Energiewende: Verbrauchern drohen Mehrkosten wegen Öko-Umlage

Die Energiewende könnte für die Stromkunden teuer werden: Laut einer Prognose wird der Anstieg der Öko-Umlage einen Haushalt bis zu 40 Euro im Jahr kosten. Immer mehr Unternehmen werden dagegen von der Abgabe befreit. 

Berlin - Die Verbraucher werden die Kosten der Energiewende wohl bei der Stromrechnung zu spüren bekommen. Während die Umlage im kommenden Jahr mit 3,59 Cent pro Kilowattstunde etwa auf dem jetzigen Niveau bleiben wird, erwarten die großen Stromnetzbetreiber für 2013 eine Umlage zwischen 3,6 und 4,7 Cent pro Kilowattstunde. Das geht aus der am Dienstag veröffentlichten Mittelfristprognose hervor. Dies könnte für einen Durchschnittshaushalt Mehrkosten von bis zu 40 Euro pro Jahr bedeuten - mehr Ökostrom senkt aber zugleich auch die Einkaufspreise für Strom, weshalb die Mehrbelastung auch geringer ausfallen könnte.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte im Rahmen der Beschlüsse zur Energiewende betont, die Umlage solle nicht über 3,5 Cent steigen. Um dieses Versprechen einzuhalten, könnte daher der Druck steigen, etwa den Ausbau der Solarenergie stark zu drosseln. Der Wirtschaftsflügel der Union hatte wiederholt eine Förderung nur der ersten 1000 Megawatt an neu installierter Leistung ins Spiel gebracht, in diesem Jahr werden 6500 Megawatt erwartet.

Bis zum Jahr 2015 wird nach Angaben der Übertragungsnetzbetreiber eine installierte Leistung von 86 000 Megawatt (MW) aus erneuerbaren Energiequellen erwartet. Davon könnten über 90 Prozent auf Solar- und Windenergie (jeweils rund 39.000 MW) entfallen. Derzeit sind knapp 65.000 MW an erneuerbaren Energien (Wasserkraft, Geothermie, Biomasse, Wind, Photovoltaik) installiert - der Anteil an der Stromerzeugung betrug zuletzt erstmals 20 Prozent, bis 2020 soll er auf 35 Prozent steigen.

65 Milliarden Euro an Vergütungen

Die Betreiber von Biogasanlagen, Wind- oder Solarparks bekommen Vergütungen, die deutlich über dem Marktpreis für Strom liegen. Diesen Zuschlag zahlen alle Stromverbraucher über die EEG-Umlage. Je nach Verbrauch schlägt sich die Umlage mit 120 bis 150 Euro pro Jahr und Haushalt nieder. Die Vergütungssätze werden regelmäßig angepasst, um die Kosten für die Verbraucher im Griff zu halten. Seit dem Jahr 2000 wurden rund 65 Milliarden Euro an Vergütungen gezahlt. Die Branche betont, dass zwar der Ausbau der Ökoenergien zunächst teuer sei, dafür aber keine milliardenschweren Folgekosten durch Entsorgung und Umweltschäden wie bei Atom- und Kohlekraft entstünden.

Die Grünen kritisieren, der Umlageanstieg für die Verbraucher hänge vor allem mit immer mehr Ausnahmen für die Industrie zusammen: Eine wachsende Zahl von Unternehmen beteiligt sich kaum oder gar nicht mehr an den Kosten, die durch den Umbau von Deutschlands Energieversorgung entstehen. Die Regierung gewährt Firmen immer mehr Privilegien, die sie von ihrer Pflicht entbinden die Ökostrom-Abgabe zu zahlen. Aktuellen Regierungsprognosen zufolge sind 84,7 Terawattstunden verbrauchter Strom von der Umlage befreit - das entspricht rund 15 Prozent des Nettostromverbrauchs der Bundesrepublik. Ab dem Jahr 2013 werden diese Privilegien für die Industrie sogar noch ein wenig ausgeweitet. Ab dann können auch Unternehmen mit einem weit niedrigeren Stromverbrauch als bislang von der Ökostrom-Abgabe befreit werden.

Das Nachsehen haben normale Haushalte - und kleine Unternehmen. Denn den Anteil, der den Privilegierten erspart bleibt, müssen sie übernehmen. Sie zahlen also drauf.

ssu/cte/dpa

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 114 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. *
günter1934 15.11.2011
Zitat von sysopDie Energiewende könnte für die Stromkunden teuer werden: Laut einer Prognose wird der Anstieg der*Öko-Umlage einen*Haushalt bis zu 40 Euro im Jahr kosten. Immer mehr Unternehmen werden dagegen von der Abgabe befreit.* http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,798024,00.html
Tja, wie hier schon mehrfach erzählt, EE bringt Umverteilung von unten nach oben! Asozial.
2. Das ist die typische Industriepolitik der CDU/FDP.
tumatsch 15.11.2011
Der Industrie wird's in den Hintern geblasen,obwohl sie das garnicht braucht. Sie werden aber als so systemrelevant betrachtet, das "kleine" Geschenke sie im Land halten sollen. Und Merkel denkt sowieso: wenn über 80% der Deutschen die Energiewende wollen, sollen sie das auch bezahlen. Es ist zum Speien, wie verächtlich unsere politische Klasse agiert.
3. Dieser Artikel ist....
zodiacmindwarp 15.11.2011
Zitat von sysopDie Energiewende könnte für die Stromkunden teuer werden: Laut einer Prognose wird der Anstieg der*Öko-Umlage einen*Haushalt bis zu 40 Euro im Jahr kosten. Immer mehr Unternehmen werden dagegen von der Abgabe befreit.* http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,798024,00.html
die verlogenste Untertreibung des Jahres. Es ist von der Politik geplant und gewollt,dass der Normalverbraucher von elektrischer Energie die Zeche für die energiepolitischen Geisterfahrten dieser und nachfolgender Regierungen zu zahlen hat. Beschlossen von einer Regierung die lediglich den eigenen Machterhalt im Auge hat und weitergeführt von Nachfolgern die Versprechungen an die eigenen Klientel preiswert wahrmachen wollen. Also Grundsatzfragen einer gesicherten und preiswerten Energieversorgung für Jedermann, entschieden von einer technischen Laienschar von denen keiner eine Ahnung hat wie auch nur ein Bügeleisen funktioniert.Und dem Kleinverbraucher droht etwas...!! Ängste sind da durchaus berechtigt. mkg Zodiacmindwarp
4.
einbelgier 15.11.2011
Richtigstellung! Der Titel muss korrekt heissen:" Verbrauchern winken Einsparungen wegen der Energiewende" Ansonsten wäre es ja ein Wahlbetrug, es wird doch billiger durch die Energiewende, oder?
5. Am Anfang
karlauer 15.11.2011
Das wird erst die Spitze des Eisbergs sein. Denn die Öko-Energie ist nicht nur per se durch höhere Vergütungen ziemlich teuer, gleichzeitig wird auch die Wirtschaftlichkeit der konventionellen Kraftwerke herabgesetzt, da sie dem unstetigen Ökostrom Platz machen müssen. Mit dem Umstieg von Atomstrom auf Gaskraftwerke werden sich diese Erzeugungskosten bestenfalls verdoppeln, wenn durch Wind- und Sonnenenergie die Auslastung der Kraftwerke zurückgeht, dann werden auch hier die Erzeugungskosten weiter steigen. Die Erzeugung von Strom durch viele kleine Kraftwerke wird ebenfalls nochmal kräftig ins Geld gehen, denn natürlich sind Netzbelastung und Wartungskosten pro MW deutlich höher als bei Großkraftwerken. So ein "Kellerkraftwerk" verschlingt 2ct pro KWh für Schmierstoffe. Der nächste Hammer kommt dann, wenn immer mehr Gebäude saniert werden und die Kleinkraftwerke mit schlechtem Wirkungsgrad Strom produzieren, ohne dass die Wärme benötigt wird. Das sind ganz einfache Regeln, die jeder mit halbwegs technischem Verständnis ohne ideologische Scheuklappen verstehen kann.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
RSS
alles zum Thema Energiewende
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 114 Kommentare
  • Zur Startseite

Was kostet der Atomausstieg?
Zu den Kosten des Atomausstiegs kursieren verschiedene Zahlen. Die wichtigsten Werte im Überblick:
Privatwirtschaftliche Investitionen
Für den Atomausstieg müssen neue Windräder, Solaranlagen, Biomasseanlagen und Gaskraftwerke gebaut werden. Stromleitungen müssen ausgebaut werden. Hinzu kommen Investitionen in Energieeffizienz. Nach SPIEGEL-ONLINE-Berechnungen belaufen sich die Investitionen insgesamt auf rund 170 Milliarden Euro bis 2020. Andere Forschungsinstitute kommen auf ähnliche Werte.
Haushalt
Die Politik streitet vor allem darüber, was die Energiewende für Auswirkungen auf den Haushalt hat. Die im vergangenen Jahr beschlossene Brennelementesteuer etwa sollte der Regierung jährlich 2,3 Milliarden Euro bringen. Jetzt drohen die Energieversorger, gegen die Abgabe zu klagen - ihrer Ansicht nach war sie an die Laufzeitverlängerung gekoppelt. Manche fordern neue Subventionen für Industrien mit besonders hohem Energiebedarf.

Gleichzeitig verknüpft die Regierung Ausgaben mit dem Programm, die für den Atomausstieg gar nicht nötig sind: So will sie die Mittel für die Wärmedämmung alter Gebäude steigern. Generell gilt: Entschieden ist noch nichts - für Kostenberechnungen in puncto Haushalt ist es noch zu früh.
Strompreis
Die Preise für Endverbraucher werden auf absehbare Zeit nur wenig steigen. Denn der Strom, den sie beziehen, wird stets über mehrere Jahre eingekauft. Der aktuelle Preisschub fällt vorerst kaum ins Gewicht.

Bis Ende des Jahrzehnts könnte der Preis indes um mehrere Cent steigen. Allein durch den Netzausbau und die Großhandelspreise wäre ein Anstieg um drei Cent möglich - dazu kämen Milliardenkosten aus der EEG-Umlage.ssu