Energiewende Altmaier setzt auf mehr Beratung zum Stromsparen

Der Verbraucher soll sparen: Bundesumweltminister Altmaier will die Energieberatung von Privathaushalten deutlich ausweiten - und stößt damit auf Kritik bei Wohlfahrtsverbänden und Verbraucherschützern.

Bundesumweltminister Peter Altmaier: Stößt mit Sparinitiative auf Kritik
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Bundesumweltminister Peter Altmaier: Stößt mit Sparinitiative auf Kritik


Berlin - Wie reagiert die Bundesregierung auf die galoppierenden Strompreise für Privathaushalte? Die Antwort von Umweltminister Peter Altmaier lautet: Strom sparen. Dazu will der CDU-Politiker die Energieberatung massiv ausweiten. Verbraucher bekämen so eine Möglichkeit, "dem Strompreis ein Schnippchen zu schlagen". Einkommensschwachen Haushalten und älteren Menschen stellte Altmaier am Dienstag Hilfsangebote in Aussicht, wie auch sie sich die Anschaffung energiesparsamer Geräte leisten könnten.

"Wir wollen ein Beratungsangebot schaffen, das allen zur Verfügung steht", kündigte Altmaier nach einem Gespräch mit Vertretern von Umwelt- und Wirtschaftsverbänden, der Kommunen und der Religionsgemeinschaften in Berlin an. Bisher sei nur etwa jeder zehnte Haushalt mit dem Angebot einer Energieberatung erreicht worden. Das sei zu wenig, um den Stromverbrauch bis 2020 um zehn Prozent zu senken. Das Umweltministerium wolle daher bestehende Angebote unterschiedlicher Organisationen wie etwa der Caritas ausweiten und dafür auch Geld in die Hand nehmen. "Wir wollen allen Haushalten die Möglichkeit geben, bis zum Jahr 2020 eine solche Beratung in Anspruch zu nehmen, in aller Regel auch kostenlos", sagte Altmaier. Konkrete Vereinbarungen werde er nach einem zweiten Treffen im November vorstellen, sagte er.

Steuersenkungen oder eine Ausweitung der Ausnahmeregeln für energieintensive Betriebe lehnte Altmaier dagegen ab. Auch eine Abwrackprämie etwa in Form eines staatlichen Zuschusses, um den Ersatz vom Stromfressern im Haus durch neue Geräte zu fördern, lehnte er ab. Er sehe auch keinen Anlass, über eine Ausweitung der Ausnahmeregeln nachzudenken, durch die weite Teile der Industrie und andere energieintensive Firmen von den Förderkosten für erneuerbare Energien befreit sind.

Altmaiers Stromsparinitiative stieß auf massive Kritik: Der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Ulrich Schneider, nannte es "naiv, die wachsende Armut durch steigende Energiekosten allein mit kostenlosen Energiespar-Beratungsangeboten lösen zu wollen". Die Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn sprach von einem "Scheinmanöver" des Ministers. Auch die Verbraucherzentralen sehen in der Stromsparinitiative keine echte Hilfe für Geringverdiener.

Streit um Erhöhung der Ökostrom-Umlage

Die 2013 ins Haus stehende Erhöhung der Ökostrom-Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) lässt sich nach Altmaiers Worten im Nachhinein nicht mehr ändern. Jeder sei frei, Änderungen der Stromsteuer zu fordern. Es sei dann Aufgabe des Bundesfinanzministeriums, sich dazu zu positionieren. Seiner Erfahrung nach seien Steuersenkungen aber keine geeignete Antwort auf steigende Energiepreise.

Die FDP fordert, zusätzliche Mehrwertsteuer-Einnahmen durch die Erhöhung der EEG-Umlage durch eine Senkung der Stromsteuer zu kompensieren. Am kommenden Montag wird bekanntgegeben, wie hoch die auf den Strompreis aufgeschlagene Umlage für den Ökostrom 2013 sein wird. Erwartet wird, dass die Umlage von derzeit 3,59 Cent pro Kilowattstunde auf mehr als fünf Cent steigt. Sie wird erhöht, weil immer mehr Strom aus Wind, Wasser und Sonne produziert wird. Der Ökostrom wird den Produzenten zu garantierten Preisen abgenommen, die über den Markttarifen liegen. Die Differenz wird über die Umlage von den Verbrauchern bezahlt.

yes/Reuters/dapd

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smartphone 09.10.2012
1. >Sparen aber Richtig
Wenn bei den 5% Strompreiserhöhung über 20% davon reines Subventionsgeld ist für WKA usw betreiber , dann sollte man HIER ansetzen . Also weg mit überflüssigen Subvention. Im weiteren sehen wir zig Windanlagen bei besten Windwetter still stehen ... wohl kaum mit Wartung begründbar . Es stehen jetzt schon zuviele rum..... Wegsprengen ! Im weiteren wäre es sehr sinnvoll mal die Atonstromkonzerne zu überprüfen. Die bekamen Milliarden für Endlagerszenarios - Bitte mehr Transparenu : WO floß das Geld wirklich hin. Wenn die meinen der Bürge ist dumm wie Brot täuschen die sich !! Der Altmeier gehört wegen Inkompetenz im Amt gefeuert .
karl-felix 09.10.2012
2. Prinzipiell
Zitat von sysopDPADer Verbraucher soll sparen: Bundesumweltminister Altmaier will die Energieberatung von Privathaushalten deutlich ausweiten - und stößt damit auf Kritik bei Wohlfahrtsverbänden und Verbraucherschützern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/energiewende-a-860331.html
halte ich es schon für sinnvoll, kostenlose Energieberatung anzubieten. In jedem Haushalt gibt es eine Unmenge an Einsparmöglichkeiten und es ist unsäglich mühselig, selber jeden einzelnen Punkt abzuklären. Zur Zeit ist es richtig teuer, sich professionell beraten zu lassen. Der Betrag der EEG-Umlage denke ich ist fast jedem Haushalt einzusparen. Aber da hat Schneider völlig recht, das allein ist viel zu wenig und ein Scheinmanöver. Ich habe bei mir nachgeschaut auf der Rechnung, die Erhöhung der EEG-Umlage, die " Explosion " der Stromkosten werden bei mir knapp drei Euro im Monat ausmachen. Und seit einem Jahr klopfen mich alle weich: Strompreise explodieren ! Nicht dieser 3 Euro wegen wird einem der Strom abgesperrt. Aber Einsparmöglichkeiten wie z.B. den Tarifwechsel scheuen die meisten. Und da sind lt. Verivox bis zu 244 Euro/anno einzusparen. Sozialtarife, Mehrwertsteuerermässigung, Stromdeputat pro Kopf und progressive Tarifgestaltung .... Man könnte eine Menge tun, das wirklich hilft.
gestandeneFrau 09.10.2012
3.
Zitat von sysopDPADer Verbraucher soll sparen: Bundesumweltminister Altmaier will die Energieberatung von Privathaushalten deutlich ausweiten - und stößt damit auf Kritik bei Wohlfahrtsverbänden und Verbraucherschützern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/energiewende-a-860331.html
Ja dann, Herr Minister, kommen Sie doch mal vorbei und zeigen mir, wo ich noch Strom sparen kann. Aber bitte nicht von Energiesparlampen, LED usw faseln, hab ich nämlich schon lange. Auch der Standby- Knopf am Fernseher und an sämtlichen Steckdosen (außer Kühlschrank) ist auch aus. Waschmaschine läuft auf Sparprogramm, Kühlgeräte sind neu. Also, zeigen Sie mir doch bitte, Herr Umweltminister, wie ich noch sparen soll! Denn die Preise kann ich nicht sparen.
warndtbewohner 09.10.2012
4. Schwachsinn
was nützt mir die Beratung wenn ich die erforderlichen Investitionen (Kühlschrank, Herd etc.) nicht tätigen kann. Hier wird wieder Geld rausgeworfen. Aber an die Preistreiber geht der Altmeier natürlich nicht ran, dafür ist er zu feige bzw. ist den Herrschaften willfähriger Gehilfe. Industrieprofite gehen wieder mal klar vor der Bevölkerung..
otto_iii 09.10.2012
5. sinnlos
Mal abgesehen davon, dass gerade Geringverdiener sich keine neuen Stromspargeräte leisten können, und höhere Energiekosten auch versteckt über teurere Produkte beim Verbraucher ankommen (zB wird die Wurst teurer, wenn der Metzger mehr für den Strom seiner Kühlgeräte zahlen muss), kann Strom sparen die Gesamtkosten nur unwesentlich senken: Die Netze müssen erheblich ausgebaut werden, und die Wind- und Solarstromproduzenten bekommen ihre garantierten Festpreise, egal ob der Strom verbraucht wird oder nicht. Sinkt der Stromverbrauch, dann wird der Preis pro KWh eben noch weiter erhöht. Ein ähnliches Problem gab es doch schon in den 1990ern in Thüringen: Nach der Wende wurden allerorten neue teure Kläranlagen gebaut, die Wasserpreise und Abwassergebühren stiegen erheblich. Die Leute reagierten mit Wassersparen, was aber nur zu noch weitergehenden Preiserhöhungen führte, denn die Kosten entstehen durch die Investition und sind nur in sehr geringem Maße verbrauchsabhängig.
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