Drohender Kostenschub Rösler will Ökostrom-Förderung neu konzipieren

Anfang 2013 dürfte die Förderung der erneuerbaren Energien stark steigen - und mit ihr der Strompreis. Vizekanzler Philipp Rösler dringt auf eine radikale Lösung: Er will das entsprechende Gesetz zum Ausbau von Ökostrom von Grund auf ändern.

Windanlage, Steinkohlekraftwerk: Bei der Energiewende passt wenig zusammen
dapd

Windanlage, Steinkohlekraftwerk: Bei der Energiewende passt wenig zusammen


Berlin - Drohende Preissteigerungen durch die Energiewende werden immer mehr zum innenpolitischen Streitthema. Der Bundeswirtschaftsminister schlägt nun vor, die Förderung der Ökostromerzeugung grundlegend zu ändern. "Das heißt für mich: Wir müssen an das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ran", sagte Philipp Rösler von der FDP in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Kosten der Ökostromförderung werden im kommenden Jahr vermutlich stark steigen. Internen Szenarien zufolge könnte die sogenannte EEG-Umlage von 3,5 auf bis zu 5,3 Cent pro Kilowattstunde steigen. Nach Berechnungen des Verbraucherportals Verivox müsste ein Vier-Personen-Haushalt 2013 in diesem Fall netto rund 80 Euro mehr zahlen. Rechnet man die Mehrwertsteuer hinzu, wären wären es sogar 94 Euro mehr - eine Steigerung von gut neun Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die EEG-Umlage ist das zentrale Förderinstrument für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Wind-, Solar- und Biogasanlagen können am Markt noch nicht mit Kohle- und Atomkraftwerken konkurrieren, damit sie trotzdem gebaut werden, wird solchen Kraftwerken der Strom zu einem fixen Preis abgenommen. Dieser liegt deutlich über dem Preis an der Strombörse. Die Differenz von Börsenpreis und fixem Abnahmepreis zahlen die Verbraucher über ihre Stromrechnung.

Das EEG war zuletzt stark in die Kritik geraten. Johannes Teyssen, Chef von Deutschlands größtem Energieversorger E.on, bezeichnete es im SPIEGEL-ONLINE-Interview als unsozial - weil es vor allem Geringverdiener belastet.

Auch Jochen Flasbarth, der Präsident des Umweltbundesamtes, tritt für eine gerechtere Verteilung der Kosten der Energiewende ein. Niemand dürfe durch die Stromrechnung arm werden, sagte er am Mittwoch. Vor allem bisherige Entlastungen von Unternehmen bei den Stromkosten sollten überprüft werden.

Neue Probleme jenseits des EEG

Rösler sagte, das bisherige Fördersystem müsse effizienter gestaltet werden. Der FDP-Chef hatte in der letzten Zeit wiederholt beklagt, dass die Förderung aus dem Ruder zu laufen drohe. Für ihn sollte das EEG Energieformen wie der Photovoltaik oder der Windenergie an die Marktreife heranführen. Dieses Stadium ist für ihn aber überwunden. Wie genau das EEG umgestaltet werden kann, sagte der FDP-Mann nicht.

Tatsächlich sind in der Energiewende mittlerweile ganz andere Probleme zu lösen - jenseits des EEG. Es stellt sich unter anderem die grundlegende Frage, durch welche flexiblen konventionellen Kraftwerke die wachsende Ökostromversorgung stabilisiert werden soll. Es stellt sich die Frage, wie die Netze möglichst kosteneffizient ausgebaut werden können. Zudem muss der Ausbau der Offshore-Windenergie vorangebracht werden, doch der stockt seit Jahren.

Laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" geht ein Gesetz voran, das den Ausbau der Offshore-Windenergie beschleunigen soll. Für Stromverbraucher bedeutet dieses Gesetz weitere Kosten.

Im Kern geht es um einen Entwurf zur Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes, in dem es um die Haftung für Störungen bei der Netzanbindung von Offshore-Windkraftanlagen geht. Entschädigungen, die etwa von einem Netzbetreiber bei Störungen bezahlt werden müssten, sollen über eine Umlage weitgehend auf den Verbraucher abgewälzt werden.

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ssu/Reuters



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Seite 1
betonmischa2000 15.08.2012
1. Wenn Rösler das sagt....
Zitat von sysopdapdAnfang 2013 dürfte die Förderung der erneuerbaren Energien stark steigen - und mit ihr der Strompreis. Vizekanzler Philipp Rösler dringt auf eine radikale Lösung: Er will das entsprechende Gesetz zum Ausbau von Ökostrom von Grund auf ändern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,850286,00.html
"Johannes Teyssen, Chef von Deutschlands größtem Energieversorger E.on, bezeichnete es im SPIEGEL-ONLINE-Interview als unsozial" Wenn Rösler und Teyssen von "unsozial" sprechen dann ist wirklich gefahr in Verzug. Beide Protagonisten sind für Ihr soziales Angagement bekannt. Was da wohl dahinter steckt? Sicher nichts Gutes für Normalverdiener!
sonnigegruesse 16.08.2012
2. EON-Chef Theissen als Kornzeugen?
Herrn Theissen als Kronzeugen für den unsozialen Strompreis zu zitieren, ist ungefähr so, als würden Sie Herrn "Dr. Marlboro" zum Gefahrenpotential des Rauchens befragen! Ein Beispiel zur sozialen Kompetenz der Stromgiganten: Die Stromkonzernen haben den seit 2008 um 30 bis 40 % gesunkenen Börsenstrompreis nicht an die Verbraucher weitergegeben und so jemand soll sich kompetent zu sozialen Fragen äußern?
schoeddi 17.08.2012
3. EEG Kostenentwicklung
Bei dem weiteren, ungebremsten Ausbau der neuen Energien, wird sich der Strompreis in den nächsten 10 Jahren verdoppeln. Diese Zahlen beinhalten jedoch noch nicht die Kosten für die in 3-4 Jahren zwingende Stromspeicherung. Die heute denkbaren Speicher (Strom zu Gas, Gas zu Strom) sind technisch noch in den Kinderschuhen und die ersten Kosten-Kalkulationen ergeben einen Stromerzeugungspreis von über einem Euro! Das sind 20 mal höhere Kosten, als wir heutigen Kraftwerken (Braunkohle, Steinkohle, Kernenergie) produzieren, das ist unbezahlbar. Kein Mensch spricht dieses Thema an. Keiner stoppt den volkswirtschaftlich unvernünftigen, massiven weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien.
litholas 17.08.2012
4. ...
Zitat von schoeddiBei dem weiteren, ungebremsten Ausbau der neuen Energien, wird sich der Strompreis in den nächsten 10 Jahren verdoppeln. Diese Zahlen beinhalten jedoch noch nicht die Kosten für die in 3-4 Jahren zwingende Stromspeicherung. Die heute denkbaren Speicher (Strom zu Gas, Gas zu Strom) sind technisch noch in den Kinderschuhen und die ersten Kosten-Kalkulationen ergeben einen Stromerzeugungspreis von über einem Euro! Das sind 20 mal höhere Kosten, als wir heutigen Kraftwerken (Braunkohle, Steinkohle, Kernenergie) produzieren, das ist unbezahlbar. Kein Mensch spricht dieses Thema an. Keiner stoppt den volkswirtschaftlich unvernünftigen, massiven weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien.
Selbst für 80% EE werden noch nicht unbedingt Speicher benötigt, und diese 80% sind für 2050 geplant. Bis dahin muss noch über 5mal so viel Windkraft und PV installiert werden wie heute schon existiert. Und selbst wenn Speicher benötigt werden dann kostet die Entnahme einer kWh aus einem geeigneten Speicher maximal 50 Cent. Da nur etwa 10% des Stroms aus Speichern entnommen werden müssen, erhöhen diese Speicher den Strompreis also um maximal 5 Cent - eher weniger, denn es ist anzunehmen dass die Speicher billiger sind wenn hunderttausende mal so hohe Kapazitäten geordert werden wie heutzutage existieren.
sonnigegruesse 19.08.2012
5. Sonnenstrom kann nicht mit Atomstrom konkurrieren??
Ist doch klar warum, weil Atomstrom mit 200 Mrd. € subventioniert wurde, würden alle Kosten realistisch miteingepreist, käme eine KW/h Atomstrom auf 1,80 € (Quelle 4. Revolution Prof. Scheer) Warum ist der Spiegel nur so einseitig, wenn es um Solarstrom geht???
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