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Zinsflaute: Erzbistum Köln schreibt Millionenverlust

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Dunkle Wolken überm Dom? Zumindest finanziell ist alles in Ordnung Zur Großansicht
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Dunkle Wolken überm Dom? Zumindest finanziell ist alles in Ordnung

Die Niedrigzinsen treffen das Erzbistum Köln. Weil die Diözese mehr Geld für die Altersvorsorge zurücklegen muss, schreibt sie einen Millionenverlust. Doch keine Sorge: Die Reserven sind gewaltig.

Der Aufschrei war heftig, als das Erzbistum Köln im vergangenen Jahr erstmals sein Vermögen offenlegte: Knapp 3,4 Milliarden Euro wies das Zahlenwerk der zwei Millionen Mitglieder starken Diözese für das Berichtsjahr 2013 damals aus. Was soll die Kirche mit einem solch gewaltigen Besitz, fragten viele damals.

Einen Teil der Antwort gibt das Bistum nun, ein Jahr später, bei der Vorlage der Bilanz für 2014, in der erstmals ein Verlust zu Buche steht, der aus den Reserven ausgeglichen werden muss.

Knapp sechs Millionen Euro Minus hat das Erzbistum eingefahren - und das, obwohl die Einnahmen aus der Kirchensteuer um 2,8 Prozent auf 589 Millionen Euro gestiegen sind.

Hauptgrund für den Verlust sind neben höheren Rückstellungen für Verrechnungen zwischen verschiedenen Bistümern vor allem die gestiegenen Kosten für die Altersvorsorge. Wegen der anhaltend niedrigen Zinsen musste Finanzdirektor Hermann Schon mehr Geld zurücklegen, um die künftigen Pensionsverpflichtungen erfüllen zu können.

Die Rücklagen reichen theoretisch noch für 275 Verlustjahre

Sechs Millionen Euro Verlust - das ist eine Menge Geld. Doch bei genauerem Hinsehen relativiert sich der Eindruck. Schließlich verfügt das Erzbistum über gewaltige Reserven.

Das Eigenkapital beläuft sich auf knapp 2,5 Milliarden Euro. Und allein die Rücklagen, die das Bistum für die Instandhaltung der Kirchengebäude, die Pensionen von Priestern und Lehrern sowie mögliche Rückgänge bei den Kirchensteuereinnahmen gebildet hat, machen 1650 Millionen Euro aus. Wegen des Jahresverlusts 2014 sind das zwar sechs Millionen Euro weniger als im vergangenen Jahr, aber zumindest theoretisch immer noch genug, um die nächsten 275 Jahre ähnliche Minusergebnisse einzufahren.

Anders als normalen Unternehmen kommt es den Kirchenleuten nach eigener Aussage ohnehin nicht auf glänzende Jahresergebnisse an. "Wir als Bistum haben gar kein Interesse daran, Gewinne zu erzielen", sagt Martin Günnewig, Stabsabteilungsleiter in der Finanzabteilung. "Wichtiger ist die Kontinuität in Seelsorge und Caritas."

Für die dürfte auch in Zukunft noch ausreichend Geld da sein. Schließlich waren allein die Immobilien und Wertpapierdepots des Erzbistums Ende 2014 mehr als drei Milliarden Euro wert.

Die reichste Diözese des Landes ist Köln damit aber trotzdem nicht. Diesen Platz dürfte Paderborn einnehmen. Zwar haben noch längst nicht alle Bistümer ihre Vermögen offengelegt. Das Paderborner Gesamtvermögen von gut vier Milliarden Euro dürfte aber nur schwer zu schlagen sein.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels war von einem Anstieg der Kirchensteuereinnahmen um 27 Prozent die Rede. Das war falsch. Tatsächlich waren es nur 2,8 Prozent. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 141 Beiträge
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1. Jaja
iamwiesl2 18.02.2016
gut das man in der Bilanz solche Pensionsverpflichtungen steuerlich ansetzen kann. Ein realer Verlust ist nicht entstanden. Gott sei Dank!
2.
alexkam 18.02.2016
Musste die Diözese Beträge für die Altersversorgung zurücklegen oder zurückstellen? Der Unterschied zwischen Rückstellungen und Rücklagen sollte eine Wirtschaftsredakteur eigentlich bekannt sein...
3.
Crom 18.02.2016
Zitat von iamwiesl2gut das man in der Bilanz solche Pensionsverpflichtungen steuerlich ansetzen kann. Ein realer Verlust ist nicht entstanden. Gott sei Dank!
Zahlt die Kirche denn überhaupt Steuern? Meines Wissens nach nicht, also kann man auch nichts "ansetzen".
4. Man könnt das gelassen ignorieren ...
unbekanntgeblieben 18.02.2016
Wenn die Kirchensteuer nicht über die Eintreibung den Staat und somit jeden Steuerzahler kosten würde... wenn die nicht auch Zeitarbeit und Ausbeutung durch Lohn-dumping betreien würden oder anderweitig den guten Willen vieler Menschen ausnutzen würden ... Gegen Religion im allg. habe ich ja nichts ... Soll jeder halten wie er will, solange er dabei die Augen nicht verschließt. Aber die Kirche ... "Wir als Bistum haben gar kein Interesse daran, Gewinne zu erzielen" aber gegen 'Behalten' hatten sie auch nichts ;). Gier hat noch jeden korrumpiert, die schon im und seit dem Mittlealter.
5. Mir kommen die Tränen
winki 18.02.2016
Bloß gut, dass der Oberbürgermeister von Leipzig für dem Katholikentag im Mai in Leipzig eine Million beisteuert. Sonst hätte das Ivent vielleicht ausfallen müssen. Und da heißt es immer die Kommunen im Osten sind arm.
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