Wirtschaft


Entscheidung in Düsseldorf: NRW-Zitterwahl gefährdet schwarz-gelbe Großprojekte

Von Sven Böll, Stefan Schultz und Christian Teevs

4. Teil: Werden die Laufzeiten der Atommeiler dennoch verlängert?

Außenminister Westerwelle und Kanzlerin Merkel: Bangen um NRWZur Großansicht
ddp

Außenminister Westerwelle und Kanzlerin Merkel: Bangen um NRW

Das Gezerre um Deutschlands Atomzukunft hat für die Energiewirtschaft weitreichende Folgen, für die Konzerne geht es um ein Mega-Geschäft. Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) rechnet damit, dass die vier großen Energieversorger bei einer Laufzeitverlängerung um 25 Jahre und einem Strompreis von 80 Euro pro Megawattstunde gut 233 Milliarden Euro einstreichen würden. Der Bremer Energieexperte Wolfgang Pfaffenberger beziffert die Gewinne sogar auf bis zu 339 Milliarden Euro - bei einer Laufzeitverlängerung von 60 Jahren und einem durchschnittlichen Strompreis von 120 Euro pro Megawattstunde:

Atom-Comeback
Was die Energieriesen am Atom-Comeback verdienen könnten.
Für die Bundesregierung steht vor allem ihre Glaubwürdigkeit auf dem Spiel. In ihrem Koalitionsvertrag haben Union und FDP versprochen, die Laufzeiten für Atomkraftwerke zu verlängern. Voraussetzung sei die "Einhaltung der strengen deutschen und internationalen Sicherheitsstandards". Einen Teil der zusätzlichen Atomprofite will die Regierung abschöpfen und in den Ausbau erneuerbarer Energien stecken.

Die Verhandlungen befinden sich noch in einem frühen Stadium; derzeit lässt die Regierung von Forschungsinstituten prüfen, was eine Laufzeitverlängerung um bis zu 28 Jahre bedeutet. Beobachter gehen davon aus, dass die langsam voranschreitenden Verhandlungen politisch durchaus gewünscht sind. Kanzlerin Merkel wolle vermeiden, dass das Thema Atomkraft den Wahlkampf in NRW bestimme. Tatsächlich spaltet das Thema Kernkraft wie kaum ein anderes die Bevölkerung.

Zustimmungspflicht des Bundesrats umstritten

Und tatsächlich könnte die Wahl in NRW die Pläne zur Laufzeitverlängerung durchkreuzen. Denn verliert Schwarz-Gelb die Mehrheit im Düsseldorfer Landtag, ist auch die Mehrheit für eine Laufzeitverlängerung futsch. Die Grünen haben bereits angekündigt, den Plan von Union und FDP zu blockieren. Auch die SPD dürfte eine Laufzeitverlängerung kaum mittragen: Der SPD-Chef und frühere Umweltminister Sigmar Gabriel hatte vor der Bundestagswahl im September 2009 einen aggressiven Anti-Atom-Wahlkampf geführt.

Wie fundiert die Drohungen der Opposition sind, ist indes noch nicht klar. Denn es ist durchaus umstritten, ob der Bundesrat bei der Verlängerung der Atomlaufzeiten überhaupt mitreden darf. Das Atomgesetz ist wegen seiner weit reichenden Bedeutung für die Länder grundsätzlich ein sogenanntes Zustimmungsgesetz. Das heißt: Es muss vom Bundesrat abgesegnet werden.

Inwieweit Änderungen von Zustimmungsgesetzen allerdings ihrerseits der Zustimmungserfordernis des Bundesrats unterliegen, "ist umstritten", heißt es in einer internen Untersuchung, die der hessische CDU-Ministerpräsident Roland Koch und der damalige baden-württembergische CDU-Ministerpräsident Günther Oettinger Ende September 2009 an die Bundeskanzlerin schickten.

"Das Bundesverfassungsgericht hat festgestellt, dass dies nicht generell gelte, jedoch dann, wenn das Gesetz durch die Änderung eine neue Tragweite und Bedeutung für den Vollzug durch die Länder erfahre", heißt es in der Untersuchung. Unsicher sei, ob eine erhebliche Ausweitung der Atomstromproduktion diese Voraussetzung erfülle. Generell spreche mehr dafür, dass die geplanten Änderungen des Atomstromgesetzes nicht der Zustimmung des Bundesrats unterliegen. Länder, die eine Verlängerung der Laufzeiten nicht mittragen, könnten dennoch versuchen, das Zustimmungsrecht geltend zu machen.

Fazit: Weil es keine abschließende Rechtssicherheit darüber gibt, ob der Bundesrat einer Laufzeitverlängerung der Atommeiler zustimmen muss, dürfte im Falle einer Niederlage von Union und FDP in NRW ein monatelanger politischer Zoff drohen.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
Auf anderen Social Networks teilen
  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
insgesamt 76 Beiträge
delta058 06.05.2010
Die Regierung hatte bis jetzt Zeit ihre Projekte, die sie ja nicht erst seit gestern in der Schublade hatte, umzusetzen und hat nichts geleistet außer Geld zum Fenster raus zu werfen.
Zitat von sysopKopfpauschale, Steuersenkung, längere Laufzeiten für AKW - die Regierung hat in der Wirtschaftspolitik große Pläne, braucht aber eine Mehrheit im Bundesrat. Die ist futsch, wenn Schwarz-Gelb bei der NRW-Landtagswahl verliert. SPIEGEL ONLINE analysiert, was dann aus den Prestigeprojekten wird. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,692925,00.html
Die Regierung hatte bis jetzt Zeit ihre Projekte, die sie ja nicht erst seit gestern in der Schublade hatte, umzusetzen und hat nichts geleistet außer Geld zum Fenster raus zu werfen.
altmannn 06.05.2010
Sollte man nicht erst mal den Wahlausgang abwarten? Eine Menge Wähler wird die "Argumentation" von Rüttgers: "Hilfe, es droht rotrotgrün!" Nachvollziehen und FDP wählen. Das klappte bisher überall. A.
Zitat von sysopKopfpauschale, Steuersenkung, längere Laufzeiten für AKW - die Regierung hat in der Wirtschaftspolitik große Pläne, braucht aber eine Mehrheit im Bundesrat. Die ist futsch, wenn Schwarz-Gelb bei der NRW-Landtagswahl verliert. SPIEGEL ONLINE analysiert, was dann aus den Prestigeprojekten wird. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,692925,00.html
Sollte man nicht erst mal den Wahlausgang abwarten? Eine Menge Wähler wird die "Argumentation" von Rüttgers: "Hilfe, es droht rotrotgrün!" Nachvollziehen und FDP wählen. Das klappte bisher überall. A.
"Kopfpauschale, Steuersenkung, längere Laufzeiten für AKW - die Regierung hat in der Wirtschaftspolitik große Pläne, braucht aber eine Mehrheit im Bundesrat. Die ist futsch, wenn Schwarz-Gelb bei der NRW-Landtagswahl [...]
"Kopfpauschale, Steuersenkung, längere Laufzeiten für AKW - die Regierung hat in der Wirtschaftspolitik große Pläne, braucht aber eine Mehrheit im Bundesrat. Die ist futsch, wenn Schwarz-Gelb bei der NRW-Landtagswahl verliert. SPIEGEL ONLINE analysiert, was dann aus den Prestigeprojekten wird." Kopfpauschale, Steuersendung, längere Laufzeiten für AKW sind PRESTIGEPROJEKTE??? sind GROßE PLÄNE??? Ihr spinnt doch bald alle! Wählt dieses Desaster endlich ab!
Baikal 06.05.2010
Und die Leute zu belügen: der Vorsitzende des Finanzausschusses, Wissing, (Möwenpigs) behaupte just im DLF, die Steuersenkung (Hoteliers) habe sich jetzt schon dank des dadurch eingetretenen besseren konjunkturellen Verlaufs [...]
Zitat von delta058Die Regierung hatte bis jetzt Zeit ihre Projekte, die sie ja nicht erst seit gestern in der Schublade hatte, umzusetzen und hat nichts geleistet außer Geld zum Fenster raus zu werfen.
Und die Leute zu belügen: der Vorsitzende des Finanzausschusses, Wissing, (Möwenpigs) behaupte just im DLF, die Steuersenkung (Hoteliers) habe sich jetzt schon dank des dadurch eingetretenen besseren konjunkturellen Verlaufs vollständig finanziert. Leider nahm die Moderatorin diese Behauptung - wenn au h hörbar etwas sprachlos - ohne Wiederrede hin. Aber so wollen sie weitertäuschen, die Volksbetrüger.
mackeldei 06.05.2010
Die CDU will keine Kopfpauschale.Hier will jemand mit Schlagwörtern Meinung machen.
Zitat von sysopKopfpauschale, Steuersenkung, längere Laufzeiten für AKW - die Regierung hat in der Wirtschaftspolitik große Pläne, braucht aber eine Mehrheit im Bundesrat. Die ist futsch, wenn Schwarz-Gelb bei der NRW-Landtagswahl verliert. SPIEGEL ONLINE analysiert, was dann aus den Prestigeprojekten wird. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,692925,00.html
Die CDU will keine Kopfpauschale.Hier will jemand mit Schlagwörtern Meinung machen.
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
alles zum Thema Landtagswahl NRW 2010

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Donnerstag, 06.05.2010 – 12:15 Uhr
  • Drucken Versenden Feedback
  • Kommentieren | 76 Kommentare
Grafik: FDP-SteuerstufenmodellZur Großansicht
SPIEGEL ONLINE

Grafik: FDP-Steuerstufenmodell


Wer sind Ihre Wahlkreisabgeordneten? Welche Positionen vertreten sie? Auf abgeordnetenwatch.de können Sie alle Bundestagsabgeordneten öffentlich befragen.

Einfach Postleitzahl eingeben.








TOP



TOP