Ernst von Freyberg: Deutscher Malteserritter wird Chef der Vatikanbank

Fusionsberater, Schlossherr, Mitglied des Malteserordens: Der Unternehmer Ernst von Freyberg hat eine schillernde Biografie. Nun ist diese um einen Posten reicher: Der Vatikan hat ihn zum neuen Chef seiner Bank ernannt. Er soll den Ruf des undurchsichtigen Instituts aufbessern.

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Manager Ernst von Freyberg: Neuer Chef von Gottes Bank

Hamburg - Die Vatikanbank hat Ernst von Freyberg zu ihrem neuen Chef ernannt. Das gab das Institut am Freitag in einer Mitteilung bekannt. Der Vatikan lobte Freybergs "breite Erfahrung mit Finanzangelegenheiten und Regulierungsprozessen".

Freyberg, 54, ist unter anderem Fusionsberater, Schlossherr und Ritter des Souveränen Malteser-Ordens. Er arbeitete bis Ende 2012 für DC Advisory, eine Firma, die Mittelständler und Finanzinvestoren bei Übernahmen und Fusionen berät. Freyberg lebt laut Radio Vatikan in Frankfurt, der Vatikan geht aber davon aus, dass der Finanzprofi sich künftig drei Tage in der Woche in Rom aufhalten werde.

Freyberg ist nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters derzeit Aufsichtsratschef beim Hamburger Schiffsbauer Blohm + Voss und sitzt in den Aufsichtsgremien des Vermögensverwalters Flossbach von Storch und der Zeitarbeitsfirma Manpower.

Er soll den Ruf der Vatikanbank aufbessern. Das Institut mit dem offiziellen Namen Istituto per le Opere di Religione (Institut für die religiösen Werke) ist immer wieder in die Kritik geraten. Ihm wird seit langem vorgeworfen, nicht genug gegen Geldwäsche zu tun. Seit Jahren drängen die europäische und die nationale Aufsichtsbehörde die Bankiers des Papstes, die für alle EU-Institute vorgeschriebenen Regeln auch hinter den Vatikanmauern anzuwenden.

Insbesondere anonyme Nummernkonten, deren Inhaber bei Überweisungen, Scheckeinlösungen und ähnlichen Transaktionen nicht erkennbar sind, gelten als verdächtig. In der Vergangenheit sollen sich Drittwelt-Diktatoren und Mafia-Treuhänder ebenso wie korrupte Politiker und reiche Steuerhinterzieher dieser Konten bedient haben. Genaues weiß man nicht - der Vatikan lässt niemanden in seine Geschäftsbücher schauen.

Papst Benedikt XVI. hatte sich in den vergangenen vier Jahren um Transparenz bemüht. Er schuf unter anderem ein Aufsichtsgremium, das die Finanzen des Instituts überwachen soll. Doch die Kontrollen erwiesen sich offenbar als unzureichend. Aufseher des Europäischen Rats attestierten der Vatikanbank vor zwei Jahren gravierende Mängel bei der Überwachung von Geldwäsche, Steuerbetrug und der Finanzierung von Terror, berichtet der TV-Sender Sky.

Die Vatikanbank verwaltet dem TV-Sender zufolge Finanzen in Höhe von rund vier Milliarden Euro und insgesamt rund 33.400 Konten. Der Chefposten war seit Mai 2012 unbesetzt gewesen. Der frühere Top-Manager Ettore Gotti Tedeschi musste vor acht Monaten gehen. Er war nach einem Misstrauensvotum des Aufsichtsrats zurückgetreten. Gegen Tedeschi laufen Ermittlungen wegen des Verdachts auf Geldwäsche. Interimschefs Ronaldo Schmitz hatte eine internationale Personalagentur mit der Suche nach einem neuen Manager beauftragt, sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi.

Papst Benedikt hatte Freybergs Ernennung zugestimmt, noch ehe er selbst seinen baldigen Rücktritt verkündete.

ssu

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