Für Qualifizierung und Ehrenamt Nahles will jedem 20.000 Euro geben

Grundeinkommen? Bundesarbeitsministerin Nahles hat andere Pläne. Sie will für jeden Bürger ein Erwerbstätigenkonto mit pro Kopf 20.000 Euro - für ein Sabbatical, das Ehrenamt und vieles mehr.

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles
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Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles


Wie können mehr Menschen dazu gebracht werden, sich weiterzuentwickeln oder zu engagieren? Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles fordert dafür ein persönliches Erwerbstätigenkonto mit 20.000 Euro für jeden Erwachsenen beim Start ins Arbeitsleben.

"Jede Arbeitnehmerin und jeder Arbeitnehmer bekommt ein Startguthaben", sagte die SPD-Politikerin am Dienstag bei einer Konferenz der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Berlin. Einkommensausfälle bei Weiterqualifizierung, Existenzgründung oder ehrenamtlichem Engagement sollen so kompensiert werden. Zur Finanzierung wollte sie sich noch nicht äußern.

Von Nahles' Vorschlag könnten diejenigen profitieren, die unter der von der OECD festgestellten Spreizung des Arbeitsmarkts leiden. Demnach gibt es sowohl im niedrig qualifizierten Bereich als auch im Bereich hochqualifizierter Tätigkeiten mehr Jobs - die Arbeitsplätze für Facharbeiter werden aber weniger. Mit Bildung, so die OECD könne man gegensteuern. OECD-Generalsekretär Ángel Gurría lobte Nahles' Pläne bereits.

Wofür die Erwerbstätigen ihr Guthaben einsetzen wollen, sollen sie laut Nahles selbst entscheiden können. Durch tarifvertragliche Regelungen könne das Guthaben auch aufgestockt werden. 20.000 Euro seien eine sinnvolle Startsumme.

Nahles hatte über solch ein Konto bei der Vorstellung von Überlegungen zur Arbeitswelt im digitalen Zeitalter Ende November erstmals laut nachgedacht. Laut dem damals vorgestellten "Weißbuch Arbeiten 4.0" sollen Erwerbstätigenkonten zu Beginn des Arbeitslebens automatisch eingerichtet werden. Der Staat soll das Geld absichern.

Der Vorschlag nimmt laut dem Weißbuch auch Vorschläge von Ökonomen auf, ein zweckgebundenes Startkapital als Sozialerbe einzuführen, um die Bedingungen schlechter gestellter junger Menschen zu verbessern. Denkbar wäre demnach, jenen, die kein Studium genossen haben, ein höheres Startkapitel zu geben, denn die universitäre Ausbildung wird bereits weitgehend vom Steuerzahler finanziert.

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Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer hatte im Zuge der damaligen Diskussion vor neuen finanziellen Belastungen für die Wirtschaft gewarnt. Ver.di-Chef Frank Bsirske forderte, so ein Konto unverzüglich zu schaffen. Nahles' Staatssekretär Thorben Albrecht sagte, man brauche dafür erst mal das nötige Steuergeld. Er brachte Mittel aus der Erbschaftssteuer ins Spiel.

Report zum Arbeitsmarkt der Zukunft: Die Jobfresser kommen

apr/dpa

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insgesamt 36 Beiträge
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Seite 1
ackergold 13.06.2017
1.
Ist zwar ne gute Idee, wird sich aber in diesem Land der Egozentriker, wo jeder meint, dass nur er zu kurz kommt, nicht durchführen lassen. Dazu müsste man ja Steuerhinterziehung wirksam bekämpfen und das werden die Neocons niemals zulassen.
kapamb 13.06.2017
2. Toll
Frau Nahles, was Sie immer nur für tolle Ideen haben. Was verspricht man nicht alles wenn man mit dem Rücken an der Wand steht. Schulz wird noch mehr versprechen wer das bezahlen soll wird nicht gesagt. Vielleicht die Reichen, die Erben oder der kleine Mann?
cm1 13.06.2017
3. Sehr guter Ansatz
Chancengerechtigkeit ist ohne Vermögen eine Illusion. Natürlich ersetzt das Starter Kit keine gerechten Löhne, aber es gleicht ein wenig den Vorteil vermögender Vorfahren aus. "Vererbte" Armut ist eine der wichtigsten politischen Herausforderungen in Deutschland.
kayakclc 13.06.2017
4. Die SPD, die Wahl und die Geldgeschenke, die andere finanzieren sollen
Bei 80Mil Leute und 80Jahre Lebenserwartung, werden so grob 1Mil Leute/Jahr 18 Jahre alt. Dann wären das ein Bedarf von 20Mrd € Pro Jahr. Liebe Frau Nahles: bitte machen Sie einen Kürzungsvorschlag. Der Vorschlag ist am Ende nicht durchdacht, weil es schon viele andere Subversionen für Leute ohne Arbeit gibt. Solange Frau Nahles auch noch Rentegeldgeschenke verteilen will, wird das alles unglaubwürdig. Die Sozialleistungen haben in Deutschland sowieso einen historischen Höchststand erreicht. Wenn da immer noch eine Spreizung festzustellen ist, deutet das darauf hin, dass alle bisherigen Massnahmen der SPD aus den Letzten 20 Jahren nicht geholfen haben, also auf den Prüstand gehören, oder Geld vielleicht gar keine Lösung ist, sondern der Abbau der Bildungsverweigerung bei den Menschen.
widower+2 13.06.2017
5. Jedem?
Eben nicht, sondern nur Bürgern am Anfang des Erwerbslebens. Die Überschrift ist grob irreführend.
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