Energiewende Macht Strom billiger und Benzin dafür teurer!

Die Energiesektoren als Ganzes denken: Die SPD will mit dieser Idee des eigenen Wirtschaftsministeriums nichts zu tun haben. Dabei wäre es der überfällige Impuls für eine echte Energiewende.

Autos, Windrad: Energiesektoren zusammendenken
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Autos, Windrad: Energiesektoren zusammendenken

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Kennen Sie den Film "Inception"? Es geht darin grob gesagt um eine möglichst clevere Strategie, anderen Menschen den eigenen Willen aufzuzwingen: Ein Gangster, gespielt von Leonardo DiCaprio, versucht mittels Drogen und futuristischer Traumtechnologie einen Gedanken so tief ins Unterbewusstsein eines Managers einzupflanzen, dass dieser am Ende denkt, es sei seine eigene Idee.

So etwas in der Art (wenn auch nicht so clever) hat offenbar gerade irgendjemand in der SPD versucht.

Am Donnerstag kursierte in einigen Tageszeitungen ein angebliches Positionspapier der Sozialdemokraten zum Thema Energiewende. In diesem finden sich auch Vorschläge für mögliche Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD. Ein Vorschlag erregte besonders viel Aufmerksamkeit: Die kommende Bundesregierung solle Strom schleunigst billiger machen, heißt es. Gegenfinanziert werden solle das ganze mit höheren Abgaben auf Heiz- und Kraftstoffe.

Das Dementi der SPD folgte prompt. Man habe mit dem Papier nichts zu tun, sagt ein Parteisprecher. Grundlage für die anstehenden Sondierungen sei das eigene Wahlprogramm - sonst nichts.

Tatsächlich wurde das Positionspapier ursprünglich von zwei Abteilungsleitern aus dem SPD-geführten Bundeswirtschaftsministerium verfasst und nur von dem zuständigen Staatssekretär Rainer Baake (Grüne) abgesegnet, nicht aber von Ministerin Brigitte Zypries (SPD). Wie das Expertenpapier zum angeblichen Positionspapier der Sozialdemokraten geworden ist, weiß angeblich niemand.

Bedauerlich ist indes, dass sich die SPD so schnell von dem Vorschlag distanziert. Denn inhaltlich ist er für die Zukunft der Energiewende genau das Richtige.

Energiewende ganzheitlich denken

Bislang ist die sogenannte Energiewende nämlich vor allem eine Stromwende gewesen: Während der Ausbau von Solar-, Wind- und Biogasanlagen im vergangenen Jahrzehnt zügig voranging, passierte in den anderen beiden, mindestens ebenso wichtigen Energiesektoren herzlich wenig.

Im Wärmebereich gibt es noch immer viel zu viele klimaschädliche Ölheizungen und viel zu wenige gut gedämmte Häuser. Und im Verkehrssektor müht sich die Regierung eher, die Folgen der Dieselaffäre für die deutsche Autoindustrie abzupuffern, statt die Elektromobilität ernsthaft voranzubringen.

Diese einseitige Energiepolitik hat unangenehme Folgen: Die Stromkosten für Unternehmen und Privatkunden gehen durch die Decke, während Verkehrs- und Wärmesektor zu viel Kohlendioxid ausstoßen. Die Regierung droht deshalb ihre Klimaziele für 2020 und 2030 zu verfehlen.

Ein vielversprechender Ausweg aus diesem Dilemma ist die sogenannte Sektorenkopplung. Hinter diesem Begriff verbirgt sich die Vernetzung von Strom-, Wärme- und Verkehrssektor, wobei alle drei Sektoren irgendwann vorwiegend aus Ökostrom gespeist werden könnten. Ein Beispiel dafür sind E-Autos anstelle von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren.

Billigerer Strom, dafür teurere Heiz- und Kraftstoffe: Ein Finanzausgleich zwischen den drei Energiesektoren wäre ein erster Schritt in eine solche Energiezukunft. Die Kosten für den Ausbau von Ökostromanlagen für die Verbraucher würden so erträglicher. Benzin- und Dieselautos würden hingegen unattraktiver, Wärmedämmung rechnete sich schneller. Und der Bundeshaushalt würde geschont.

Natürlich sollte man die drei Energiesektoren nur sehr behutsam koppeln. Sonst könnten rasch Zehntausende Arbeitsplätze oder die Versorgungssicherheit der Industrienation Deutschland auf dem Spiel stehen.

Grundsätzlich aber wäre es zu begrüßen, wenn die kommende Bundesregierung über genau dieses Thema spricht, statt wieder nur endlos über den Kohleausstieg zu streiten. Sie hätten dann nämlich die Chance, die Energiewende ganzheitlich zu gestalten.

Womit wir wieder bei Leonardo DiCaprio wären: Eine ganzheitliche Energiepolitik - das ist ein Gedanke, den man gar nicht tief genug ins Unterbewusstsein der zuständigen Politiker einpflanzen kann.

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insgesamt 375 Beiträge
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ardbeg17 05.01.2018
1.
Die Grünen haben schon vor Jahren erkannt, dass es über den Geldbeutel am besten funktioniert. Ihre Forderung nach 5DM Spritpreis hat der Wähler dann aber abgestraft. Dass die Leute heute vernünftiger sind, bezweifle ich, auch und gerade wegen der oft unqualifizierten und und unsachlichen Polemik in dieser Diskussion.
mariuscaesar 05.01.2018
2.
Wieso immer alles teurer? Es ist schon teuer genug in Deutschland. Millionen Pendler werden sich bedanken. Einfach den EEG Unsinn entrümpeln sodass alle mehr in der Tasche haben. Aber in Deutschland will man bloß nicht der Umwelt zuliebe entlasten, da muss dann gleich woanders wieder was reingeholt werden. Ekelhaft.
MikelFriess 05.01.2018
3. Guter Plan
Nachdem wir im Moment mit überteuerten Strompreisen den Stromhunger einzelner Industriezweige quer finanzieren sollen wir dann gleichzeitig noch die hypothetische Möglichkeit in 10 - 15 Jahren ein alltagstaugliches Elektromobil zu haben finanzieren. Ich habe nichts gegen Elektromobilität, ich habe etwas dagegen, das ich als Betatester für eine Fahrzeuggeneration herhalten soll mit der ich meinen Wohnwagen nicht ziehen kann, dessen Haltbarkeit über mehrere Jahre nicht getestet ist und der deutlich zu teuer ist. Baut den ÖPNV aus so dass jeder Bundesbürger zu jeder Tages und Nachtzeit spätestens alle 30 min eine Fahrtmöglichkeit in die nächste Stadt hat. Ich wohne in einer Gegend, in der es Gemeinden gibt in denen, wenn sie nicht ausfallen, 2 mal am Tag ein Bus fährt. Wie soll man denn da ohne bezahlbaren PKW wohnen?
danduin 05.01.2018
4. Energie der Zukunft ist der Strom
Energie der Zukunft ist der Strom. Irgendwann läuft alles über Strom. Das ist die Konsequenz der Energiewende, und somit muss dafür auch gesorgt werden, dass dieser billiger wird. Der Strom wird dann halt zentral und, weils anders nicht geht dezentral, aus grünen Technologien bezogen werden. Somit liegt die Verantwortung Umweltbewußte Energie zu erzeugen, beim Staat und nicht beim Verbraucher. Wie es sein sollte, da die Verbraucher nicht alle umweltbewust einkaufen.
chichawa 05.01.2018
5. Da hat doch mal wieder einer
versucht mit seinem Kommentar die eierlegende Wollmichsau ins Spiel zu bringen. Besonders toll finde ich die Feststellung, dass sich bei höheren Heizölpreisen die Wärmedämmung schneller rechnet. Ja, das stimmt, aber das sollte der Markt regeln und nicht die Quersubvention. Das lief doch schon in den letzten Jahren bei der EEG aus dem Ruder. Demnächst kommt dann wieder so etwas wie der Veggie-Day für alle. Nein danke.
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