Minus von 22 Prozent Bauernverband meldet "miserable Getreideernte"

Landwirte haben fast ein Viertel weniger Getreide geerntet als im Vorjahr, meldet der Bauernverband. Mancherorts habe es Totalverluste gegeben. Laut einem Bericht will der Bund ein millionenschweres Hilfsprogramm auflegen.

Maisfeld bei Hannover
DPA

Maisfeld bei Hannover


Angesichts der Dürre in vielen Regionen Deutschlands haben die Bauern eine deutlich schlechtere Ernte eingefahren. Bei Getreide ergebe sich in diesem Jahr eine Menge von 35,6 Millionen Tonnen und damit ein Minus von 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, teilte der Deutsche Bauernverband in seiner Erntebilanz mit.

Betrachte man die durchschnittliche Menge von 2013 bis 2017 dann betrage der Rückgang bei der Getreideernte sogar 26 Prozent. Bauernpräsident Joachim Rukwied sprach von einer "miserablen Getreideernte".

Hinzu kämen Einbußen bei Kartoffeln, Zuckerrüben und vor allem beim Anbau von Tierfutter. In einigen Regionen lägen die Ernteverluste zwischen 50 und 70 Prozent bis hin zu Totalausfällen. Daher sei es dringend geboten, dass Bund und Länder ein Hilfsprogramm mit Unterstützungsmaßnahmen für die betroffenen Betriebe rasch auf den Weg brächten. "Die konkrete Forderung ist, den Notstand auszurufen", sagte Rukwied. Eine konkrete Zahl zu den erwarteten Hilfen nannte er nicht und betonte, er habe vor 14 Tagen lediglich erklärt, Hilfen von einer Milliarde Euro seien "wünschenswert".

Über eine solche Nothilfe muss Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) entscheiden. Sie legte im Kabinett den amtlichen Erntebericht vor. Auf dessen Basis soll entschieden werden, ob der Bund erstmals seit 2003 wieder wegen einer Dürre Hilfen leistet. Voraussetzung dafür ist, dass Schäden von "nationalem Ausmaß" festgestellt werden. Klöckner will sich dazu am Mittag äußern.

Bund will Hilfe leisten - aber nur wenn Länder mitmachen

Die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) berichteten unter Berufung auf Koalitionskreise, der Bund wolle für betroffene Landwirte ein Hilfsprogramm in dreistelliger Millionenhöhe auflegen. Die Ernteeinbußen wegen Trockenheit und Hitze würden von der Bundesregierung als "Schadensereignis nationalen Ausmaßes" eingestuft, hieß es. Die von den Ländern an den Bund gemeldete bereinigte Schadenssumme liege "unter einer Milliarde Euro" und werde von dem Hilfsprogramm abgedeckt.

Geplant sind demnach einerseits direkte Zuschüsse und andererseits Liquiditätsdarlehen. Die Unterstützung soll dabei an Bedürftigkeit und Betroffenheit geknüpft werden. Landwirtschaftsministerin Klöckner will die Hilfen des Bundes dem RND-Bericht zufolge daran knüpfen, dass die Länder sich zu 50 Prozent an den Kosten beteiligen. Dazu solle "so schnell wie möglich" eine Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund und Ländern geschlossen werden, hieß es.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium wollte den Bericht zunächst nicht kommentieren und verwies auf die geplante Pressekonferenz der Ministerin.

Bauernverband sieht höhere Preise als dringend erforderlich

Klöckner hatte klargemacht, dass sie in eine Gesamtbetrachtung auch die momentan deutlich höheren Preise für Getreide einbeziehen will. Rukwied sagte, höhere Erzeugerpreise für Getreide an den internationalen Märkten seien dringend erforderlich. Ackerbauern mit großen Einbußen profitierten aber nur begrenzt, wenn sie keine nennenswerten Mengen zu höheren Preisen absetzen könnten.

mmq/dpa/AFP

insgesamt 20 Beiträge
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mcmercy 22.08.2018
1.
Ich finde eine schlechte Ernte rechtfertigt noch kein Hilfspaket. Auch ein Bauer muss wie jeder Unternehmer Vorsorge treffen, Rücklagen bilden, die durchaus auch mal ein schlechtes Jahr überbrücken können. Zukünftig werden wir wohl ölfter schwierige Wetterbedingungen haben, wollen wir dann jedes Jahr noch größere Subventionen an die Bauern geben. Hilfe sollten erst gewährt werden, wenn es 2 oder 3 schlechte Ernten in Folge gibt oder allenfalls als Kredit.
waswoasi 22.08.2018
2. Gleiches Recht für Alle!
Bin absolut gegen Hilfen für die Bauern wegen einer miserablen Ernte aufgrund von einem heissen Sommer entstanden ist. Wenn man hier die Bauern stützt muss man jeden Betrieb und jedes Unternehmen im Land unterstützen, wenn es mal ein schlechtes Geschäftsjahr erwischt hat. Finger weg von Subventionen!!!
lars.manhof 22.08.2018
3. Eine ernsthafte Frage
Wieso wird den Bauern nicht empfohlen, ihre Verluste einfach über den Verkaufspreis weiterzugeben. Dann kostet eben das Weizenbrötchen 40 statt 30 Cent. Aber dies wäre gesamtwirtschaftlich die sauberste Finanzierung der Folgen dieser Klimakrise. Wenn das Fleisch und das Getreide teurer wird, wird vielleicht zwar das eine oder andere Lebensmittel weniger gekauft, aber das dringend Benötigte und Unverzichtbare wird vom Kunden bezahlt werden. Es gäbe dadurch zudem eine wohltuende marktwirtschaftliche Bereinigung, die auf diesem Sektor genauso nötig ist, wie überall sonst. (Gerade sehe ich eine Doku im Fernsehen, welche abstrusen Ergebnisse die hierzulande erzeugten und exportierten Lebensmittel in Afrika bewirken. Vollkommen kontraproduktiv).
heinihuckeduster 22.08.2018
4. Bäuerliche Familienbetriebe unterstützen
Ein Unterstützung nach dem Prinzip "Gießkanne" kommt doch nur den industriell geführten Agrar-Großbetrieben zugute. Also sollte Kriterien festgelegt werden um Höfen mit z.B. maximal 100 ha und oder 100 Großvieheinheiten zu helfen!
dokarr 22.08.2018
5. Zu #1
Sehe ich genauso. Kann das geplante Hilfspaket für die Landwirtschaft nicht nachvollziehen. Und ich glaube auf Spiegel Online selbst, einen Video Clip gesehen zu haben, in dem sich ein Landwirt zu dem geplanten Hilfspaket äußert. Dieser sagte selbst das ein Landwirt auf solche Zeiten vorbereitet sein muss. Sinngemäß dann weiter, wer das nicht ist, hat schlecht gewirtschaftet.
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