Energiehunger der Volksrepublik China buhlt um deutsche Atom-Fachkräfte

Die Volksrepublik will von Merkels Atomausstieg profitieren: Peking will Forscher und Mitarbeiter der deutschen Kernkraftwerke nach China locken. Das Land setzt ungebremst auf Atomstrom - eine Katastrophe wie in Fukushima schließen Funktionäre aus.

Kontrollraum im AKW Tianwan: China baut 28 weitere Reaktoren
AP

Kontrollraum im AKW Tianwan: China baut 28 weitere Reaktoren


Peking - Die deutsche Abkehr von der Atomkraft stößt in China auf Unverständnis: Es sei falsch, dass sich ein Land mit so wenig eigenen Rohstoffen von der Kernkraft verabschiede, sagte der stellvertretende Generalsekretär des chinesischen Atomverbands CNEA, Xu Yuming, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Seine Kritik verknüpfte er mit einem Angebot an die deutschen Atom-Fachleute: "Wir laden die Experten ein, bei uns zu forschen und zu arbeiten." Die deutschen Kernkraftwerke seien "Weltklasse, die Ingenieure und Forscher genießen einen guten Ruf".

Die schwarz-gelbe Regierung arbeitet derzeit an ihrem Zeitplan für den Atomausstieg. Nach Fukushima hatte Kanzlerin Angela Merkel ihren Kurs geändert: Statt der im vergangenen Jahr beschlossenen längeren Laufzeiten wollen Union und FDP die AKW offenbar sogar früher abschalten als von der rot-grünen Vorgängerregierung beschlossen.

Die Volksrepublik setzt dagegen trotz der Fukushima-Katastrophe weiter voll auf Atomkraft: Das Land wolle jedes Jahr rund 80 Milliarden Yuan (neun Milliarden Euro) in die Atomkraft investieren, sagte Xu Yuming der "FAZ". Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter der chinesischen Nukleartechnik. Derzeit seien in China 13 Reaktoren am Netz, weitere 28 im Bau. "Das sind 46 Prozent der Projekte in aller Welt", sagte Xu.

Energieverbrauch versechsfacht

Bis 2015 werde China die Kapazitäten von 10,8 auf 40 Gigawatt erhöhen. Bis 2020 seien 80 Gigawatt möglich. Von dieser Expansion könnten deutsche Hersteller profitieren. "Aber natürlich wird das schwieriger, je weniger Erfahrung sie auf dem Heimatmarkt vorweisen", sagte Xu weiter.

Der GAU in Fukushima ficht die Chinesen bei ihren Plänen nicht weiter an: Die Regierung habe alle bestehenden und im Bau befindlichen Anlagen auf ihre Sicherheit überprüft, sagt Xu der "FAZ". Die Genehmigung neuer Reaktoren sei zurückgestellt worden. Zwar lägen einige Meiler auch in China an der Küste. Ein Zusammentreffen von Erdbeben und Tsunami wie in Japan sei aber ausgeschlossen, behauptet Xu.

Zudem begründete er den Atomkurs mit dem wachsenden Energiebedarf in seinem Land: In den vergangenen 30 Jahren habe sich dieser versechsfacht. "Die Stromknappheit wird immer schlimmer werden, wenn wir nicht mehr Atomstrom erzeugen." Er sagte der "FAZ", dass die Stromsperren anhalten werden. "Wir können auf absehbare Zeit nicht garantieren, dass es genug Elektrizität gibt."

cte/dpa



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insgesamt 194 Beiträge
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Seite 1
anders_denker 27.05.2011
1. warum auch nicht
wenn man im eigenen land nichts wert ist. nicht die atomkraft ist unser problem, sondern die seit mitte der achziger eingestellte weiterentwicklung hin zu modernen sichereren reaktoren.
Originalaufnahme 27.05.2011
2. ===
Zitat von sysopDie Volksrepublik will von Merkels Atomausstieg profitieren: Peking bietet Forschern und Mitarbeitern der deutschen Kernkraftwerke an, in ihr Land zu kommen. Das Land setzt ungebremst auf Atomstrom - eine Katastrophe wie Fukushima sei in China ausgeschlossen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,765204,00.html
Auf Wiedersehen, und vergessen Sie Ihre Bosse nicht. Auf der anderen Seite hoffe ich fuer die Chinesen, dass Sie dort nie ankommen (weil nicht benoetigt) und fuer Sie, liebe Schreibtisch- bzw. PR-Taeter, dass Sie einen Job in Japan finden. Tepco und das Japanische Propagandaministerium haben Sie jetzt auch dringend noetig! Aber serioes: Bleiben Sie mal schoen hier und raeumen Sie erst einmal die alten Dinger beiseite... Hier gibt es noch genug zu tun. Laut Interview mit einem Siemens-Manager (auf Bayern 5 im April 2011) waeren wir selbst bei einem Sofortausstieg und vorhandenem Endlager bis etwa 2080 damit beschaeftigt die Dinger sicher zu entsorgen. Also noch genug Arbeit bis zu der in 10-20 Jahren geborenen Generation.
chico 76 27.05.2011
3. Das
Zitat von sysopDie Volksrepublik will von Merkels Atomausstieg profitieren: Peking bietet Forschern und Mitarbeitern der deutschen Kernkraftwerke an, in ihr Land zu kommen. Das Land setzt ungebremst auf Atomstrom - eine Katastrophe wie Fukushima sei in China ausgeschlossen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,765204,00.html
war zu erwarten. Es scheint so, wir entwickeln uns zurück. Vom nuklearem Hightec-Land zu Büchsensammlern und Umweltverschmutzern, ganz alleine. Das kann einsam werden, trotz ..zigtausender Windrädchen. Er ist auch schon zu anderen Einsichten gekommen. http://www.faz.net/-01s7fb Das ist bei uns, leider, nicht zu erwarten.
founder 27.05.2011
4. Atomstrom bringt mehr Solarenergie
Sehen Sie sich mal die Solaren Einstralungswerte weltweit an (http://www.greenrhinoenergy.com/solar/radiation/empiricalevidence.php). Hier ist der östliche Teil von Chine sehr bemerkenswert Die solaren Einstrahlungswerte sind weit unter dem, was in anderen Teilen der Welt auf diesen Breitengrad zu erwarten ist. Die untere Karte auf der verlinkten Seite zeigt die direkten Strahlungswerte, also direktes Sonnenlicht. Da ist auf der Karte Teile Chinas so eingefärbt wie Schottland, was ja wesentlich weiter im Norden liegt. Es gibt dazu Studien, 150 kWh Solarstrahlung pro m² und Jahr sind durch die Luftverschmutzung in den letzten Jahrzehnten verloren gegangen. Wenn es gelingt mit Solarstrom, Windstrom, Atomstrom die Luftverschmutzung zu reduzieren, würde 4 Millionen km² pro Jahr 150 kWh mehr Strom pro m² bekommen 6 * 10 hoch 17 Wh. 600.000 TWh Davon würde die Landwirtschaft - mehr Sonne und auch mehr Niederschläge - und Photovoltaikanlagen sehr profitieren. Ein Ende der Luftverschmutung im Osten Chinas würde den Ertrag einer Photovoltaik etwa 15% steigern.
citizen_kane 27.05.2011
5. .
Zitat von sysopDie Volksrepublik will von Merkels Atomausstieg profitieren: Peking bietet Forschern und Mitarbeitern der deutschen Kernkraftwerke an, in ihr Land zu kommen. Das Land setzt ungebremst auf Atomstrom - eine Katastrophe wie Fukushima sei in China ausgeschlossen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,765204,00.html
Die Argumentation kommt mir doch bekannt vor ...
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