Prognose der Energieagentur: USA werden Ölmacht Nummer eins

Die USA dürften in absehbarer Zukunft nicht mehr auf Öl- und Gaslieferungen aus dem Ausland angewiesen sein. Die Internationale Energieagentur sieht die Vereinigten Staaten schon 2017 als weltgrößten Ölproduzenten vor Russland und den Ländern in Nahost, ab 2035 sogar als Nettoexporteur.

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Bohrturm in Kalifornien: Das Ziel ist in Sicht

London - Unabhängigkeit bei der Energieversorgung ist ein zentrales Ziel der US-Politik. Laut einer Prognose könnten die Vereinigten Staaten durch neue Fördertechniken dieses Ziel in absehbarer Zeit erreichen. Denn laut der Internationalen Energieagentur (IEA) werden die USA bis 2017 zum größten Ölproduzenten und schon bis 2015 zum größten Gasproduzenten der Welt aufsteigen.

Ab 2020 werde dann mehr Erdgas aus den USA heraus als hinein fließen, ab 2035 gelte das auch für Rohöl, prophezeit der neue Energie-Ausblick der IEA. Die größte Volkswirtschaft der Welt würde dann vom Importeur von Energie zum Exporteur und damit quasi autark. Derzeit decken die USA noch rund 20 Prozent ihres Energiebedarfs aus Importen. Es handle sich um eine "dramatische Umkehrung des Trends, der in den meisten energieimportierenden Staaten sichtbar ist", heißt es in dem Bericht.

Als Grund für die Zunahme der Erdöl-Produktion in den USA wird in dem IEA-Bericht die Erschließung von Ölvorkommen genannt, die bislang als schwer zugänglich galten - etwa weil sie sich in dichtem Gestein befinden. Inzwischen wird in den USA mithilfe neuer Technik verstärkt dieses "tight oil" gefördert. Die USA setzen zudem auf die höchst umstrittene Förderung von Schiefergas durch das sogenannte "fracking". Parallel dazu müssen die USA laut IEA weniger Erdöl importieren, weil der Treibstoffverbrauch von Fahrzeugen sinkt

"Nordamerika steht an der Spitze einer umfassenden Veränderung bei der Öl- und Gasproduktion, die sich auf alle Regionen der Welt auswirken wird", sagte IEA-Chefin Maria van der Hoeven am Montag bei der Präsentation des Berichts. Demnach wird der Irak Russland mittelfristig als zweitgrößten Ölexporteur überholen. Die IEA geht zudem davon aus, dass die Ölproduktion aus Ländern des Nahen Ostens künftig zu 90 Prozent nach Asien fließen wird. Es entstehe "eine neue Seidenstraße", sagte IEA-Chefökonom Fatih Birol.

Großes Potential sehen die IEA-Experten bei der Energieeffizienz. Der Bericht geht davon aus, dass bis 2035 Energieeinsparungen erreicht werden können, die fast einem Fünftel des weltweiten Bedarfs aus dem Jahr 2010 entsprechen. Allerdings werde bis 2035 der Energiebedarf zugleich um mehr als ein Drittel steigen - vor allem wegen der aufstrebenden Volkswirtschaften in China, Indien und dem Nahen Osten. Der Verzicht von Ländern wie Deutschland, der Schweiz und Japan auf Atomenergie erschwere das Ziel, die Klimaerwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen.

Steigender Strompreis in Europa und Japan

Die Verbraucher in Europa und Japan müssen sich laut IEA in Zukunft auf höhere Strompreise als in anderen Regionen der Welt einstellen. Im Jahr 2035 werde der Strompreis pro Kilowattstunde bei 24 US-Cent vor Steuern in Japan und bei 19 US-Cent in Europa liegen, so die Agentur. In China werde die Verbraucher nur sieben Cent zahlen, in den USA etwa 14 Cent.

Bereits in ihrem mittelfristigen Ölmarktbericht vom Oktober sagte die IEA in den kommenden fünf Jahren eine bessere Versorgung des Weltmarkts für Rohöl voraus. Die Experten rechnen demnach bis Ende 2017 mit einer spürbaren Entspannung an den Märkten - auch wegen der Flaute der Weltwirtschaft.

Der durchschnittliche Importpreis pro Barrel Öl wird der Prognose zufolge kontinuierlich sinken und in fünf Jahren bei 89 Dollar liegen. Für das laufende Jahr rechnen die IEA-Experten mit einem Durchschnittspreis von 107 Dollar für ein 159-Liter-Fass. Die IEA warnte aber auch vor Preisschwankungen angesichts der Wirtschaftskrise und der politischen Entwicklung in einigen Ölförderländern.

mmq/dpa/dapd

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insgesamt 505 Beiträge
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Flicker23 12.11.2012
Und ich prophezeie, dass ab 2050 die USA keine Rohstoffe mehr haben, und dann immer noch merken, dass fossile Rohstoffe nicht unendlich sind
2. optional
orangutanklaus77 12.11.2012
"Die USA dürften schon in naher Zukunft nicht mehr auf Öl- und Gaslieferungen aus dem Ausland angewiesen sein." Das liegt schlicht daran, dass sie bis dahin bereits das meiste "Ausland" zu "Inland" gemacht haben....
3. PeakOil & CoR
NoTarget 12.11.2012
Das ist doch mal eine schöne Nachricht. PeakOil ist dann wieder mal abgesagt oder zumindest bis auf weiteres verschoben. Und das wo wir laut den weltverändernden Prognosen des Club of Rome schon lange ohne Basisrohstoffe und Energie wieder in der Höhle hocken müssten.
4.
günter1934 12.11.2012
Zitat aus dem Artikel: Bereits in ihrem mittelfristigen Ölmarktbericht vom Oktober sagte die IEA in den kommenden fünf Jahren eine bessere Versorgung des Weltmarkts für Rohöl. Die Experten rechnen demnach bis Ende 2017 mit einer spürbaren Entspannung an den Märkten - auch wegen der Flaute der Weltwirtschaft. Soviel zu dem viel beschworenen "Peak of Oil"!
5.
BlakesWort 12.11.2012
Na das ist doch wunderbar! :-( Dann können sie ja weiter fleissig auf veraltete Technologien setzen und Naturschutzgebiete umgraben und den gesamten Untergrund "fracken". Ziemlich schlechte Nachricht...
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