Reformprojekt der neuen Regierung So lässt sich die Energiewende retten

Politische Verzagtheit hat die Energiewende ineffizient, unsozial und klimaschädlich gemacht. Die neue Regierung muss einen grundlegenden Systemwandel einleiten, sonst scheitert das Jahrhundertprojekt. Was jetzt zu tun ist.

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Bausteine der Energiewende: Zeit für den Systemwandel
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Bausteine der Energiewende: Zeit für den Systemwandel


Hamburg - "Jahrhundertprojekt" nennt Angela Merkel die Energiewende. Die Energiepolitik der alten und neuen Regierungschefin hatte bislang aber nichts mit solch dekadenschwerer Rhetorik gemein. Die dringend nötige Fundamentalreform des Energiemarkts schiebt sie seit Jahren vor sich her. Stattdessen machte sie sowohl Lobbyisten aus dem Industrie- als auch aus dem Ökolager teure Zugeständnisse.

Die Energiewende ist dadurch ineffizient, unökologisch und unnötig teuer geworden. Und unsozial, weil die ausufernden Kosten ungleich verteilt werden.

In der Presse ist oft von "Fehlsteuerungen" bei der Energiewende die Rede. In Wahrheit ist es noch schlimmer. Die Regierung hat das Lenkrad längst losgelassen, gibt in puncto Reformtempo aber weiter Vollgas. Wenn das so weitergeht, fährt sie die Energiewende bald gegen die Wand.

Nach der Wahl soll alles besser werden. Die Kanzlerin hat versprochen, die überfällige Reform des Energiesystems mit ihrer neuen Regierung rasch anzugehen. Ein Briefing, was passieren muss.


1. AUSBAU DER ERNEUERBAREN ENERGIEN

Offshore-Wind vs. Biomasse: Vorrang für geeignete Technologien
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Offshore-Wind vs. Biomasse: Vorrang für geeignete Technologien

Aktueller Stand : Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist der Motor der Energiewende. Je schneller er vorangeht, desto schneller muss sich auch alles andere verändern: die Rolle der bestehenden Kraftwerke, das Stromnetz, der Energiemarkt. Seit 2010 röhrt der Motor auf vollen Touren. Die Bundesländer liefern sich ein Wettrennen, wer am schnellsten die meisten Anlagen baut und die meiste Förderung abgreift. Es spielt dabei keine Rolle, ob man zu viel baut - oder an falscher Stelle. Die Entwicklung in allen anderen Bereichen kann mit diesem Tempo nicht schritthalten. Der Ausbau der erneuerbaren Energien erfolgt zu schnell und zu unstrukturiert.

Was jetzt passieren muss : Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das zentrale Förderinstrument, muss weiterentwickelt werden. Derzeit ist es nur darauf ausgelegt, den Ausbau anzuschieben; künftig muss es ihn stärker steuern. Für die Weiterentwicklung des EEG gibt es viele Ideen (Übersicht). Ganz gleich, welche Kombination dieser Konzepte die Regierung wählt, ihre EEG-Reform sollte unter folgenden Prämissen erfolgen.

  • Das Tempo des Ausbaus leicht drosseln.
  • Genauer definieren, mit welchen Technologien sich der Anteil der erneuerbaren Energien besonders kostengünstig steigern lässt - und wo in Deutschland entsprechende Anlagen stehen müssen.

Unbedingt vermeiden : Der Ausbau der erneuerbaren Energien darf nicht abwürgt werden. Diese Gefahr besteht zum Beispiel bei dem oft geforderten Quotenmodell, das Energieversorger verpflichten würde, einen bestimmten Anteil Ökostrom zu liefern, egal aus welcher Technologie. Neue Anlagen befänden sich dadurch in einem permanenten Konkurrenzkampf; es wäre zu unsicher, ob man seine Investitionskosten je wieder reinbekommt.

Die Regierung sollte zudem nicht länger an ihren pompösen Ausbauplänen für Offshore-Windparks festhalten. Denn die Kosten von deren Technikproblemen und Planungschaos werden auf die Verbraucher abgewälzt. Deutlich günstiger wird die Energiewende mit weniger Hochsee-Windparks - und mehr Ökostromanlagen an Land.


2. UMBAU DES KRAFTWERKSPARKS

Kohlemeiler Staudinger, Pumpspeicher Niederwartha: Chaos im Kraftwerkpark
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Kohlemeiler Staudinger, Pumpspeicher Niederwartha: Chaos im Kraftwerkpark

Aktueller Stand : Der Ausbau der erneuerbaren Energien verändert den gesamten Kraftwerkspark. Da die Regierung es seit Jahren versäumt, diesen Prozess zu steuern, regiert inzwischen das Chaos.

  • Durch den Boom der erneuerbaren Energien wächst die Stromproduktion rasant. Gleichzeitig versuchen die großen Versorger, ihre bestehenden Kraftwerke möglichst lange weiterzubetreiben. Die Folgen sind wachsende Überkapazitäten, überlastete Stromnetze und ein fallender Strompreis.
  • Da der Verkauf von Strom immer weniger einbringt, werden ausgerechnet jene Technologien unrentabel, die im künftigen Kraftwerkspark eine Schlüsselrolle spielen: flexible Gaskraftwerke, Pumpspeicher.
  • Besonders profitabel sind dagegen alte abgeschriebene Braunkohlekraftwerke. Die Folge: Deutschlands CO2-Ausstoß steigt. Trotz Energiewende.

Was jetzt passieren muss : Die Regierung muss geeignete Rahmenbedingungen für den Wandel des Kraftwerkparks schaffen. Dessen Basis bildeten bislang große Atom- und Kohlemeiler, die möglichst lange mit voller Kraft durchliefen; zum Ausgleich von Nachfrageschwankungen reichten wenige Gaskraftwerke. Künftig bilden Hunderttausende Kleinanlagen mit unregelmäßiger Stromproduktion die Basis, vor allem Windräder und Solaranlagen auf Hausdächern. Das restliche Energiesystem muss dadurch viel flexibler werden.

Es gibt eine Menge innovative Ansätze dafür: zentrale und dezentrale Speicher; die Anpassung des Stromverbrauchs an die Produktion; Technik, die Kohlekraftwerke flexibler und CO2-ärmer macht; eine europaweite Versorgung, die Schwankungen zwischen Ländern ausgleicht; eine bessere Regulierung der Netzspannung durch moderne Technik in Wind- und Solaranlagen. Die Regierung muss Marktbedingungen schaffen, die solche Ansätze fördern - und unflexible und klimaschädliche Kraftwerke unrentabel machen.

Unbedingt vermeiden : Industrie und Energieversorger drängen darauf, alte, kaum noch aktive Kraftwerke dafür zu vergüten, dass sie im Notfall Strom produzieren. Die Kosten würde der Verbraucher tragen. Dieser sogenannte Kapazitätsmarkt bremst alle innovativeren Ansätze. Er sollte die Ultima Ratio sein und wenn überhaupt nur sehr sparsam eingesetzt werden.


3. GERECHTERE VERTEILUNG DER KOSTEN

Stromlose Wohnung, privilegierte Industrie: Unfaire Verteilung der Kosten
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Stromlose Wohnung, privilegierte Industrie: Unfaire Verteilung der Kosten

Aktueller Stand : Während sich vor allem reiche Hausbesitzer geförderte Solaranlagen aufs Dach schrauben, können immer mehr Geringverdiener und Hartz-IV-Empfänger ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen und sitzen teils zu Hause im Dunkeln. Dazu befreit die Regierung Jahr für Jahr mehr Industriebetriebe weitgehend von den Kosten der Energiewende. Der Umbau der Versorgung wird dadurch unsozial.

Was jetzt passieren muss: Die Regierung muss eine bessere Balance zwischen Industriepolitik und Verbraucherschutz schaffen. Einkommensschwache Verbraucher sollten entlastet werden; Betriebe zum Teil stärker belastet. Der durchschnittliche Anteil der Energiekosten an der Wertschöpfung der deutschen Unternehmen liegt im Schnitt bei weniger als zehn Prozent - Deutschland droht nicht gleich die Deindustrialisierung, wenn die Regierung Schlachthäusern und Golfplätzen die Stromprivilegien streicht.

Unbedingt vermeiden : Eine Fortsetzung der bisherigen Klientelpolitik. Denn durch diese verliert die Energiewende Rückhalt in der Bevölkerung.

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Seite 1
endrag 24.09.2013
1. Viel zu kurz gesprungen
Die Energiewende ist vor allem deshalb am scheitern, weil praktisch nur auf die Stromproduktion geschaut wird. Dabeiseist die Wärmeerzeugung der Bereich, für den in D die meiste Energie ver(sch)wendet wird. Nur die Kopplung der Stromerzeugung über kleine, dezentrale Kraft-Wärme-Kraftwerke, kann zu einer effektiven Energiewende führen. Großkraftwerke dürfen in D nicht mehr neu gebaut werden und die schwankende Stromerzeugung sollte in D nicht über Speicher, sondern über Nahwärmekonzepte gelöst werden. Überschüssigen Strom muss man nicht verschenken oder verschleudern, sondern kann ihn problemlos in Wärme umwandeln, die über Stunden gespeichert reden kann. Blockheizkraftwke können, wenn sie intelligent gesteuert werden, die Schwankungen der EE ausgleichen. Gleichzeitig ginge der Verbrauch an fossilen Energieträgern deutlich zurück, für die wir derzeit rund drei Prozent des BIPs ausgeben, mit steigender Tendenz.
kurswechsler 24.09.2013
2. Alles hübsch zusammengestellt ...
Alles hübsch zusammengestellt in dem Artikel und von vielen Foristen hier schon vor Jahr und Tag vorhergesagt. Was allerdings immer noch fehlt, ist die Erkenntnis, das wir uns nach wie vor nicht von der Thermo-Dynamik abkoppeln können und keine neue effiziente Großtechnologie zur Stromerzeugung besitzen und es ibs. nicht mit den landschaftszerstörenden Windmühlen getan ist. Evtl. sollte man auch mal wieder schauen, was der Rest der Welt so in Sachen Energiewirtschaft treibt. Nämlich nichts von dem, was Deutschland derzeit praktiziert und sich fragen, warum der Strom anderswo so viel billiger ist?!
mundusvultdecipi 24.09.2013
3. Nun..
Zitat von sysop[M] DPA;DPA;DPAPolitische Verzagtheit hat die Energiewende ineffizient, unsozial und klimaschädlich gemacht. Die neue Regierung muss einen grundlegenden Systemwandel einleiten, sonst scheitert das Jahrhundertprojekt. Was jetzt zu tun ist. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/energiewende-vorschlaege-fuer-umbau-des-kraftwerkparks-a-922736.html
..durch den Abgang der FDP ist schon mal der grösste Feind der E-Wende verstorben und somit das Quotenmodell und das EEG Moratorium...eine der letzten Schapsideen von Brüderle.....!
kalumeth 24.09.2013
4. so einfach ist das doch
Das monatliche Existenzmimum eines persönlichen Energieverbrauchs (Strom, Treibstoff und Heizwärme jeweils auf H4-Niveau) gehört steuerreduziert oder ganz -befreit. Jeder darüber hinaus gehende Verbrauch muss von Industrie und Verbraucher gleich hoch berappt werden. Importe, die mit billigerer Energie hergestellt wurden, werden dementsprechen nachverzollt. Kleiner Nebeneffekt: beim Zoll und in den Finanzämtern werden dadurch -ganz im Dienste der Umwelt- auch viele neue Arbeitsplätze geschaffen!
makuzei 24.09.2013
5. massiver Ausbau der Kernkraft muss nun erfolgen
nein-das alles muss nicht gemacht werden,sondern ein massiver Ausbau der Kernkraft muss nun erfolgen-notfalls erzwungen durch die eu - es widerspricht dem hehren gedanken der wirtschaftsunion,wenn fr hier keine akw hinstellen darf - wie geht denn so was? das soll eine eu sein? Internationale Grüne wollen Kernkraftwerke http://www.youtube.com/watch?v=t4fYofl24Bc
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