Energiepreise: Regierung lädt Stromkunden Milliardenkosten auf

Konzerne werden entlastet - auf Kosten der Verbraucher: Die Bundesregierung hat stromintensive Betriebe fast komplett von den Netzgebühren befreit, um sie im internationalen Wettbewerb zu schützen. Private Haushalte zahlen drauf, Verbraucherschützer sprechen von einer "Schweinerei".

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DPA

Strommasten: Unternehmen werden um 1,1 Milliarden Euro entlastet

Berlin - Die Bundesregierung schont die Industrie und lädt die Kosten den Verbrauchern auf. Zahlreiche Unternehmen werden weitgehend von den sogenannten Netzgebühren befreit; diese fallen für die Wartung und den Ausbau der Stromnetze an.

Kleine Unternehmen und normale Haushalte zahlen dadurch besonders stark drauf. Wie viel, haben die Übertragungsnetzbetreiber nun erstmals ausgerechnet: Demnach steigt der Strompreis für Millionen Kleinkunden 2012 um knapp 0,75 Cent pro Kilowattstunde. Für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden bedeutet dies eine Erhöhung um mehr als 26 Euro pro Jahr.

Die entsprechenden Berechnungen haben die Übertragungsnetzbetreiber bereits vergangene Woche etwas versteckt im Internet veröffentlicht. Darauf aufmerksam machte diesen Montag die "Frankfurter Rundschau" ("FR"). Grundlage für die steigenden Kosten ist das Gesetz zur Neuregelung energiewirtschaftlicher Vorschriften vom 26. Juli 2011, das die Regierung von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt zusammen mit dem Atomausstieg und anderen Energiegesetzen beschlossen hatte.

Die Verschiebung der Kosten hat es in sich: Industrieunternehmen und Strom-Sonderkunden werden um insgesamt 1,1 Milliarden Euro entlastet, berichtet die "FR" unter Berufung auf eine Schätzung der Bundesnetzagentur.

  • Denn jedes Unternehmen, das mehr als 100.000 Kilowattstunden verbraucht, muss die Netzgebühren nur noch zu 0,05 Cent mitfinanzieren - viele tausend Firmen fallen in diese Kategorie, auch mittlere Unternehmen mit ein paar Dutzend Mitarbeitern.
  • Unternehmen mit einem Verbrauch von mehr als zehn Gigawattstunden zahlen noch weniger: nämlich 0,025 Cent pro Kilowattstunde.
  • Und besonders energieintensive Unternehmen, die mehr als 7500 Stunden im Jahr an den Netzen hängen, sind komplett von der Abgabe befreit.

Da die Zusatzkosten von 2011 im kommenden Jahr nachgezahlt werden, entstehen Verbrauchern 2012 insgesamt Mehrkosten von mehr als 0,6 Cent pro Kilowattstunde. Zuzüglich Mehrwertsteuer sind es gar 0,75 Cent.

Grundgedanke der Sonderregel ist es, den Industriestandort Deutschland zu schützen. Denn durch den Atomausstieg werden die Strompreise voraussichtlich steigen - und damit die Produktionskosten der Unternehmen. Deutsche Firmen fühlen sich dadurch im internationalen Wettbewerb benachteiligt.

In der Branche werden die vielen Ausnahmeregeln allerdings als Problem gewertet. Denn ursprünglich war die Idee der Netznutzungsgebühren eine andere: Unternehmen, die die Leitungen besonders stark belasten, sollten auch besonders stark für ihre Wartung und ihren Ausbau aufkommen. Durch all die neuen Sonderbefreiungen wird dieses Prinzip immer mehr ausgehebelt. "Es ist, als ob die, die eine Autobahn besonders stark abnutzen, besonders wenig dafür bezahlen", sagt ein Brancheninsider.

Der Energieexperte des Bundesverbands Verbraucherzentralen, Holger Krawinkel, nennt die Angelegenheit eine "einmalige Schweinerei". "Die Industrie massiv zu entlasten und allein die Kleinverbraucher die Zeche zahlen zu lassen, ist eine Dreistigkeit, die bisher ohne Beispiel ist", sagte er der "FR".

ssu/cte

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insgesamt 410 Beiträge
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1. Wie bei Schwindelkanzlers Ökosteuer
gsm900, 21.11.2011
Zitat von sysopKonzerne werden entlastet -*auf Kosten der Verbraucher:*Die Bundesregierung hat stromintensive Betriebe*fast komplett*von den Netzgebühren befreit, um sie im internationalen Wettbewerb zu schützen. Private Haushalte zahlen drauf, Verbraucherschützer sprechen von einer "Schweinerei". http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,798944,00.html
da wurde die energiefressende Industrie auch ausgenommen.
2. "Unglaublich"
kdshp 21.11.2011
Zitat von sysopKonzerne werden entlastet -*auf Kosten der Verbraucher:*Die Bundesregierung hat stromintensive Betriebe*fast komplett*von den Netzgebühren befreit, um sie im internationalen Wettbewerb zu schützen. Private Haushalte zahlen drauf, Verbraucherschützer sprechen von einer "Schweinerei". http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,798944,00.html
Hallo, wundert das noch wen das wir bei DER regierung mehr steuern und abgaben zahlen müssen. OK bis auf ausnahmen wie hotels.
3. wen wundert den dies...
optophon, 21.11.2011
...diese Regierung ist einzig nur sich selbst und ihrer Klientel verpflichtet. Hierzu empfehle ich Plauzen im deutschen Bundestag aus der Harald Schmidt Show, fressen und das Volk bescheissen.
4. Wo kein Kläger...
GunB, 21.11.2011
Zitat von sysopKonzerne werden entlastet -*auf Kosten der Verbraucher:*Die Bundesregierung hat stromintensive Betriebe*fast komplett*von den Netzgebühren befreit, um sie im internationalen Wettbewerb zu schützen. Private Haushalte zahlen drauf, Verbraucherschützer sprechen von einer "Schweinerei". http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,798944,00.html
Wenn nur jeder Kunde eine Mail an die Parteien unserer Regierung schreiben würde, würden wir als Bürger wenigstens zeigen, dass wir da sind - denke, der Server würde vor Überlastung zusammenbrechen. Volk, wehr dich!
5. Privatkunden zahlen drauf.....so what
Chesty 21.11.2011
Wer wollte denn den Ökostrom, Grünen Strom, Wohlfühlstrom? Doch wohl die Privatkunden mit ihrer Panik vor Atomkraft. Schalt die Atomkraftwerke ab aber mach mir den Pelz nicht naß, so hätte es der deutsche Ökomichel wohl gerne. Soll doch die doofe Industrie dafür bluten. Nein, genau richtig so. Soll Ökomichel die Suppe halt selber auslöffeln, ein reines Gewissen und das Gefühl der moralischen Überlegenheit gegenüber dem Ausland darf ihn ruhig etwas kosten. Klar, wenn man "irgendwas mit Medien" macht, studiert, oder auf dem 1. oder 2. Arbeitsmarkt Staatsknete bezieht, interessiet einen die Industriearbeitsplätze recht wenig. P.S. Fukushima: 2 MRSA: 20000
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