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Energiewende: Regierung entwirft Stufenplan für Atomausstieg

Schwarz-Gelb startet das Endspiel um die Energiewende - nach SPIEGEL-Informationen will die Regierung sieben Altmeiler plus Krümmel stilllegen, die restlichen neun AKW könnten in drei Etappen ausgeknipst werden. Die Energiekonzerne müssen um den eigentumsrechtlichen Schutz bangen.

Atomkraftwerk Biblis: Streit um Altmeiler Zur Großansicht
DPA

Atomkraftwerk Biblis: Streit um Altmeiler

Hamburg - Die Atomausstiegspläne der Regierung nehmen Gestalt an. Nach SPIEGEL-Informationen will Umweltminister Norbert Röttgen den Konzernen den eigentumsrechtlichen Schutz für ihre Kernkraftwerke absprechen. Dieser sei nach spätestens 27 Jahren erloschen, wenn die Anlagen steuerlich abgeschrieben seien und einen angemessenen Gewinn abgeworfen hätten, heißt es im Umweltministerium. Diese Rechtsgrundlage würde es erlauben, auch die modernsten Kernkraftwerke in wenigen Jahren per Gesetz stillzulegen.

Gedacht wird an einen Stufenplan nach der Formel "Drei mal drei", bei dem zu drei Zeitpunkten je drei der verbleibenden neun moderneren Anlagen vom Netz gingen. Die stufenweise Abschaltung soll auch dazu dienen, die Inbetriebnahme von neuen Gaskraftwerken als Ersatzkapazitäten abzuwarten.

Die Atomkonzerne wollen sich gegen einen Eingriff in ihr Eigentum zur Wehr setzen. Einen ähnlichen Versuch habe bereits die rot-grüne Regierung unternehmen wollen, dann aber darauf verzichtet, heißt es in der Branche. E.on-Chef Johannes Teyssen, der bisher auf eine Klage gegen die schwarz-gelbe Ausstiegspolitik verzichtet hat, will sich für den Fall einer Konfrontation rechtlich alle Möglichkeiten offenhalten.

CSU drückt beim Atomausstieg aufs Tempo

Die CSU bereitet sich auf einen Ausstieg bis zum Jahr 2020, spätestens 2022 vor. Das geht aus dem Energiekonzept von Umweltminister Markus Söder (CSU) hervor, das dem SPIEGEL vorliegt. Ersetzt werden soll der Atomstrom durch Gas und erneuerbare Energien.

"Der Anteil der Gaskraftwerke an der Stromerzeugung muss auf bis zu 50 Prozent gesteigert werden", heißt es in dem Energiekonzept. "Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung wird bis 2020 auf über 50 Prozent verdoppelt."

Auch die Bundesregierung setzt bei der Energiewende auf einen Investitionsschub bei den erneuerbaren Energien. Dafür will sie die bisherige Förderung umbauen. Im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sollen künftig erstmals konkrete Ziele für den Anteil von Ökostrom gesetzlich verankert werden. Für 2020 sind 35 Prozent vorgesehen, für 2030 schon 50 Prozent, wie aus einem Eckpunktepapier zum EEG hervorgeht.

Terminprobleme gefährden Stilllegung der Alt-AKW

Zwar plant die Regierung den Turboausstieg - sie bekommt aber schon bei der Stilllegung der sieben Altmeiler massive Probleme. Wegen Terminschwierigkeiten wird sie angestrebte Änderungen im Atomgesetz wohl nicht wie geplant am 17. Juni im Bundesrat beschließen können. Obwohl das dreimonatige Moratorium eigentlich am 15. Juni endet, strebt die Regierung nun an, den Bundesrat erst am 8. Juli mit dem Ausstiegsgesetz zu befassen.

Weil die Energiekonzerne nach Ablauf des Moratoriums ihre Meiler rechtlich gesehen wieder hochfahren könnten, sondiert Kanzleramtschef Ronald Pofalla (CDU) deren Bereitschaft, die Meiler bis zum Bundesratsbeschluss vom Netz zu lassen.

Nach Informationen des SPIEGEL drängt die Regierung darauf, dass die sieben Altmeiler, die derzeit aufgrund des Moratoriums vom Netz sind, abgeschaltet bleiben - selbst wenn das Ausstiegsgesetz erst nach Ablauf des Moratoriums beschlossen wird. Die Energiekonzerne legten sich am Freitag nicht fest, wie sie auf den neuen Zeitplan der Regierung reagieren wollen. "Diese Entscheidung treffen wir, wenn sie ansteht", sagte ein E.on-Sprecher. "Und derzeit steht sie nicht an." Auch bei den Kraftwerksbetreibern EnBW und RWE wollte man sich auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nicht zur Zukunft der älteren AKW äußern.

Kauder sagt steigende Strompreise voraus

Die Strompreise in Deutschland werden nach Einschätzung von Volker Kauder aufgrund der Energiewende steigen. "Strom wird tendenziell teurer werden", sagt der Unionsfraktionschef im Gespräch mit dem SPIEGEL.

"Das wird für die Privathaushalte verkraftbar sein, aber energieintensive Unternehmen werden daran sicher schwer zu tragen haben." Deshalb müsse die Regierung darüber nachdenken, diesen Firmen unter die Arme zu greifen, etwa durch eine entsprechende Gestaltung der Stromtarife.

Für den Staat werde die Energiewende sehr teuer, sagte Kauder. Die Koalition habe im vergangenen Herbst auch deshalb die Laufzeiten der Atomkraftwerke verlängert, um die Brücke ins Zeitalter der erneuerbaren Energien zu finanzieren. "Jetzt steigen wir schneller aus, und das wird Milliardenlöcher in den Haushalt reißen."

ssu/phw

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1. Was anderes...
fatherted98 06.05.2011
....kann sich Frau Merkel im Hinblick auf die nächsten Wahlen auch nicht mehr leisten. Tja...wird interessant was die Grünen dazu sagen und wenn die Koalition grüner wird als die Grünen....hmm...dann werden die nächsten Wahlen auch wieder spannend.
2. Einfach widerlich und sinnlos,
nitram1 06.05.2011
diese Atomausstiegshysterie. Aber was will man anderes erwarten wenn man ein Cameleon als kanzlerin hat?
3. wsd
Juergen Wolfgang, 06.05.2011
Zitat von sysopDie Regierung startet das Endspiel um den Atomausstieg - nach SPIEGEL-Informationen will sie die sieben Altmeiler*plus Krümmel stilllegen, die restlichen neun AKW könnten in drei Etappen ausgeknipst werden. Den Energiekonzernen soll der eigentumsrechtlichen Schutz abgesprochen werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,760961,00.html
Zitat aus Bericht: "Das wird für die Privathaushalte verkraftbar sein, aber energieintensive Unternehmen werden daran sicher schwer zu tragen haben." Deshalb müsse die Regierung darüber nachdenken, diesen Firmen unter die Arme zu greifen, etwa durch eine entsprechende Gestaltung der Stromtarife. Zitat Ende Der Bürger hat ja Geld in Massen in der Tasche und kann die höhere Stromrechnung bezahlen. Die Unternehmen mit ihren lausigen Milliardengewinnen nagen am Hungertuch und müssen durch Steuerentlastungen oder Subventionen vor dem Bankrott gerettet werden. Ich kanns nicht glauben. Hier wird der Bürger mal wieder auf irgend eine neue Steuer vorbereitet. Vieleicht den Atom-strom-ausstiegs-solidaritätszuschlag. Den bekommen dann: E-ON, Vattenfall, RWE und ENBW als Entschädigung und die Heidelberger Cement und sonstige Firmen die viel Strom brauchen Anteilig auch. Somit hält die Lobby der Unternehmen und Stromversorger die Schnauze und der Bürger zahlt die Zeche. Immerhin will ja der Bürger nicht mit dem "Restrisiko" leben und muss daher dafür bezahlen. Nicht mehr als gerecht!! Ich lach mich weg, wie hier der Bürger verarscht werden sol kann man jetzt schon im Ansatz erkennen.
4. Hoppla hopp
bikersplace 06.05.2011
Wahnsinn - wie sich Stiefmutti um Probleme kümmert, wenn es um den Machterhalt und die Wählerstimmen geht. Schön langsam wird sie ja grüner wie die Grünen. Schade dass Sie sich mit dem selben Elan um wirkliche Proleme kümmert....
5. Hahaha --- Der Wahnsinn hat diese Regierung fest im Griff
National-Oekonom, 06.05.2011
Vernichtung von Volksvermögen - diese Regierung müsste eigentlich sofort aus dem Amt entfernt werden. Hält diese Regierung die (bisherigen) Wähler von CDU/FDP für Idioten? ---Zitat--- "Der Anteil der Gaskraftwerke an der Stromerzeugung muss auf bis zu 50 Prozent gesteigert werden", heißt es in dem Energiekonzept. "Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung wird bis 2020 auf über 50 Prozent verdoppelt." ---Zitatende--- Soso, auf Gas wird umgestiegen. Ein Produkt, dass "on demand" aus dem Ausland geliefert werden muss. ---Zitat--- "Das wird für die Privathaushalte verkraftbar sein, aber energieintensive Unternehmen werden daran sicher schwer zu tragen haben." Deshalb müsse die Regierung darüber nachdenken, diesen Firmen unter die Arme zu greifen, etwa durch eine entsprechende Gestaltung der Stromtarife. ---Zitatende--- Übersetzt heißt das: Der "Privathaushalt" trägt die Kosten der MerkelWende. Der "Privathaushalt" zahlt auch die Kosten der notwendigen Subventionen für die Großverbraucher. Die Grünen fangen an, mir sympathisch zu werden: Können die diese irre Regierung nicht irgendwie stoppen?
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Zu den Kosten des Atomausstiegs kursieren verschiedene Zahlen. Die wichtigsten Werte im Überblick:
Privatwirtschaftliche Investitionen
Für den Atomausstieg müssen neue Windräder, Solaranlagen, Biomasseanlagen und Gaskraftwerke gebaut werden. Stromleitungen müssen ausgebaut werden. Hinzu kommen Investitionen in Energieeffizienz. Nach SPIEGEL-ONLINE-Berechnungen belaufen sich die Investitionen insgesamt auf rund 170 Milliarden Euro bis 2020. Andere Forschungsinstitute kommen auf ähnliche Werte.
Haushalt
Die Politik streitet vor allem darüber, was die Energiewende für Auswirkungen auf den Haushalt hat. Die im vergangenen Jahr beschlossene Brennelementesteuer etwa sollte der Regierung jährlich 2,3 Milliarden Euro bringen. Jetzt drohen die Energieversorger, gegen die Abgabe zu klagen - ihrer Ansicht nach war sie an die Laufzeitverlängerung gekoppelt. Manche fordern neue Subventionen für Industrien mit besonders hohem Energiebedarf.

Gleichzeitig verknüpft die Regierung Ausgaben mit dem Programm, die für den Atomausstieg gar nicht nötig sind: So will sie die Mittel für die Wärmedämmung alter Gebäude steigern. Generell gilt: Entschieden ist noch nichts - für Kostenberechnungen in puncto Haushalt ist es noch zu früh.
Strompreis
Die Preise für Endverbraucher werden auf absehbare Zeit nur wenig steigen. Denn der Strom, den sie beziehen, wird stets über mehrere Jahre eingekauft. Der aktuelle Preisschub fällt vorerst kaum ins Gewicht.

Bis Ende des Jahrzehnts könnte der Preis indes um mehrere Cent steigen. Allein durch den Netzausbau und die Großhandelspreise wäre ein Anstieg um drei Cent möglich - dazu kämen Milliardenkosten aus der EEG-Umlage.ssu
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Grafiken: Deutschlands Energiewirtschaft


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