Erbschaftsteuerreform Steuern sparen wie ein Boss

Die Regierung reformiert die Erbschaftsteuer - aber keine Sorge: Als Unternehmer haben Sie weiter gute Chancen, dem Fiskus zu entkommen. Eine Anleitung für Firmenerben.

Erfolgreicher Unternehmer (Symbolbild)
Getty Images

Erfolgreicher Unternehmer (Symbolbild)

Von


Erst einmal herzlichen Glückwunsch - Sie haben ein Unternehmen geerbt oder geschenkt bekommen!

Fühlt sich vielleicht erst mal komisch an, ist in Deutschland aber gar nicht so ungewöhnlich: Allein 2014 wurden fast 50 Milliarden Euro an Betriebsvermögen vererbt oder vorzeitig per Schenkung übertragen. Das war fast die Hälfte der insgesamt übertragenen Summe und mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Der Grund: Viele Chefs haben ihr Haus vorzeitig bestellt, um der Erbschaftsteuerreform zuvorzukommen.

Damit dürfte es bei Ihnen leider knapp werden. Man glaubte fast nicht mehr daran, aber kurz vor Ablauf einer Frist des Bundesverfassungsgerichts Ende Juni haben Union und SPD sich jetzt doch noch auf eine Reform geeinigt. Nach dem Beschluss durch Bundestag und Bundesrat soll sie rückwirkend ab 1. Juli 2016 gelten.

Doch keine Panik: Als Unternehmer haben Sie weiterhin gute Chancen, dem Fiskus weitgehend zu entkommen. Auch nach der Reform können Sie 85 oder gar 100 Prozent des Betriebs steuerfrei übernehmen. Denn der Staat will auf keinen Fall Jobs gefährden. Im Gegenzug verlangt er nur, dass Sie für einige Jahre nicht in großem Stil Mitarbeiter entlassen oder Gehälter kürzen.

Zählen Sie ruhig erst einmal nach, wie viele Leute bei Ihnen arbeiten. Bei bis zu fünf Mitarbeitern müssen Sie das mit den gleichbleibenden Gehältern schon mal nicht nachweisen. Bedanken können Sie sich für diese und andere Erleichterungen bei der CSU. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wollte diese vom Verfassungsgericht kritisierte Bagatellgrenze eigentlich von 20 auf drei Mitarbeiter senken.

VW hat eindeutig zu viele Mitarbeiter für die Bagatellgrenze
DPA

VW hat eindeutig zu viele Mitarbeiter für die Bagatellgrenze

Jetzt kommt auch schon die kniffligste Frage: Wie groß ist Ihr Betriebsvermögen? Dazu zählt erst mal alles, was Sie für Ihren Betrieb brauchen, etwa Maschinen oder Fabrikhallen. Prinzipiell ausgeschlossen ist dagegen Verwaltungsvermögen - zum Beispiel Gebäude, die Sie an Dritte vermietet haben, Bargeld oder auch Ihre Gemäldesammlung. Um die Abgrenzung wurde besonders lange gerungen.

Künftig werden nun bis zu zehn Prozent des Verwaltungsvermögens als Betriebsvermögen behandelt. Besonders gut wäre es, wenn Sie zufällig eine Brauerei mit eigenen Gaststätten oder eine Tankstellenkette geerbt haben. Weil hier die Grundstücke zum Absatz der eigenen Produkte benötigt werden, sind sie ebenfalls begünstigt. Auch Unternehmensbeteiligungen außerhalb der EU können auf Druck der CSU begünstigt werden. Beträgt das Verwaltungsvermögen allerdings mehr als 90 Prozent des Betriebsvermögens, wird es leider nix mit der Verschonung.

Grundsätzlich nicht begünstigt ist auch Ihr Privatvermögen. Doch auch hier gibt es nach wie vor Spielräume. So könnte etwa Ihr Porsche zum Betrieb gehören, wenn Sie ihn zu mehr als zehn Prozent für Dienstfahrten nutzen.

Auch Brauereigaststätten werden verschont
DPA

Auch Brauereigaststätten werden verschont

In einem Punkt macht es Ihnen die Erbschaftsteuerreform sogar leichter: Künftig können Sie den Wert Ihres Unternehmens als 10- bis 12,5-Faches des Jahresgewinns berechnen - statt wie bislang als das knapp 18fache. Eine gute Nachricht. Denn wenn Ihr Unternehmen auf dem Papier weniger wert ist, müssen Sie darauf natürlich auch weniger Steuern zahlen. Begründet wird die Änderung mit den derzeitigen Niedrigzinsen: Der aktuelle Zinssatz spielt eine entscheidende Rolle für die Schätzung künftiger Gewinne. Das von den Notenbanken auf nahe Null gedrückte Niveau der Zinsen führte nach Ansicht der Koalition jedoch zu unrealistisch hohen Unternehmensbewertungen.

Fertig gerechnet? Dann herzlichen Glückwunsch, sofern Ihr Betriebsvermögen weniger als 26 Millionen Euro beträgt! Sie müssen keine spezielle Prüfung absolvieren, um in den Genuss der Steuerverschonung zu kommen. Und das ist ziemlich wahrscheinlich: Nur etwa ein Prozent der übertragenen Betriebsvermögen liegt über dieser Schwelle. Selbst der ursprünglich geplante Schwellenwert von 20 Millionen Euro hätte weniger als zwei Prozent der Betriebe betroffen. Dennoch ließ sich Schäuble zu einer großzügigeren Regelung überreden.

Ihr Betriebsvermögen liegt leicht über 26 Millionen Euro, Sie erben jedoch ein Familienunternehmen? Dann ebenfalls Glückwunsch: Ihre Lobbyverbände haben für Sie viele Vorteile herausgehandelt. So dürfen Sie bis zu 30 Prozent von Ihrem Vermögenswert abziehen, sofern Sie für zwei Jahre vor und 20 Jahre nach Erbschaft oder Schenkung nicht an die Börse gehen und Entnahme und Ausschüttung Ihrer Gewinne sowie Anteilsverkäufe einschränken. Die CSU wollte diese Frist auf 10 Jahre verkürzen.

Angela Merkel beim Tag des Deutschen Familienunternehmens
DPA

Angela Merkel beim Tag des Deutschen Familienunternehmens

Und noch einen Vorteil haben Sie: Ihr Verwaltungsvermögen kann steuerfrei bleiben, wenn Sie es innerhalb von zwei Jahren in den Betrieb investieren. Das geht allerdings nur bei Erbschaften und wenn es schon vor dem Tod des Firmenchefs festgelegt wurde. Eine von der CSU geforderte Ausweitung auf Schenkungen kommt nicht.

Gehören Sie trotz allem zu dem einen Prozent, dessen steuerliche Verschonung künftig geprüft werden soll? In diesem Fall kann der Fiskus bis zur Hälfte Ihres Privatvermögens heranziehen, um die Steuerschuld zu begleichen.

Falls Sie es aber unangenehm finden, wenn der Staat sich so ausführlich mit Ihrer Villa oder Ihrem Porsche beschäftigt, können Sie immer noch das sogenannte Abschmelzmodell wählen. Sie müssen Ihr Privatvermögen dann nicht offenlegen, dafür sinkt der Anteil des verschonten Betriebsvermögens um einen Prozentpunkt pro 750.000 Euro. Oberhalb von 90 Millionen Euro ist allerdings Schluss mit dem Abschmelzen. Auf Druck der SPD gibt es zudem keinen Mindestbetrag mehr, der vom Abschmelzen verschont bleibt.

Das wärs im Wesentlichen. Sie müssen nun trotz allem zahlen? Ärgerlich, aber Existenzängste sollte es Ihnen nicht bereiten. In Erbfällen haben Sie künftig einen Rechtsanspruch darauf, dass Ihre Steuerschuld bis zu zehn Jahre zinslos gestundet wird. Eine von vielen Regelungen, um die Sie viele normale Erben auch in Zukunft beneiden dürften.

insgesamt 156 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Grummelchen321 20.06.2016
1. Bgh
nur eine Frage der Zeit bis das BGH das wieder kassiert wegen ungleichbehandlung.Einfach zum totlachen.wird zeit die Deppen da oben wirklich zu ersetzen.
kladderadatsch 20.06.2016
2. Eine Bevorzugung von Unternehmenserben ist verfassungswidrig!
und wird sicherlich wieder vom BVG einkassiert. Vor dem GG sind alle gleich. Die einfachste Lösung wäre, der Staat wird im Rahmen der Erbschaft stiller Teilhaber der Unternehmen. Dann wären keine Arbeitsplätze gefährdet und die Erben können die Steuerschuld in Ruhe abarbeiten.
Knuffelbeest 20.06.2016
3. Fertig ...
... mit dem sozialistischen "Reichen"- bashing?
franz.v.trotta 20.06.2016
4. Glückliche Firmenerben
Bei einer Wochenarbeitszeit von 37,7 Stunden und einem Mindestlohn von 8,50 Euro erhält ein Arbeitnehmer einen monatlichen Bruttolohn von 1388,62 Euro. Nach Abzug der gesetzlichen Abgaben bleiben ihm Netto 1040,27 Euro übrig. Abgaben: 348 Euro-- Wenn der Staat so vorgeht, braucht er die Firmenerben auch nicht unnötig zu belasten. Ein Dank an die christlichen Parteien.
einwerfer 20.06.2016
5. Und wieder einmal
ein herzliches Danke-Schön an die Spezialdemokraten um Herrn Gabriel, die ja gerade dabei sind, sich nach links zu öffnen. (Vorsicht, Realsatire !)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.