Studie des Umweltbundesamts Energie-Selbstversorgung rechnet sich für Gemeinden fast nie

Unabhängigkeit vom Strompreisdiktat der Konzerne, Abkopplung vom Netz - immer mehr deutsche Gemeinden eifern solchen Autarkieträumen nach. Nun belegt das Umweltbundesamt erstmals in einer umfassenden Studie: Das Konzept rechnet sich nur in Ausnahmefällen.

Windräder: Traum von der Unabhängigkeit
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Windräder: Traum von der Unabhängigkeit

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Hamburg - Silbrig gleißen die Solarpaneele auf den Dächern, majestätisch drehen sich riesige Windräder, Elektroautos surren durch die Straßen: Das ist die Vision einer Zukunftstadt im Jahre 2050 irgendwo in der Bundesrepublik. Einer Stadt, die nicht nur frei von CO2-Emissionen ist, sondern auch frei vom Strompreisdiktat der Konzerne. Weil sie sich zu hundert Prozent selbst versorgt und vom Stromnetz abgekoppelt hat.

Das Ideal unabhängiger Stromversorgung war für viele Verbraucher schon immer attraktiv und wurde durch die Energiewende enorm befeuert. Immer mehr Regionen versuchen diesem Ideal so nah wie möglich zu kommen. Der Kneippkurort Bad Wörishofen im schwäbischen Landkreis Unterallgäu etwa will bis 2020 energieautark sein. Auch die Gemeinde Wüstenrot in Baden-Württemberg, bislang berühmt durch die gleichnamige Bausparkasse, will von steigenden Strompreisen nichts mehr wissen und zum Vorreiter für Plusenergiehäuser und intelligente Stromnetze werden.

"Energieautarke Städte rechnen sich nicht"

Das Umweltbundesamt (UBA) hält solche Projekte zwar generell für begrüßenswert; dass sich bald immer mehr Ortschaften vom bundesweiten Übertragungsnetz abkoppeln, glauben seine Experten indes nicht. In der bislang umfassendsten Untersuchung zu diesem Thema kommt Deutschlands zentrale Umweltbehörde zu einem ernüchternden Ergebnis: Zwar werde die Stromproduktion immer dezentraler - energieautarke Städte aber rechneten sich kaum, heißt es in der Erhebung, die am Montag veröffentlicht werden soll und die SPIEGEL ONLINE vorab vorliegt.

Auf gut hundert Seiten spielt das Umweltbundesamt die Potentiale von Regionen durch, die sich komplett selbst versorgen. Wissenschaftler der Behörde modellierten zwei exemplarische Siedlungen: ein Dorf in ländlicher Umgebung und einen Stadtteil mit hoher Bebauungs- und Einwohnerdichte. Anhand hochauflösender Wetterdaten analysierten sie, ob sich diese Siedlungen an zwei Orten, einem in Norddeutschland und einem in Süddeutschland, komplett selbst mit Wind- und Sonnenstrom versorgen könnten - und wenn ja, zu welchen Kosten.

Exorbitante Kosten für Speicher

Ergebnis: In ländlichen Regionen könnte der Energiebedarf aller Haushalte allein durch Solar- und Windenergie gedeckt werden - selbst dann noch, wenn die Bewohner ausschließlich Elektroautos fahren. Allerdings wären dafür gewaltige Energiespeicher nötig. In Süddeutschland sei der Bedarf noch höher als im Norden, da Solaranlagen noch mehr Speicher brauchen als Windräder.

Berücksichtige man neben den Haushalten allerdings auch den Strombedarf von Gewerbe und Industrie, sei der Speicherbedarf in ländlichen Regionen nicht mehr wirtschaftlich vertretbar, heißt es in der Studie weiter. In städtischen Regionen sei Energieautarkie mit Solar- und Windanlagen schon ohne Berücksichtigung der Industrie nicht praktikabel. Die Bevölkerungsdichte sei einfach zu hoch.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Regionen ihren Strom ausschließlich durch Solar- und Windanlagen gewinnen, da Wasser- und Biogas- und Geothermiekraftwerke nicht flächendeckend verfügbar seien. In Regionen, in denen sich solche Arten der Energiegewinnung in die Versorgung einbinden lassen, sind die Voraussetzungen für Energieautarkie deutlich günstiger.

"Lokale Autarkie kann als Konzept in Einzelfällen und unter günstigen Bedingungen zwar umsetzbar sein", fasst UBA-Chef Jochen Flasbarth die Studie zusammen. "Ein Ansatz für eine tragfähige regenerative Energieversorgung ganz Deutschlands ist sie jedoch nicht." Das spreche aber nicht gegen die Energieversorgung Deutschlands aus dezentralen Quellen. Der geplante Ausbau der Übertragungsnetze sei hierfür allerdings unverzichtbar.

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Seite 1
Olaf 06.09.2013
1.
Zitat von sysopDPAUnabhängigkeit vom Strompreisdiktat der Konzerne, Abkopplung vom Netz - immer mehr deutsche Gemeinden eifern solchen Autarkieträumen nach. Nun belegt das Umweltbundesamt erstmals in einer umfassenden Studie: Das Konzept rechnet sich nur in Ausnahmefällen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/energieautarke-staedte-sind-ein-wunschtraum-a-913968.html
Natürlich tut es das. Technische Gründe und physikalische Unmöglichkeiten verschwinden ja nicht einfach dadurch, dass man sie ignoriert. Aber genau das liegt dem Konzept der gesamten Energiewende zu Grunde. Das all diese Probleme irgendwann mit einem Plopp verschwinden, wenn man sie nur lange genug ignoriert. Letztlich offenbart dies nur die Gedankenwelt der Erfinder der Energiewende, die technische Probleme für eine Verschwörung der Atomindustrie und Ölkonzerne halten, weil ihr Erfahrungshorizont nicht mehr hergibt. Sollte diese Verschwörungstheorie nicht stimmen, haben wir hunderte Milliarden in den Sand gesetzt. Vielleicht führt das ja dann endlich mal dazu, dass es den Deutschen einmal gelingt politische Visionäre von politischen Spinnern zu unterscheiden. Da hapert es ja so dann und wann dran.
Hugo55 06.09.2013
2. Studie des Umweltbundesamtes
Zitat von sysopDPAUnabhängigkeit vom Strompreisdiktat der Konzerne, Abkopplung vom Netz - immer mehr deutsche Gemeinden eifern solchen Autarkieträumen nach. Nun belegt das Umweltbundesamt erstmals in einer umfassenden Studie: Das Konzept rechnet sich nur in Ausnahmefällen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/energieautarke-staedte-sind-ein-wunschtraum-a-913968.html
Da hätte man auch einen erfahrenen Ingenieur fragen können. Der kommt ohne "Studiengelder" zu demselben Ergebnis. Warum müssen wir nur immer eine Haufen Leute bezahlen, die Studien beauftragen und andere, die diese Studien durchführen, wenn es doch keinen Erkenntnisgewinn gibt? Ist Deutschland wirklich so blöd geworden, dass wir all die Dinge, die offensichtlich sind, noch einmal "erforschen" müssen?
realist4 06.09.2013
3. Energiewende rechnet sich nie
Wären nicht die weit überzogenen Garantiepreise, würden sich Solaranlagen auch nicht für Privatpersonen rentieren. Aber die Allgemeinheit subventioniert wieder einmal den Besitz der Minderheit. Das ist dumm und unsozial.
J4cky 06.09.2013
4. ...
Zitat von sysopDPAUnabhängigkeit vom Strompreisdiktat der Konzerne, Abkopplung vom Netz - immer mehr deutsche Gemeinden eifern solchen Autarkieträumen nach. Nun belegt das Umweltbundesamt erstmals in einer umfassenden Studie: Das Konzept rechnet sich nur in Ausnahmefällen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/energieautarke-staedte-sind-ein-wunschtraum-a-913968.html
Das dieser Umstand eintreten wird, war zumindest für mich absehbar ... Die Kosten/Nutzen Entwicklung steht einfach in keinem günstigen Verhältnis für den Verbraucher! Wir werden unsere Energiewende von ganz allein zurückfahren wollen, weil die Preise uns dazu zwingen werden. Wann es mal zu einem wirklichen Umkehrtrend kommt kann doch niemand vorhersehen. Es sind nicht massig an Öl-, Kohle- Gas- und Uranvorkommen vorhanden, so dass wir mehrere hundert Jahre damit auskommen werden. Dennoch ein interessantes Ergebnis einer Studie!
bernhard 06.09.2013
5. das überzeugt gar nicht
Die Wirklichkeit ist die, dass es dem Staat überhaupt nicht gelegen ist, wenn sich die Energiewirtschaft dezentralisiert oder war privatwirtschaftlich als Bürger- Energieunternehmen geführt würde. Wenngleich die Zentralisierung einige Kosten einspart, das Gefühl, selbst zu entscheiden, ist einige Euros wert!
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