hatten Investoren massiv Geld aus den aufstrebenden Staaten abgezogen, nachdem die US-Notenbank Fed eine weniger lockere Geldpolitik in Aussicht gestellt hatte. China war davon aber verschont geblieben.

Die gegenwärtige Rückführung der Wertpapierkäufe durch die Federal Reserve sei zwar nicht gleichbedeutend mit einer strafferen Geldpolitik, heißt es in der Mitteilung des Devisenamts. Die Ungewissheit über Geschwindigkeit und Auswirkungen der abnehmenden Geldschwemme gehe jedoch mit "großen Unsicherheiten" einher. Die Fed hatte im Dezember damit begonnen, ihre zur Konjunkturbelebung aufgelegten Wertpapierkäufe schrittweise zurückzuführen. Eine erste Leitzinserhöhung hat Fed-Chefin Janet Yellen unlängst für das erste Halbjahr 2015 in Aussicht gestellt.

Kapitalzufluss schwächt sich ab

Bereits jetzt hat sich der jahrelange Kapitalzufluss nach China deutlich abgeschwächt. Nach Einschätzung von Beobachtern geht das jedoch weniger auf die Fed zurück als vielmehr auf die restriktive Geldpolitik der chinesischen Notenbank. Weil sie eine Überhitzung der heimischen Vermögensmärkte verhindern wollen, gehen die Währungshüter aus Peking verstärkt gegen den Zufluss spekulativen Kapitals vor. Die Schwächung der Landeswährung Renminbi nehmen sie dabei offenbar bewusst in Kauf. Zusammen mit den im Bankensektor schlummernden Risiken dürfte dies den Kapitalstrom nach China weiter bremsen, meinen Experten.

In größeren Schwellenländern setzte Mitte vergangenen Jahres eine Kapitalflucht in erheblichem Ausmaß ein, die zeitweilig zu starkem Wertverlust der Währungen dieser Staaten führte. Die Schwellenländer stemmen sich mit aller Macht gegen den Abzug des Kapitals, das ihren Wirtschaftsboom in der Vergangenheit stark angeheizt hatte. Investoren reagieren besonders empfindlich bei den "fragilen Fünf" Indien, Indonesien, die Türkei, Brasilien und Südafrika und bringen ihre Gelder lieber in sichere Häfen sich deutlich erholender Volkswirtschaften wie den USA.

Auch die chinesischen Finanzinstitute müssen sich gegen das rauere Klima wappnen. Wie die "Shanghai Securities News" unter Berufung auf ein internes Dokument berichtet, fordert die chinesische Bankenaufsicht CBRC strengere Kontrollen fauler Kredite und eine Stärkung der Bilanzen. Der Ukas sei im März an die Banken geschickt worden, die CBRC habe zudem einen Stresstest für die nächste Zukunft angekündigt.

mik/dpa-AFX/Reuters

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