Engpässe in Netzen: Regierung entlohnt Firmen für Stromabschaltung
Stromintensive Unternehmen sollen Geld bekommen, wenn sie im Gegenzug bei Engpässen im Netz ihren Bedarf drosseln. Die Regierung will Firmen monatlich 1667 Euro pro Megawatt Abschaltleistung zahlen. Die Kosten tragen die Verbraucher.
Berlin - Mit neuen Trassen will die Regierung die Stromnetze in Deutschland entlasten und für die Energiewende fit machen. Doch der Ausbau braucht Zeit und daher suchen Politiker auch nach kurzfristigen Möglichkeiten, um Engpässe zu vermeiden. Die Regierung will nun Aluminiumhütten, Stahlproduzenten und andere energieintensive Unternehmen mit finanziellen Anreizen dafür gewinnen, kurzfristig ihren Stromverbrauch massiv zu drosseln.
Das Kabinett beschloss eine Verordnung für abschaltbare Lasten, damit die Netzbetreiber auf diese Weise das Stromnetz bei Engpässen stabilisieren können. Bundesweit sollen die Netzbetreiber 3000 Megawatt pro Monat an Abschaltleistung ausschreiben.
1500 Megawatt davon sollen laut Wirtschaftsministerium innerhalb von Sekunden vom Netz gehen können. Die anderen 1500 Megawatt binnen 15 Minuten. Unternehmen, die sich grundsätzlich bereit erklären, sollen monatlich 1667 Euro pro Megawatt Abschaltleistung erhalten. Zusätzlich bekommen sie bei tatsächlichen Abschaltungen demnach eine Vergütung von 100 bis 500 Euro pro Megawattstunde. Die Kosten werden auf die Strompreise umgelegt. Laut Ministerium werden die Zusatzkosten für jeden Haushalt etwa ein bis zwei Euro jährlich ausmachen.
Das Ministerium argumentiert, bestimmte Unternehmen nähmen nahezu rund um die Uhr Strom ab und seien in der Lage, kurzfristig ihre Verbrauchsleistung zu reduzieren oder nahezu komplett einzustellen, ohne dass dies den Produktionsprozess beeinträchtigt. Die Netzbetreiber sollen entsprechende Vereinbarungen mit den Firmen abschließen.
Windparkbetreiber monieren Zwangsabschaltungen
Dass der Netzausbau in Deutschland zu langsam vorangeht, bekommen auch die Betreiber von Windparks zu spüren. Laut einer Studie des Beratungsunternehmen Ecofys im Auftrag des Bundesverbands Windenergie ist die Zwangsabschaltung von Windparks um fast 300 Prozent gestiegen, weil zu wenig Netzkapazität verfügbar war.
Demnach ging im vergangenen Jahr der Rekordwert von bis zu 407 Gigawattstunden Windstrom verloren, 2010 waren es noch 150 Gigawattstunden. Da die Betreiber für solche Produktionsdrosselungen entschädigt werden müssen und dies auf die Stromverbraucher abgewälzt wird, entstehen den Bürgern Millionenbelastungen für nicht eingespeisten Strom.
Probleme bereitet auch die Anbindung von Windparks vor deutschen Küsten ans Stromnetz. Deshalb werden nach Informationen von SPIEGEL ONLINE Milliardenentschädigungen fällig. Diese Lasten sollen Regierungsplänen zufolge größtenteils die Verbraucher tragen.
mmq/dpa/AFP
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- Mittwoch, 28.11.2012 – 13:20 Uhr
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Minus: Der Ölpreis ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen - und mit ihm der Spritpreis. Autofahrer mussten zeitweise mehr als 1,50 Euro für Benzin zahlen. Die deutsche Volkswirtschaft verliert dadurch Milliardenbeträge, denn das Land ist fast völlig von Importen abhängig. Weltweit liegen die meisten Ölvorkommen in politisch heiklen Regionen wie dem Nahen Osten, Russland, Venezuela oder Nigeria. Versorgungskrisen kann man daher nicht ausschließen. Darüber hinaus ist Erdöl ein endlicher Rohstoff: Die bekannten Vorkommen gehen langsam zur Neige. Große neue Felder wurden in den vergangenen Jahren kaum entdeckt - und wenn, dann nur in schwierig zu erschließenden Gebieten wie der Arktis. Hinzu kommt die CO2-Problematik: Wenn Öl verbrannt wird, entsteht das Klimagas Kohlendioxid .
Minus: Weltweit verfügen nur wenige Länder über Gasvorkommen. Entsprechend groß sind die Abhängigkeiten - Deutschland bezieht rund 40 Prozent seines Erdgases aus Russland. Problematisch ist außerdem die noch immer weit verbreitete Bindung an den Ölpreis: Je teurer Erdöl wird, desto teurer wird auch Gas. Stromkonzerne klagen bereits, dass sich Gaskraftwerke kaum mehr rentieren. Private Haushalte kennen dasselbe Problem beim Heizen - Gas ist kaum günstiger als Öl. Auch beim Autofahren stellt Erdgas keine Alternative dar: Der aktuelle Preisvorteil gegenüber Benzin und Diesel liegt nur an der steuerlichen Begünstigung.
Minus: Kein Energieträger ist so klimaschädlich wie Kohle. Bei der Verbrennung entsteht rund doppelt so viel CO2 wie bei Gas. Problematisch könnte dies vor allem dann werden, wenn man bestehende Atomkraftwerke durch neue Kohlekraftwerke ersetzt - oder wenn Elektroautos künftig in großem Stil Kohlestrom tanken. Bedenklich sind außerdem die Arbeitsbedingungen, unter denen Kohle gefördert wird : Zu den größten Produzenten zählen China, Russland und Südafrika - Länder, in denen immer wieder Bergleute ums Leben kommen.
Minus: Der größte Nachteil der Atomenergie ist das Risiko eines GAUs. Selbst wenn man dafür eine geringe Wahrscheinlichkeit unterstellt - der Schaden wäre enorm. Die Katastrophe in Tschernobyl war nur ein Vorgeschmack dessen, was im dicht besiedelten Mitteleuropa passieren würde: Tausende Opfer, auf ewig verseuchte Landstriche, Vermögensverluste in zigfacher Milliardenhöhe. Hinzu kommt die ungelöste Frage der Endlagerung : Obwohl die Kernenergie seit rund 50 Jahren genutzt wird, gibt es bis heute keine dauerhafte Deponie für die verstrahlten Abfälle. Ob es überhaupt ein sicheres Endlager geben kann, ist umstritten: Der Atommüll strahlt zum Teil mehr als 100.000 Jahre lang - was in dieser Zeit alles passiert, kann niemand vorhersagen. In jüngster Zeit wird ein weiteres Problem immer häufiger diskutiert: Was geschieht, wenn Terroristen einen Anschlag auf ein Kernkraftwerk verüben? Oder wenn sie in den Besitz von spaltbarem Material gelangen? Sicherheitsexperten haben auf diese Fragen keine abschließende Antwort.
Minus: In Deutschland ist das Potential der Wasserkraft so gut wie ausgeschöpft. Fast jeder Fluss hat ein Kraftwerk, ebenso fast jeder See. Im Ausland wiederum ist die Wasserkraft zum Teil in Verruf geraten: Riesenprojekte wie der Jangtse-Staudamm in China zerstören die Natur in großem Stil.
Minus: Kritiker halten Windräder für eine Verschandelung der Landschaft. Außerdem weht der Wind sehr unzuverlässig: Bei einer starken Brise wird das deutsche Stromnetz überlastet, bei Flaute muss Strom aus dem Ausland hinzugekauft werden. Praktikable Speicher für Windenergie gibt es bisher nicht. Ein weiterer Nachteil: Starker Wind bläst vor allem in Norddeutschland, die großen Verbrauchszentren liegen aber im Süden und Westen. Um den Strom abzutransportieren, sind zahlreiche neue Leitungen nötig .
Minus: Die Sonne hat den gleichen Nachteil wie der Wind - ihre Energie lässt sich nicht zu jeder Uhrzeit nutzen. Das größte Problem ist jedoch der Preis: Solarstrom kostet viel mehr als konventioneller Strom. Und trotz milliardenschwerer Subventionen leistet Sonnenenergie bislang nur einen geringen Beitrag zur deutschen Stromversorgung: Schätzungen schwanken zwischen einem um zwei Prozent. Damit die Photovoltaik in Mitteleuropa wettbewerbsfähig wird, müsste es eine technische Revolution geben - oder die Preise für konventionelle Energie müssten dramatisch steigen.
Minus: In jüngster Zeit gerät die Bioenergie massiv in die Kritik. Denn die Pflanzen benötigen enorme Anbauflächen - und treten damit in direkte Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Gerade bei Biotreibstoffen wird das zum Problem: Lässt es sich moralisch rechtfertigen, dass die Reichen Mais tanken - während die Armen hungern? Hinzu kommt ein gigantisches Mengenproblem: Wollte Deutschland seinen gesamten Benzin- und Dieselbedarf mit Biokraftstoffen decken, wäre dafür eine Fläche nötig, die größer ist als die gesamte Bundesrepublik. Das Gleiche gilt fürs Heizen: Sollten alle Bundesbürger auf Holzpellets umsteigen, würde der deutsche Wald dafür nicht reichen - erneut wären Energie-Importe nötig.
Minus: In Deutschland muss man Hunderte oder gar Tausende Meter tief bohren, um ein ausreichendes Temperaturniveau zu erreichen. Die Kosten der Geothermie sind deshalb sehr hoch. Mancherorts gibt es außerdem Probleme mit dem Grundwasser. Andere Länder sind hier aus geologischen Gründen in einer besseren Position: Island zum Beispiel deckt seinen Energiebedarf zum Großteil mit der Wärme aus dem Erdinneren.
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