Ökostromförderung: Kartellamtschef treibt Altmaier zur Eile

Mit deutlichen Worten hat Kartellamtspräsident Mundt eine rasche Reform der Ökostromförderung gefordert: "Wir sollten jetzt nicht weiter an den Symptomen rumdoktern, sondern umsteuern." Nötig sei mehr Wettbewerb. Doch Umweltminister Altmaier will sich Zeit lassen.

Windräder in Baden-Württemberg: "Nicht an den Symptomen rumdoktern" Zur Großansicht
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Windräder in Baden-Württemberg: "Nicht an den Symptomen rumdoktern"

Berlin - Der steigende Strompreis setzt die Bundesregierung unter Druck. Denn die Ökostromumlage soll im kommenden Jahr von 3,6 Cent pro Kilowattstunde auf 5,3 Cent steigen. Experten sehen aber durchaus Möglichkeiten, die hohen Kosten für die Verbraucher bei der Energiewende zu drücken. Nun hat sich auch der Präsident des Kartellamts eingeschaltet. Andreas Mundt hält die Pläne von Umweltminister Peter Altmaier (CDU) zur Reform der Ökostromförderung für unzureichend.

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) fördere nicht den Wettbewerb im Strommarkt, sagte Mundt der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". An diesem "grundlegenden Fehler" änderten auch Vorschläge zur Anpassung des Gesetzes nichts. "Wir sollten jetzt nicht weiter an den Symptomen rumdoktern, sondern umsteuern", forderte Mundt. Die ausufernden Kosten bei der Ökostromumlage zeigten, wohin es führe, wenn der Staat sich daran versuche, Märkte zu planen.

Der Kartellamtschef plädiert für ein System, in dem Stromversorger festgelegte Ökostromquoten übernehmen müssen, ohne dass vorab Preis und Erzeugungsart staatlich festgelegt werden. Damit könnten die gesetzten Ausbauziele effizienter und kostensparender erreicht werden als mit dem derzeitigen Förderungsplan. "Statt staatlich festgesetzter Garantiepreise schafft ein Quotensystem Freiräume, die die Marktteilnehmer effizient und kostensparend nutzen könnten", sagte Mundt.

Altmaier fordert Rösler zum Ende des Streits auf

Umweltminister Peter Altmaier will bei der Förderung erneuerbarer Energien Obergrenzen festlegen, ab denen die staatliche Förderung eingestellt wird. Dazu will er feste Quoten, etwa für die Entscheidung, wo wie viele Windparks und Biogasanlagen gebaut werden sollen. Zudem soll sich der Ausbau stärker danach richten, wo es Netze gibt, die den Strom aufnehmen können.

Auch Wirtschaftsminister Philipp Rösler hat den Druck auf Altmaier erhöht und eine grundlegende Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) noch vor der Bundestagswahl gefordert. Doch der Umweltminister sträubt sich. "Wir brauchen ein Gesetz, das zehn bis zwölf Jahre hält und nicht alle acht Monate wieder ein neues", sagte Altmaier am Samstag bei einer CSU-Tagung. Wichtig sei für alle Beteiligten die Planungssicherheit. Zugleich forderte er die FDP auf, die Diskussion nicht öffentlich zu führen. Streit werde einer "bürgerlichen Koalition nicht zugestanden", sagte Altmaier.

Doch Rösler legte nach. Mit Blick auf die geplante Reform des EEG sagte er der "Welt am Sonntag": "Es sind Schritte in die richtige Richtung, aber leider sind es zu kleine, zu langsame Schritte, die das Bundesumweltministerium da macht: Jetzt sollen erst mal wieder Gespräche geführt und ein Beratergremium eingerichtet werden. Bis zur Wiedervorlage im Mai nächsten Jahres müssen schon wieder sieben Monate Stromrechnungen bezahlt werden."

Rösler forderte, kurzfristig die Stromsteuer zu senken, um die Verbraucher Anfang 2013 zu entlasten. Unterstützung erhielt er vom Energieexperten des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Holger Krawinkel. Der Staat nehme bei einer Umlage von über fünf Cent pro Kilowattstunde drei bis vier Milliarden Euro Mehrwertsteuer ein, sagte Krawinkel dem SWR. Das sei etwa die Hälfte der Stromsteuer. "Von daher wäre zumindest da die Möglichkeit zu sagen: Wir wollen jetzt nicht an der Energiewende als Staat verdienen. Wir geben das zumindest an die Verbraucher zurück", sagte Krawinkel.

Ostdeutscher Versorger erhöht die Gaspreise

Neben steigenden Strompreisen müssen sich Verbraucher in Ostdeutschland zum Jahreswechsel auch auf Mehrausgaben beim Erdgas einstellen. Gas sei im Einkauf teurer geworden, zudem seien die Kosten für die Netze gestiegen, sagte der Vorstandschef des größten ostdeutschen Regionalversorgers EnviaM, Carl-Ernst Giesting, der "Sächsischen Zeitung". Sein Unternehmen will bis Mitte November neue Preise festlegen. Die Preiserhöhung falle jedoch "bei weitem nicht" so stark aus wie beim Strom, sagte Giesting. Die mehrheitlich in Besitz des RWE-Konzerns befindliche EnviaM-Gruppe hat nach eigenen Angaben in Ostdeutschland etwa 1,5 Millionen Kunden.

mmq/Reuters/AFP/dpa

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1. Ach woher denn,
newsfreak 13.10.2012
ist doch n super Typ, soll er sich Zeit lassen. Solange es Abnehmer für Strom gibt, wird es doch kein Problem sein die preise ein bisschen anzuschrauben. Wer weiß Altmaier kann die Grünen womöglich gar nicht ausstehen.
2.
Izmir.Übül 13.10.2012
Zitat von newsfreakist doch n super Typ, soll er sich Zeit lassen. Solange es Abnehmer für Strom gibt, wird es doch kein Problem sein die preise ein bisschen anzuschrauben. Wer weiß Altmaier kann die Grünen womöglich gar nicht ausstehen.
Verstehe ich nicht. Altmaiers Zögern, die ökonomischen Wettbewerbsverzerrungen durch das EEG mit seinen staatlich garantierten Einspeisevergütungen zu korrigieren, ist doch genau im Sinne der Grünen und deren Besserverdienerklientel mit Solardach und Windkraftfondsanteilen.
3. Das ist das System der parlamentarischen Plutokratie Deutschland!
Tolotos 13.10.2012
Zitat von sysopMit deutlichen Worten hat Kartellamts-Präsident Mundt eine rasche Reform der Ökostromförderung gefordert: "Wir sollten jetzt nicht weiter an den Symptomen rumdoktern, sondern umsteuern." Nötig sei mehr Wettbewerb. Doch Umweltminister Altmaier will sich Zeit lassen. Energiewende: Kartellamt fordert grundlegende Reform bei Ökostrom - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/energiewende-kartellamt-fordert-grundlegende-reform-bei-oekostrom-a-861131.html)
Kein Wunder! Nicht die privaten Verbraucher, sondern die Klientel der Umweltlobby profitieren vom fehlenden Wettbewerb und von auf Ewigkeiten festgelegte, dem Marktgeschehen vollständig entzogene, Profite für die Abnehmer ihrer Anlagen. Es ist kein Zufall, sondern System der deutschen Scheindemokratie, dass nur genau diejenigen, die eine starke, spendierfähige Lobby mobilisieren können, von den vorgeblichen Volksvertretern vor den Kosten dieses Wahnsinns geschützt werden.
4. Tolle Obergrenze...
u.loose 13.10.2012
Angetreten ist Herr Altmaier kurz nach seiner Ernennung mit einer kräftigen Senkung der Einspeisegeldern - herausgekommen ist ein Umfaller und eben eine Obergrenze für PV-Anlagen bei der DOPPELTEN Menge der heute installierten Basis... Im Grunde ist der Dampfer für den Bürger schon abgefahren und alles was jetzt noch zu erwarten ist, ist höchstens eine nicht mehr so schnell steigende Umlage. JEDE kWh die oberhalb des Marktpreises vergütet wird, erhöht die zu zahlende Umlage. Auch ein Quotenmodell ändert daran schlicht NICHTS - außer dass die EEG Umlage nicht steigt, sondern der Preis der kWh die die Versorger wie z.B. die Stadtwerke verlangen müssen. Ursache ist und bleibt einfach die Tatsache, dass für die Erneuerbaren aktuell 20 Mrd Euro bezahlen muss, obwohl der Strom nur für 3 Mrd verkäuflich ist. Daran ändert definitiv keines der vorgeschlagenen Modell! Also liebe Bürger - es wird weiter gehen mit den Kosten für die "Wende" - selbst wenn "Wiesenhof" blechen muss.... Zur Not - oder eher absolut sicher - werden eben die Ladenpreise erhöht...
5. Ziel muss sien: Deckelung Quotenregelung Marktwirtschaft
leser_4711 13.10.2012
Zitat von sysopMit deutlichen Worten hat Kartellamts-Präsident Mundt eine rasche Reform der Ökostromförderung gefordert: "Wir sollten jetzt nicht weiter an den Symptomen rumdoktern, sondern umsteuern." Nötig sei mehr Wettbewerb. ... Energiewende: Kartellamt fordert grundlegende Reform bei Ökostrom - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/energiewende-kartellamt-fordert-grundlegende-reform-bei-oekostrom-a-861131.html)
Endlich sagt mal ein wirtschaftspolitisches Schwergewicht der BRD was Sache ist. Symptomkorrektürchen retten das verkorkste planwirtschaftliche EEG nicht - wenn wir es mit der "Energiewende" ernst meinen, müssen wir das EEG in seiner jetzigen Form komplett abschaffen und auf ein Marktwirtschaftliches Steuerungssystem umstellen. Das heißt Deckelung der Fördermaßnahmen für einzelne Energiequellen - also drastisch weniger für Solar - sonst reicht es für Wind nicht mehr. Und das geht nur über eine sinnvolle Quotenregelung. Da ist Herrn Mundt nachdrücklich zu zustimmen.
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Grafiken: Wo kommt 2030 unsere Energie her?

EEG-Umlage
Was ist die EEG-Umlage?
Die EEG-Umlage ist das zentrale Förderinstrument für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Wind-, Solar- und Biogasanlagen können am Markt noch nicht mit Kohle- und Atomkraftwerken konkurrieren. Damit sie trotzdem rentabel sind, wird solchen Kraftwerken der Strom zu einem fixen Preis abgenommen. Dieser liegt deutlich über dem Preis an der Strombörse EEX. Die Differenz von Börsenpreis und fixem Abnahmepreis zahlen die Verbraucher über ihre Stromrechnung.
Warum steigt die EEG-Umlage?
Das hat zwei Gründe. Erstens, weil die absolute Menge des Ökostroms steigt. Durch die Energiewende gehen eine große Menge neuer Ökostromanlagen ans Netz. Zweitens steigt die EEG-Umlage auch relativ. Das hat paradoxerweise mit sinkenden Strompreisen zu tun. Die erneuerbaren Energien erhöhen das Stromangebot in Zeiten großer Nachfrage und senken dadurch den Strompreis an der Börse. Wenn aber der Strompreis sinkt, dann steigt die Differenz zwischen dem tatsächlichen Strompreis und dem fixen Abnahmepreis, den Betreiber von Ökostromanlagen garantiert bekommen - und die Verbraucher per EEG-Umlage ausgleichen müssen.
Zahlen alle Verbraucher die EEG-Umlage?
Im Prinzip ja. Allerdings werden ausgerechnet die größten Stromfresser der Nation entlastet. Sie genießen den Schutz der sogenannten besonderen Ausgleichsregel des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Laut dieser zahlen Firmen die volle EEG-Umlage nur für die ersten eine Million Kilowattstunden Strom, die sie verbrauchen. Für jede weitere Kilowattstunde zahlen sie nur noch zehn Prozent der EEG-Umlage, ab einem Verbrauch von zehn Millionen Kilowattstunden ist es nur noch ein Prozent, ab einem Verbrauch von 100 Millionen Kilowattstunden sind es noch 0,05 Cent. Beispiel: Die Trimet Aluminium AG verbraucht bei voller Auslastung 4,6 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr*. Die Aluminiumhütte muss also nur für rund 0,02 Prozent ihres Gesamtverbrauchs die volle EEG-Umlage zahlen.

Vor-/Nachteile der Energieträger
Die Energiewirtschaft befindet sich im Umbruch - SPIEGEL ONLINE zeigt die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Energieträger.
Erdöl
Plus: Erdöl ist der Schmierstoff industrieller Volkswirtschaften. In Deutschland deckt Öl rund 35 Prozent des Energiebedarfs - so viel wie kein anderer Rohstoff. Im Verkehrssektor gibt es momentan kaum Alternativen zu Öl: Das bestehende Tankstellennetz ist auf Benzin und Diesel ausgerichtet, die heute gängigen Motoren fahren fast nur mit diesen beiden Treibstoffen.

Minus: Der Ölpreis ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen - und mit ihm der Spritpreis. Autofahrer mussten zeitweise mehr als 1,50 Euro für Benzin zahlen. Die deutsche Volkswirtschaft verliert dadurch Milliardenbeträge, denn das Land ist fast völlig von Importen abhängig. Weltweit liegen die meisten Ölvorkommen in politisch heiklen Regionen wie dem Nahen Osten, Russland, Venezuela oder Nigeria. Versorgungskrisen kann man daher nicht ausschließen. Darüber hinaus ist Erdöl ein endlicher Rohstoff: Die bekannten Vorkommen gehen langsam zur Neige. Große neue Felder wurden in den vergangenen Jahren kaum entdeckt - und wenn, dann nur in schwierig zu erschließenden Gebieten wie der Arktis. Hinzu kommt die CO2-Problematik: Wenn Öl verbrannt wird, entsteht das Klimagas Kohlendioxid .
Erdgas
Plus: Erdgas ist der klimafreundlichste fossile Energieträger - bei der Verbrennung entsteht weniger CO2 als bei Kohle oder Öl. Außerdem halten die Vorräte noch eine Weile: Die Reichweite der Gasvorkommen wird auf rund 60 Jahre geschätzt, bei Öl sind es nur 40 Jahre. machen zudem den Zugriff auf große neue Gas-Reservoirs möglich. Ein weiterer Vorteil: Gas kann einen wichtigen Beitrag zur Stromerzeugung leisten. Denn Gaskraftwerke lassen sich schnell hoch- und runterfahren - diese Flexibilität hilft, die Schwankungen beim Windstrom auszugleichen.

Minus: Weltweit verfügen nur wenige Länder über Gasvorkommen. Entsprechend groß sind die Abhängigkeiten - Deutschland bezieht rund 40 Prozent seines Erdgases aus Russland. Problematisch ist außerdem die noch immer weit verbreitete Bindung an den Ölpreis: Je teurer Erdöl wird, desto teurer wird auch Gas. Stromkonzerne klagen bereits, dass sich Gaskraftwerke kaum mehr rentieren. Private Haushalte kennen dasselbe Problem beim Heizen - Gas ist kaum günstiger als Öl. Auch beim Autofahren stellt Erdgas keine Alternative dar: Der aktuelle Preisvorteil gegenüber Benzin und Diesel liegt nur an der steuerlichen Begünstigung.
Kohle
Plus: Kohle gibt es fast überall auf der Welt - einseitige Importabhängigkeiten wie beim Gas sind deshalb nicht zu befürchten. Auch Deutschland verfügt über nennenswerte Ressourcen: Braunkohle lässt sich ohne Subventionen fördern, für Steinkohle ist dies bei weiter steigenden Preisen zumindest denkbar. Außerdem reichen die Vorräte so lange wie bei keinem anderen fossilen Energieträger: Schätzungen gehen von rund 200 Jahren aus. Kohle eignet sich vor allem zur Stromerzeugung in der Grundlast - rund 50 Prozent des deutschen Stroms stammen aus Kohlekraftwerken .

Minus: Kein Energieträger ist so klimaschädlich wie Kohle. Bei der Verbrennung entsteht rund doppelt so viel CO2 wie bei Gas. Problematisch könnte dies vor allem dann werden, wenn man bestehende Atomkraftwerke durch neue Kohlekraftwerke ersetzt - oder wenn Elektroautos künftig in großem Stil Kohlestrom tanken. Bedenklich sind außerdem die Arbeitsbedingungen, unter denen Kohle gefördert wird : Zu den größten Produzenten zählen China, Russland und Südafrika - Länder, in denen immer wieder Bergleute ums Leben kommen.
Atomenergie
Plus: Kernkraftwerke produzieren - wenn sie einmal gebaut sind - günstigen Strom. Der Rohstoff Uran wird nur in geringen Mengen verbraucht, so dass die laufenden Betriebskosten gering sind. Atomstrom kann in der Grundlast eingesetzt werden, also unabhängig von kurzfristigen Wetterschwankungen. In Frankreich wird Atomstrom auch zum Heizen verwendet, langfristig könnten so auch Elektroautos betrieben werden. Bei der Kernenergie wird kaum CO2 freigesetzt. Sie ist damit klimafreundlicher als Kohle oder Gas.

Minus: Der größte Nachteil der Atomenergie ist das Risiko eines GAUs. Selbst wenn man dafür eine geringe Wahrscheinlichkeit unterstellt - der Schaden wäre enorm. Die Katastrophe in Tschernobyl war nur ein Vorgeschmack dessen, was im dicht besiedelten Mitteleuropa passieren würde: Tausende Opfer, auf ewig verseuchte Landstriche, Vermögensverluste in zigfacher Milliardenhöhe. Hinzu kommt die ungelöste Frage der Endlagerung : Obwohl die Kernenergie seit rund 50 Jahren genutzt wird, gibt es bis heute keine dauerhafte Deponie für die verstrahlten Abfälle. Ob es überhaupt ein sicheres Endlager geben kann, ist umstritten: Der Atommüll strahlt zum Teil mehr als 100.000 Jahre lang - was in dieser Zeit alles passiert, kann niemand vorhersagen. In jüngster Zeit wird ein weiteres Problem immer häufiger diskutiert: Was geschieht, wenn Terroristen einen Anschlag auf ein Kernkraftwerk verüben? Oder wenn sie in den Besitz von spaltbarem Material gelangen? Sicherheitsexperten haben auf diese Fragen keine abschließende Antwort.
Wasser
Plus: Die Wasserkraft ist sehr umweltfreundlich - mit geringem Eingriff in die Natur lässt sich günstig Energie gewinnen. Rund fünf Prozent des deutschen Stroms stammen aus Wasserkraftwerken. Außerdem lässt sich in Stauseen sehr gut Energie speichern: Bei einem Überangebot an Strom wird Wasser nach oben gepumpt. Bei Bedarf wird es dann abgelassen, um die Turbinen anzutreiben.

Minus: In Deutschland ist das Potential der Wasserkraft so gut wie ausgeschöpft. Fast jeder Fluss hat ein Kraftwerk, ebenso fast jeder See. Im Ausland wiederum ist die Wasserkraft zum Teil in Verruf geraten: Riesenprojekte wie der Jangtse-Staudamm in China zerstören die Natur in großem Stil.
Wind
Plus: Von allen erneuerbaren Energien ist die Windkraft in den vergangenen Jahren am stärksten gewachsen. Mittlerweile beziehen die Deutschen deutlich mehr Strom aus Windrädern als aus Wasserkraftwerken. Auch in Zukunft hat die Branche großes Wachstumspotential - vor allem offshore, also in Windparks auf dem Meer . Ein weiterer Vorteil: Die Windkraft ist verhältnismäßig günstig. Die Betreiber der Anlagen bekommen über das Erneuerbare-Energien-Gesetz nur wenig mehr Förderung als der Preis für konventionellen Strom an der Energiebörse hoch ist. Zum Vergleich: Solarstrom wird weit höher vergütet.

Minus: Kritiker halten Windräder für eine Verschandelung der Landschaft. Außerdem weht der Wind sehr unzuverlässig: Bei einer starken Brise wird das deutsche Stromnetz überlastet, bei Flaute muss Strom aus dem Ausland hinzugekauft werden. Praktikable Speicher für Windenergie gibt es bisher nicht. Ein weiterer Nachteil: Starker Wind bläst vor allem in Norddeutschland, die großen Verbrauchszentren liegen aber im Süden und Westen. Um den Strom abzutransportieren, sind zahlreiche neue Leitungen nötig .
Sonne
Plus: Die Sonne ist nach menschlichen Maßstäben eine ewige Energiequelle , und sie scheint für jeden umsonst. Hätten alle Dächer Deutschlands eine Solaranlage, könnte so ein großer Teil des hiesigen Strombedarfs gedeckt werden - klimaschonend und unabhängig von Importen. Darüber hinaus lässt sich das Sonnenlicht auch zur Warmwasserbereitung nutzen: Mit Solarkollektoren kann man herkömmliche Heizungen ergänzen und so die Energiekosten drücken.

Minus: Die Sonne hat den gleichen Nachteil wie der Wind - ihre Energie lässt sich nicht zu jeder Uhrzeit nutzen. Das größte Problem ist jedoch der Preis: Solarstrom kostet viel mehr als konventioneller Strom. Und trotz milliardenschwerer Subventionen leistet Sonnenenergie bislang nur einen geringen Beitrag zur deutschen Stromversorgung: Schätzungen schwanken zwischen einem um zwei Prozent. Damit die Photovoltaik in Mitteleuropa wettbewerbsfähig wird, müsste es eine technische Revolution geben - oder die Preise für konventionelle Energie müssten dramatisch steigen.
Biomasse
Plus: Holz, Stroh, Mais - beim Verbrennen dieser Stoffe wird nur so viel CO2 freigesetzt, wie die Pflanzen vorher der Atmosphäre entzogen haben. Biomasse lässt sich in vielen Bereichen einsetzen: zum Heizen (beispielsweise mit Holzpellets), zum Autofahren (mit Biodiesel oder Bioethanol ) oder zur Stromerzeugung (mit Biogas). Der große Vorteil: Biomasse ist gespeicherte Energie. Man kann also frei entscheiden, wann man sie nutzen möchte - anders als bei Wind- oder Solarkraft. Ein weiterer Pluspunkt: Energiepflanzen, die in Deutschland wachsen, reduzieren die Abhängigkeit von Importen.

Minus: In jüngster Zeit gerät die Bioenergie massiv in die Kritik. Denn die Pflanzen benötigen enorme Anbauflächen - und treten damit in direkte Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Gerade bei Biotreibstoffen wird das zum Problem: Lässt es sich moralisch rechtfertigen, dass die Reichen Mais tanken - während die Armen hungern? Hinzu kommt ein gigantisches Mengenproblem: Wollte Deutschland seinen gesamten Benzin- und Dieselbedarf mit Biokraftstoffen decken, wäre dafür eine Fläche nötig, die größer ist als die gesamte Bundesrepublik. Das Gleiche gilt fürs Heizen: Sollten alle Bundesbürger auf Holzpellets umsteigen, würde der deutsche Wald dafür nicht reichen - erneut wären Energie-Importe nötig.
Erdwärme
Plus: Die Wärme im Erdinneren steht rund um die Uhr zur Verfügung. Sie lässt sich sowohl zum Heizen als auch zur Stromerzeugung nutzen. Gäbe es keine Probleme mit der Bohrtechnik, könnte die Geothermie den gesamten deutschen Energiebedarf decken.

Minus: In Deutschland muss man Hunderte oder gar Tausende Meter tief bohren, um ein ausreichendes Temperaturniveau zu erreichen. Die Kosten der Geothermie sind deshalb sehr hoch. Mancherorts gibt es außerdem Probleme mit dem Grundwasser. Andere Länder sind hier aus geologischen Gründen in einer besseren Position: Island zum Beispiel deckt seinen Energiebedarf zum Großteil mit der Wärme aus dem Erdinneren.