Handel mit EU Entwicklungsminister Müller fordert Zollfreiheit für afrikanische Produkte

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller fordert einen offeneren Handel der EU mit Afrika. Speziell Agrarprodukte sollten zollfrei auf den europäischen Markt importiert werden können. Dies könne auch die Migration bremsen.

Gerd Müller auf einer Kakao-Plantage 2017 in der Elfenbeinküste
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Gerd Müller auf einer Kakao-Plantage 2017 in der Elfenbeinküste


Die Europäische Union sollte ihre Märkte nach Ansicht von Entwicklungsminister Gerd Müller für sämtliche Güter aus Afrika öffnen. Besonders Agrarprodukte sollten zoll- und quotenfrei eingeführt werden können, um in Afrika Jobs für Millionen arbeitslose junge Menschen zu schaffen, sagte der CSU-Politiker der "Welt". Dies könne auch die Migration Richtung Europa bremsen. "Ich bin mir sicher: Afrikas Jugend will und wird sich nicht auf die Flucht begeben und in der Heimat bleiben, wenn es Arbeit und Zukunftsperspektiven gibt."

Europa könne sich dennoch nicht völlig abschotten, sagte Müller. Im Rahmen eines EU-Afrika-Abkommens müssten die EU-Staaten auch legale Möglichkeiten eröffnen, um in Europa zu arbeiten. "Klar ist aber auch, dass wir von den afrikanischen Ländern im Gegenzug verlangen, abgelehnte Asylbewerber ohne Duldung zurückzunehmen."

Müller bemängelte, dass sich bislang nur 1000 von 3,5 Millionen deutschen Unternehmen in Afrika engagierten. Dabei hätten 42 von 54 afrikanischen Ländern im vergangenen Jahr ein höheres Wirtschaftswachstum als Deutschland gehabt. "Das zeigt, welche enorme Dynamik Afrika entwickeln kann."

In den kommenden zehn Jahren werde in afrikanischen Städten mehr gebaut werden, als dies in den vergangenen 100 Jahren in Europa der Fall gewesen sei, sagte Müller. Doch derzeit seien vor allem chinesische, türkische und russische Unternehmen auf dem Kontinent aktiv.

Video: Afrikanische Visionen

mmq/dpa



insgesamt 129 Beiträge
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DougStamper 08.08.2018
1. Man glaubt es kaum
aber bei der csu gibts sogar noch Leute die dem s im Namen gerecht werden. Super Vorschlag Herr Müller. Weiter so.
a.usemann 08.08.2018
2. Ein Zeichen?
Es ist allerhöchste Zeit, dass Europa, wenn es schon Afrika destabilisiert hat und dem Kontinent sein Weltbild aufgedrängt hat, dessen Folgen es bis heute nicht zu verarbeiten können scheint, dass es nun endlich anfängt Afrika auch zu integrieren. Insofern, klingt gut, ist es realistisch? Aber die große Gefahr ist doch auch, dass wir da weitere Industrien heranzüchten, die fossile Brennstoffe verheizen, oder irre ich mich da?
Helina 08.08.2018
3. Mehr Gerechtigkeit
Ob das so einfach geht mit der Zollfreiheit, weiss ich nicht, aber das ist endlich ein richtiger Ansatz: mehr Gerechtigkeit im Handel mit afrikanischen Staaten.
bebreun 08.08.2018
4. Müller trotz CSU sympatisch
Müllers Vorschläge sind nicht von der Hand zu weisen. Die Forderung nach Zollfreiheit für afrikanische Landwirtschaftsprodukte wird sicher den Widerstand der europäische Bauern provozieren. Die beschriebenen globalen Auswirkungen auf Migration und Zusammenarbeit sind allerdings höher zu bewerten. Wenn zum Schutz der Verbraucher europäische Standards sichergestellt sind, können die beiden Kontinente Afrika und Europa nur profitieren. Müller ist der einzige Lichtblick der CSU-Gestalten in unserer Bundesregierung.
Leser161 08.08.2018
5. Ja
Ob dieser konkrete Vorschlag sinnvoll ist kann ich nicht sagen. Jeder Vorschlag jedoch der versucht Migrationsursachen zu bekämpfen geht in die richtige Richtung.
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