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Erdbeben, Tsunami, AKW-Unfälle: Gefahr für die Weltwirtschaft

Zittern vor dem Montag danach: Die Katastrophe droht Japan in eine Rezession zu treiben, die Stimmung in den Finanzzentren der Welt ist gespannt. Die Zentralbank will die Märkte mit Milliarden stabilisieren, ein ökonomischer Absturz in Fernost würde auch Deutschlands Aufschwung gefährden.

Japan: Wirtschaft liegt am Boden Fotos
DPA

Tokio - Die Katastrophe in Japan könnte die Wirtschaft des Landes nachhaltig schädigen: Die Autobauer Toyota Chart zeigen und Nissan Chart zeigen haben ihre Produktion gestoppt, die Regierung hat Stromsperren verhängt, in Teilen des Landes werden Benzin und Kerosin knapp. "Das Erdbeben wird beträchtliche Folgen für die wirtschaftliche Aktivität einer großen Zahl von Branchen haben", sagte Regierungssprecher Yukio Edano.

Zu befürchten ist, dass die ohnehin hohe Staatsverschuldung weiter wächst. Schon jetzt hat Japan Schulden in Höhe von 225 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Die Börse in Tokio soll am Montag wie gewohnt öffnen. Doch schon jetzt gibt es Befürchtungen, der Leitindex Nikkei Chart zeigen könnte abstürzen - und Börsen auf der ganzen Welt negativ beeinflussen. Japan ist von der Weltwirtschaft abhängig - und beeinflusst sie selbst stark. Die Auswirkungen einer Krise wären auch in Deutschland spürbar. In Europa ist die Bundesrepublik der wichtigste Partner Japans, der bilaterale Handel hatte 2010 einen Umfang von rund 30 Milliarden Euro.

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Zwei Tage nach dem Beben: Verwüstete Ostküste
Es ist wichtig für die Weltwirtschaft, dass es Japan gutgeht. Und gerade erst schöpfte die Welt Hoffnung, dass sich das Land nach jahrelanger Deflation erholt. 2010 konnte das Bruttoinlandsprodukt um 3,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zulegen.

Doch nun droht Japan eine Rezession, also das Schrumpfen der Wirtschaft in mindestens zwei Quartalen in Folge. "Das Timing der Katastrophe hätte nicht schlimmer sein können", erklärte die Beratungsfirma Capital Economics.

Wegen der Verwüstungen durch das Beben und die Flutwellen müssen die Autokonzerne Toyota, Nissan und Honda Chart zeigen ihre gesamte Produktion aussetzen. Auch in einigen Werken des Technologieriesen Sony Chart zeigen sowie in anderen Fabriken gibt es Produktionsstopps. In mehreren Fabriken gab es Explosionen, in einer Erdölraffinerie des Konzerns Cosmo Oil brannte es.

Eine Sony-Fabrik wurde überschwemmt, die anderen fünf wurden den Angaben nach nicht schlimmer beschädigt. Auch europäische Firmen berichteten von Einschränkungen wegen Stromausfällen oder der Rettung ihrer Mitarbeiter, darunter der britische Pharmakonzern GlaxoSmithKline Chart zeigen sowie der Schweizer Lebensmittelriese Nestle.

Ökonomen setzen auf schnellen Wiederaufbau

Ein großes Problem für die Unternehmen ist die Zerstörung von Infrastruktur. Das Mega-Beben und der darauffolgende Tsunami verwüsteten besonders die Küstengebiete im Nordosten. Diese Region ist nur für acht Prozent des japanischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) verantwortlich. Schäden gibt es aber auch in der südlicheren Region Kanto, zu der die Metropole Tokio gehört und die 40 Prozent des japanischen BIP erzeugt.

Experten schätzen die Kosten des Erdbebens auf bis zu 34,6 Milliarden Dollar. Das berichtet BBC und beruft sich auf eine Risikoanalyse von AIR Worldwide. Die Schätzungen beinhalten nicht die Schäden durch den Tsunami. Deshalb werden die tatsächlichen Kosten "wesentlich höher" ausfallen, sagen die Analysten.

Von Belang ist auch die Krise der Atomwirtschaft, die das Beben und der Tsunami auslösten. Die mehr als 50 japanischen Atomkraftreaktoren decken den Strombedarf des Landes zu rund 30 Prozent. Mehrere Kraftwerke liegen seit dem Beben still. Im Atomkraftwerk Fukushima 1 spitzte sich die Lage dramatisch zu: Nach massiven Störungen am Kühlsystem ereignete sich eine Explosion - in zwei Reaktoren hielt die Regierung am Sonntag eine Kernschmelze für möglich.

Durch die Schäden der Naturkatastrophe und die abgeschalteten Atomkraftwerke werde die Wirtschaft im ersten Quartal 2011 "spürbar geschwächt", sagt Commerzbank-Ökonom Wolfgang Leim. Hoffnung mache ihm jedoch, dass der Wiederaufbau der Katastrophengebiete umfangreiche Investitionen nötig macht. Dies erlaube es, "die Wirtschaftsmaschine schnell wieder anzuwerfen", sagt Leim. Das Baugewerbe, die Stahlproduktion und die Telekommunikationsbranche würden von den notwendigen Reparaturarbeiten profitieren.

Notenbank schüttet 500 Millionen Euro aus

Den Wiederaufbau der Infrastruktur muss die japanische Regierung übernehmen. Die konservative Opposition hat schon signalisiert, dass sie Staatshilfen für das Katastrophengebiet mittragen werde.

Die Bank von Japan hat angekündigt, "ihr Äußerstes zu tun, um die Stabilität der Finanzmärkte zu gewährleisten". Bis Sonntag versorgte sie 13 Finanzinstitute mit insgesamt rund 55 Milliarden Yen (483 Millionen Euro) Sonderhilfen. Für Montag will die Zentralbank laut Financial Times den Markt mit zusätzlicher Liquidität versorgen - 15 bis 20 Milliarden Euro insgesamt, zwei- bis dreimal soviel wie an normalen Tagen. Die Zinsen liegen bereits de facto bei null.

"Alles in allem wird es viel schwieriger werden, im Sommer einen langfristigen Haushaltsplan aufzustellen, wenn die Wirtschaft in einer Rezession steckt, die Staatsfinanzen in noch schlimmerem Zustand sind und viele Menschen noch unter den Nachwirkungen dieser Katastrophe leiden", sagen die Berater von Capital Economics.

Wirtschaftsweiser optimistisch

Der Chef der Wirtschaftsweisen, Wolfgang Franz, gibt sich allerdings noch optimistisch: "Eine erneute globale Rezession befürchte ich nicht, auch nicht eine hiesige deutliche Konjunkturabschwächung", sagte der Chef des Sachverständigenrates dem "Handelsblatt" (Montagausgabe). "Nur etwas über ein Prozent unserer Exporte geht nach Japan und knapp drei Prozent unserer Importe beziehen wir von dort", ordnete Franz ein. Lediglich einige deutsche Unternehmen könne es temporär hart treffen, wenn sie sehr stark in Japan engagiert seien.

cte/ssu/AFP/Reuters

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1. belebung
Gebetsmühle 13.03.2011
Zitat von sysopZittern vor dem Montag danach:*Die Katastrophe*droht Japan*in eine Rezession zu treiben, die Stimmung in den Finanzzentren der Welt ist gespannt. Die Bank von Japan will die Märkte mit Milliarden stabilisieren,*eine ökonomischer Absturz*in Fernost würde auch Deutschlands Aufschwung gefährden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,750678,00.html
blödsinn. eine katastrophe belebt die weltwirtschaft, weil dadruch wieder geld in umlauf kommt, hinter dem echte arbeit also wertschöpfung steckt und nicht virtueller spekulantengewinn.
2. Plattentektonik
Izmir.Übül 13.03.2011
Zitat von sysopZittern vor dem Montag danach:*Die Katastrophe*droht Japan*in eine Rezession zu treiben, die Stimmung in den Finanzzentren der Welt ist gespannt. Die Bank von Japan will die Märkte mit Milliarden stabilisieren,*eine ökonomischer Absturz*in Fernost würde auch Deutschlands Aufschwung gefährden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,750678,00.html
Wer konnte auch ahnen, dass es riskant ist, Atomkraftwerke in einem Land zu errichten, welches an der Nahtstelle von vier Kontinentalplatten liegt?
3. Dimension und Konsequenz
avollmer 13.03.2011
Es wurden weniger als 5% des japanischen Wirtschaftsvolumens und der Infrastruktur zerstört. Die Beeinträchtigungen durch die Kraftswerksausfälle können kurzfristig kompensiert werden. Also Kirche im Dorf lassen, lieber um die Opfer trauern. Die Bundesregierung könnte mehr helfen wenn sie dafür sorgen würde, dass Energieerzeugungsanlagen (Windkraft und Fotovoltaik) in den nächsten 6 Monaten vorrangig nach Japan geliefert wird. Dafür könnte sie mit einem Moratorium die Förderregelungen und das EEG um ebenfalls 6 Monate verschieben. Kein Investor hier hat eine Einbusse, die Japaner rasch wieder Strom und alle sind happy.
4. xxx
Dramidoc 13.03.2011
Zitat von Gebetsmühleblödsinn. eine katastrophe belebt die weltwirtschaft, weil dadruch wieder geld in umlauf kommt, hinter dem echte arbeit also wertschöpfung steckt und nicht virtueller spekulantengewinn.
Das stimmt schon, aber gewisse Wirtschaftszweige haben durch diese Katastrophe auch enorme Verluste, denken Sie mal an die ganzen Versicherer, die nun zahlen dürfen. Im Augenblick liegt mir das Schicksal der Menschen in Japan mehr am Herzen als die Weltwirschaft. Es ist auch ziemlich zynisch die Auswirkungen dieser Katastrophe auf die Wirtschaft in den Mittelpunkt zu stellen, wenn Menschen sterben und verletzt sind. Da hält sich mein Mitleid für die Weltwirtschaft stark in Grenzen.
5. Grundsätzlich zwar richtig...
blurps11 13.03.2011
Zitat von Gebetsmühleblödsinn. eine katastrophe belebt die weltwirtschaft, weil dadruch wieder geld in umlauf kommt, hinter dem echte arbeit also wertschöpfung steckt und nicht virtueller spekulantengewinn.
...irgendwer muss Japan ja wieder aufbauen und Abermilliarden an Kohle scheffeln. Ob das aber ausreicht, um das Spielgeld der Spekulanten wieder stärker an reale Werte anstatt von Stimmungen zu binden ? Ich habe da so meine Zweifel...
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