Desaströse Finanzlage Jede dritte Kommune steckt in der Schuldenfalle

Die Finanzlage deutscher Städte und Gemeinden verschlechtert sich rapide. Laut der Beraterfirma Ernst & Young kann jede dritte Kommune ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen. Die Bürger müssen vielerorts mit höheren Gebühren rechnen.

Plattenbausiedlung in Berlin-Marzahn: Sparen bei der Seniorenbetreuung
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Plattenbausiedlung in Berlin-Marzahn: Sparen bei der Seniorenbetreuung


Berlin - Es sind alarmierende Zahlen: Laut einer Umfrage rechnet fast jede zweite Kommune in den kommenden Jahren mit steigenden Schulden. Nur 38 Prozent erwarten laut der Beratungsgesellschaft Ernst & Young, dass die Verschuldung abnimmt. Das Unternehmen hat bundesweit 300 Städte und Gemeinden nach ihrer Finanzlage befragt.

Ein zentrales Ergebnis: In diesem Jahr beschert der Wirtschaftsaufschwung den Kommunen noch steigende Einnahmen - im Durchschnitt rechnen sie mit einem Plus von 2,2 Prozent. Doch bereits für 2013 prognostizieren die Kämmerer wieder einen Rückgang um 0,9 Prozent. Zudem steigen die Kosten ungebremst weiter, vor allem die Sozialausgaben. Das Fazit der Berater: Die konjunkturelle Entwicklung habe die Probleme der Gemeinden nur temporär gelindert, sie aber nicht dauerhaft gelöst.

Besonders nachdenklich muss das Eingeständnis vieler Kommunen stimmen, man rechne nicht mehr damit, die in den vergangenen Jahren aufgetürmten Schulden noch zurückzahlen zu können: Jeder dritte Kämmerer gibt an, die eigene Kommune werde ihre Schulden voraussichtlich nicht aus eigener Kraft tilgen können.

"Es sind vor allem die Sozialausgaben, die die Kommunen immer stärker belasten - ohne dass sie die Möglichkeit hätten gegenzusteuern", sagt Hans-Peter Busson, Leiter des Bereichs Government & Public Sector für Deutschland, die Schweiz und Österreich bei Ernst & Young. Zu den Sozialausgaben zählen beispielsweise die Unterkunftskosten für Bezieher von Arbeitslosengeld II, die Ausgaben für die Jugendhilfe und die Grundsicherung im Alter sowie Kosten der Eingliederungshilfe. Spielraum für Kürzungen besteht hier nicht, da diese Ausgaben überwiegend bundesgesetzlich geregelt sind.

Viele Bürger dürften die Finanzprobleme ihrer Kommune ganz direkt zu spüren bekommen. Die Städte und Gemeinden setzen nämlich zum einen auf Sparmaßnahmen. Zugleich erhöhen sie in großem Umfang Steuern und Gebühren: 81 Prozent der Kommunen wollen laut Ernst & Young 2012/2013 Steuern und Gebühren anheben. 41 Prozent planen zugleich, Leistungen zu reduzieren oder abzuschaffen, etwa im Bereich Straßenbeleuchtung oder bei der Kinder- und Seniorenbetreuung.

cte



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insgesamt 203 Beiträge
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Buergerunion 01.11.2012
1. Logische Schlussfolgerung
Oh, da wird es aber Zeit das wir die Parlamente vergrößern
kkoop 01.11.2012
2. Der erste Satz
ist schon interessant formuliert: "Alarmierende Zeichen: Fast jede zweite Kommune rechnet mit steigenden Schulden, nur 38% mit sinkenden". Fast jede zweite sind wahrscheinlich so um die 45%. Also 45% steigende, 38% sinkende Schulden. Nicht mehr ganz so alarmierend, oder?
sabaro4711 01.11.2012
3. kein Wunder
Und daran wird sich auch nichts ändern, solange die entsprechenden Politiker für die jährlich immer wieder bekannt werdenden Verschwendungen nicht persönlich haften müssen, im Sinne von "Ist doch nicht mein Geld" Also noch eine Strasse ins Nirgendwo, eine Brücke ohne Sinn, ein neues Rathaus, was schon kurz danach renoviert werden muss, ein neuews Spassbad zur nächsten Wahl.....
deccpqcc 01.11.2012
4.
Zitat von sysopAPDie Finanzlage deutscher Städte und Gemeinden verschlechtert sich rapide. Laut der Beraterfirma Ernst & Young kann jede dritte Kommune ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen. Die Bürger müssen vielerorts mit höheren Gebühren rechnen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/ernst-young-jede-dritte-kommune-steckt-in-der-schuldenfalle-a-864709.html
seltsam seltsam. gerade gestern war doch erst von steuereinnahmen auf historischem höchst-stand die rede. wo geht das viele geld denn hin ? solche betrachtungen sind beim ehemaligen nachrichten-magazin wohl komplett aus der mode gekommen.
analyst2 01.11.2012
5. Ja was denn nun?
Zitat von sysopAPDie Finanzlage deutscher Städte und Gemeinden verschlechtert sich rapide. Laut der Beraterfirma Ernst & Young kann jede dritte Kommune ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen. Die Bürger müssen vielerorts mit höheren Gebühren rechnen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/ernst-young-jede-dritte-kommune-steckt-in-der-schuldenfalle-a-864709.html
Vor ein paar Tagen wurde noch von rapidem Schuldenabbau der Städte und Kommunen berichtet. Fakt ist das die Kommunen in sich selbst zu hohe Kosten haben und ihnen nichts anderes einfällt als Steuern zu erhöhen. Da geht es ihnen allerdings nicht besser als den Ländern und dem Bund. Wer soll das bezahlen,wer hat soviel Geld....?
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